Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises: Aufgelöster Verein setzt Vermögen für gute Zwecke ein
Rhein-Neckar. (kaz) Überrascht und erfreut zugleich zeigte sich Susanne Keppler, Leiterin des Jugendamtes des Rhein-Neckar-Kreises jüngst, als sie im am Telefon erfuhr, dass das Jugendamt eine Spende in Höhe von über 41.000 Euro für benachteiligte Kinder und Jugendliche im Landkreis erhalten soll.
Die Hintergründe haben mit dem Fußball beziehungsweise der TSG Hoffenheim zu tun: Vor einigen Jahren, als Dietmar Hopp in der Region einen Standort für ein Bundesliga-Stadion auswählte, fand dieses Vorhaben sowohl Unterstützer als auch Gegner. Das Ergebnis ist bekannt: Hoffenheim spielt seit dem Jahr 2009 in der Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim. Befürworter hatten in St. Leon-Rot den Verein "mit aufsteigen" gegründet, dem regionale Unternehmen und Persönlichkeiten angehörten. Nachdem die Standortentscheidung für das Stadion gefallen war, löste sich der Verein wieder auf.
Rechtsanwalt Jens Gröner wurde zum Liquidator des Vereins bestellt und bekam von den Mitgliedern den Auftrag, das Vereinsvermögen nachhaltig wirksam einzusetzen, indem es benachteiligten Kindern und Jugendlichen zur Verfügung gestellt wird. "Das Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises war aufgrund des Sachverstandes, der Erfahrung sowie der Kenntnisse um die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen mein geborener Ansprechpartner", sagt Rechtsanwalt Gröner.
So kam es schließlich zum Anruf bei der Leiterin des Kreisjugendamte. Zwischen Susanne Keppler und Jens Gröner herrschte schnell Einigkeit darüber, dass das Geld möglichst großflächig verteilt werden sollte, um nachhaltig zu wirken. Das Jugendamt rief die regionalen freien Träger auf, sich mit Projekten um einen Teil der Spendensumme zu bewerben. Die eingereichten Vorschläge und Projekte waren vielfältig - von Praktikumswochen über dauerhafte Präventionsprogramme bis hin zu Kanufahrten.
Eine der geförderten Ideen ist die Fahrradwerkstatt des Vereins Postillion. Mobilität stellt besonders für Kinder und Jugendliche eine wichtige Größe im Alltag dar. Sie gibt Unabhängigkeit und Selbstständigkeit - daher sind bei diesem Projekt auch Fahrräder das Ziel. In den stationären Einrichtungen des Vereins Postillion mit zwei beziehungsweise drei Einheiten wohnen aktuell 15 Mädchen und Jungen im Alter von elf bis 18 Jahren, darunter auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
In der Einrichtung wird viel Wert auf soziales Miteinander gelegt. Dank der großzügigen Spende kann der "Postillion" allen Kindern und Jugendlichen ein verkehrstüchtiges und -sicheres Fahrrad zur Verfügung zu stellen. In der Fahrradwerkstatt wird zudem nicht nur das soziale Miteinander gefördert, sondern dort werden auch alltagstaugliche Fähigkeiten erlernt.