Dörfer werden abgerissen, riesige Kuppelbauten entstehen: Chinas Regierung baut in der Provinz Sichuan ihr Atomprogramm weiter aus. Die chinesische Provinz Sichuan, zu Deutsch "Vier Flüsse", ist Heimat des Großen Pandas sowie chinesischer Atomraketen. Nun zeigt eine Recherche des US-Nachrichtensenders "CNN", dass die chinesische Regierung in den Gebirgen der Provinz wohl seit Jahren in atemberaubendem Tempo ihre nukleare Infrastruktur ausbaut. Eine Tatsache, die Peking bislang bestreitet, die von den USA unter Präsident Donald Trump jedoch wiederholt angeprangert wurde. Jetzt scheinen sich diese Vermutungen zu bestätigen. Der Gesamtbestand an Atomwaffen hat zuletzt global wieder leicht zugenommen. Zwar liegt der Bestand von rund 12.300 Atomsprengköpfen (2025) weit unter dem Höchststand zur Zeit des Kalten Krieges, doch eifern Staaten weltweit einer Modernisierung ihrer Bestände nach. 86 Prozent aller Sprengköpfe verteilen sich auf die Arsenale der USA und Russland . China verfügte im Vorjahr über rund 600 Nuklearwaffen. Doch Peking holt auf. Laut CNN begann die aggressive Ausbaukampagne wohl um das Jahr 2021 herum. Dorfbewohner aus der Region wurden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen, die Dörfer wurden abgerissen. Auf Nachfrage bei lokalen Behörden hieß es, es handele sich um ein "Staatsgeheimnis". Aktuelle Satellitenbilder zeigen, dass an deren Stelle neue Gebäude errichtet wurden, die einige der wichtigsten Einrichtungen für chinesische Atomanlagen beherbergen sollen. Chinas Marine: Neues Riesenschiff soll Trumps Zerstörer übertreffen Überblick: Alle aktuellen Meldungen zum Krieg in Nahost Zwist mit den USA Die nuklearen Ambitionen Chinas führten in der Vergangenheit wiederholt zu Spannungen mit der Regierung in Washington . Laut dem Pentagon ist China das Land mit dem weltweit am schnellsten wachsenden Arsenal an Atomwaffen. Jüngst ist das größte nukleare Abrüstungsabkommen "New START" zwischen den USA und Russland ersatzlos ausgelaufen. Im kommenden Monat soll US-Präsident Donald Trump nach China reisen. Es wird vermutet, dass er dort ein neues Abkommen anstreben könnte, das dieses Mal neben Moskau auch die Regierung in Peking binden soll. Die Entwicklungen in Sichuan deuten jedoch nicht darauf hin, dass in China das Interesse an Abrüstung besonders groß wäre. Ganz im Gegenteil: Jeffrey Lewis, Experte für globale Sicherheit am Middlebury College in den USA, erklärt gegenüber CNN, dass durch das Projekt in Sichuan "eine deutlich höhere Produktionskapazität" nuklearer Systeme zur Verfügung stehen werde. Eine der markantesten Neuerungen in der Region ist ein innerhalb von fünf Jahren errichtetes Kuppelgebäude in der Größe von ungefähr 13 Tennisfeldern, das von einer Stahlbetonkonstruktion mit Strahlungsmessgeräten und Drucktüren umgeben ist. Diese und weitere Merkmale, darunter umfangreiche Lüftungsanlagen, dienen laut mehreren Experten dazu, hochradioaktive Materialien wie Uran und Plutonium im Inneren der Kuppel zu lagern. Chinas Ministerium will von nichts wissen Weitere Satellitenaufnahmen aus der Region zeigen, wie im Verlauf der Jahre einzelne Atomanlagen Chinas miteinander verbunden wurden. In der nahegelegenen "Stadt der Wissenschaft", dem Zentrum des chinesischen Atomprogramms, wurden im Verlauf der Jahre rund 600 Gebäude abgerissen, um neue Forschungseinrichtungen zu bauen. Der Nuklear- und Abschreckungsanalyst Decker Eveleth sagt dazu: "Die Tatsache, dass diese Modernisierung so umfassend ist, deutet auf eine grundlegende Überarbeitung der Technologie hin." Auf die Ergebnisse von CNN angesprochen, erklärte das chinesische Außenministerium: "Wir sind über die von Ihnen erwähnte Situation nicht informiert." Das chinesische Verteidigungsministerium reagierte nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme. Der China-Analyst Tong Zhao sieht die aktuellen Entwicklungen als Teil einer breit angelegten chinesischen Strategie. Man wolle mit strategischen Fähigkeiten, einschließlich eines breiten Atomarsenals, westliche Länder psychologisch beeinflussen, um die Realität eines aufstrebenden Chinas zu akzeptieren. Zudem würde der aktuelle Krieg Israels und der USA gegen den Iran China in seinem nuklearen Bestreben zusätzlich bestärken, so Lewis. Durch das kriegerische Vorgehen im Nahen Osten schüre man in China Ängste, die die Xi-Regierung letztlich dazu bringen könnten, noch mehr Atomwaffen zu bauen.