Beeindruckende Bilder: Schweigen und beten: Karfreitagsprozession in Lohr
Es ist still in Lohr am Main am Karfreitag. Die Prozession zeigt auf beeindruckende Weise die Leidensgeschichte Jesu. Aus einem Grund können die Mitwirkenden dieses Jahr besonders stolz sein.
Die Atmosphäre ist andächtig, es ist still. Eine Stunde lang sind am Karfreitag zum Teil jahrhundertealte, überlebensgroße Figuren durch die Gassen von Lohr am Main getragen worden. Die Karfreitagsprozession in der unterfränkischen Stadt gilt als eine der ältesten im deutschsprachigen Raum - und steht nun auch auf der Landesliste des immateriellen Kulturerbes, wie das Heimatministerium erst kürzlich mitteilte.
Die Prozession ist seit Mitte des 17. Jahrhunderts belegt. Es wird dabei weder gesprochen noch gesungen. Der stumme Zug werde nur vom Schlag einer großen Trommel begleitet, schreibt das Heimatministerium.
Tausende Zuschauer
Dargestellt wird der Leidensweg Christi bis zur Kreuzigung sowie weitere biblische Szenen. Erst am Ende des Schweigemarschs wird auf dem Kirchplatz gebetet und gesungen.
Der Grundgedanke der Prozession war einst, den Menschen, die nicht in der Bibel lesen konnten, den Glauben nahezubringen. Etwa 600 Menschen wirken jährlich bei dem Umzug mit, Tausende Zuschauer säumen den Weg der Prozession.
Die großen Figuren ruhen auf Holzgestellen. Sie sind bis zu 150 Kilogramm schwer und werden von je vier Trägern getragen. Die Verantwortung für den religiösen Brauch liegt nach Angaben des Förderkreises Lohrer Karfreitagsprozession seit Jahrhunderten bei den Handwerkern der Region.