Stickoxide in Heidelberg: Erstmals knapp unter dem Grenzwert
Heidelberg. (hö) Im Heidelberger Stadtgebiet wird erstmals der Stickstoffdioxid-Grenzwert flächendeckend eingehalten. Die baden-württembergische Landesanstalt für Umwelt berichtete, dass im Jahr 2017 der NO2-Jahresmittelwert an der Messstelle in der Mittermaierstraße - sie befindet sich ziemlich genau in der Mitte zwischen Bergheimer und Alter Eppelheimer Straße - bei 39 Mikrogramm pro Quadratmeter liegt (und damit unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm). Allerdings war bereits in den letzten Jahren die Tendenz sinkend: Noch vor 15 Jahren wurden hier fast 80 Mikrogramm gemessen, dann halbierten sich, auch dank verbesserter Fahrzeugtechnik, nach und nach die Werte. Stickstoffoxide sind neben Feinstaub - in Heidelberg kein Thema - die wichtigsten Quellen der Luftverschmutzung; sie wirken sich vor allem schädlich auf die Atemwege aus.
Die Mittermaierstraße ist schon länger das Sorgenkind, was die Luftreinhaltung angeht: Mit über 30.000 Autos am Tag ist sie - nach der Römerstraße/Karlsruher Straße (bis zu 49.000 Autos) - die am zweitstärksten befahrene Straße im Stadtgebiet. Und eine besonders schlecht durchlüftete. Daher galt die nur 400 Meter lange Straße zwischen Hauptbahnhof und Ernst-Walz-Brücke als der am höchsten belastete Abschnitt in Heidelberg. Andere Messstellen - an der Berliner, der Karlsruher und der Brückenstraße - sind schon seit Jahren unauffällig. Hier hilft vor allem eine deutlich bessere Durchlüftung, beispielsweise durch den "Neckartäler"-Wind.
Die Stadtverwaltung ist überzeugt, dass die relativ guten Werte vor allem auch ihrer Luftreinhaltestrategie zu verdanken sind - dazu gehört der Ausbau der städtischen Elektrofahrzeugflotte und der E-Linienbusse. Außerdem hätten im letzten Jahr 80 Heidelberger ihr Auto abgemeldet (und dafür ein RNV-Jahresticket erhalten), und an 50 Bürger würden Zuschüsse für ein umweltfreundliches Erdgas-, Hybrid- oder Elektrofahrzeug bezahlt.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn der niedrige Wert war vor allem dem Wetter geschuldet, wie die Stadt selbst zugibt: "Insbesondere im zweiten Halbjahr 2017 haben landesweit günstige meteorologische Verhältnisse die Schadstoffbelastung in der Luft gesenkt." Im Grunde heißt das: Ein verregneter Sommer ist genauso gut für die Luftqualität wie ein milder, feuchter Winter. Daher weiß man auch bei der Stadt: "Bei ungünstigeren meteorologischen Verhältnissen können zukünftige Grenzwertüberschreitungen in Heidelberg nicht ausgeschlossen werden."