Heidelberg: Der Weg zur "intelligenten Stadt"
Von Steffen Blatt
Heidelberg. "Wir sind bei Arbeitskultur und -geschwindigkeit eher wie ein Start-up organisiert", sagt Sebastian Wartekin. Er leitet die Heidelberger "Digitalagentur", die im August 2017 an den Start ging und der Stadtverwaltung helfen soll, digitale Projekte umzusetzen. Denn mit verschiedenen Anwendungen und der Vernetzung von Daten etwa in den Bereichen Verkehr, Bildung oder Bürgerdienste will man die Lebensqualität der Bürger verbessern. Heidelberg soll eine "intelligente Stadt" werden, eine "Smart City".
Die Digitalagentur ist als GmbH organisiert, die je zur Hälfte von der Stadt und den Stadtwerken finanziert wird. Das fünfköpfige Team um Wartekin besteht aus Mitarbeitern der beiden Träger, die eine "hohe Affinität zu digitalen Themen" haben, wie der Agenturleiter es beschreibt. Die Aufgabe der GmbH umreißt Wartekin so: "Wir sollen digitale Themen in der gesamten Stadt voranbringen, neue Möglichkeiten aufzeigen, Kontakte mit Technologiefirmen herstellen und die technische Entwicklung im Auge behalten." Die Agentur soll also eher beraten, Partner zusammenbringen und so Projekte anstoßen und weniger selbst Vorhaben umsetzen.
"Wir wollten keine große Stabsstelle und riesige neue Strukturen schaffen, sondern die Digitaleinheit möglichst klein halten. Die Umsetzung soll da bleiben, wo sie ist. Damit haben wir in Heidelberg gute Erfahrungen gemacht", erklärt Nicole Huber, die das OB-Referat leitet und die Digitalstrategie der Stadt koordiniert. Einen ersten Erfolg kann die Digitalagentur bereits verzeichnen: Das "Digital Hub kurpfalz@bw", eine regionale Anlaufstelle für digitale Projekte, wird vom Land mit einer Million Euro gefördert.
Ein weiteres Vorhaben wurde schon umgesetzt: ein digitales Funknetz, das Stadt und Stadtwerke gemeinsam nutzen können. "Es wurden etwa Glascontainer mit Sensoren ausgerüstet, die den Füllstand messen. So kann die Leerung genau dann erfolgen, wenn es nötig ist", erklärt Wartekin. Auch können die Stadtwerke über das Netz verschiedene Messfühler, etwa im Fernwärmenetz, nun in Echtzeit ablesen - "früher musste man dafür rausfahren".
Ein weiteres Anwendungsfeld ist laut Huber die Digitalisierung von Bürgerdiensten. In den Bürgerämtern könnten etwa Terminals aufgestellt werden, an denen man auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten Behördengänge erledigen kann - ohne dass Personal dafür abgebaut wird. Innerhalb der Stadtverwaltung könnte man digitale Plattformen aufbauen, auf die mehrere Ämter Zugriff haben, die an einem Projekt arbeiten, zum Beispiel, wenn es um Planen und Bauen geht. Auch ist vorgesehen, eine Art städtisches "Amt für Digitales" zu schaffen, das sich um solche Querschnittsaufgaben kümmern soll.
Dazu gehört auch der Ausbau von Glasfaserleitungen für schnelle Internetverbindungen. "Das gehört für uns zur Daseinsfürsorge, genau wie Strom oder Wasser", macht Huber deutlich. Doch Kommunen können laut Gesetz nicht einfach so Internetleitungen verlegen. "Wo es einen Markt gibt, dürfen wir nicht eingreifen und den Betreibern Konkurrenz machen", erklärt Huber. Nur in Bereichen, wo es sich für die kommerziellen Anbieter nicht lohnt, darf die Stadt einspringen. Das soll nun in den "weißen Flecken" in Heidelberg passieren. Mit staatlicher Förderung wird die Stadt Glasfaserleitungen verlegen und sie dann an Betreiber verpachten.
Was immer die Stadt im Zuge ihrer Digitalstrategie umsetzen will, muss vom Gemeinderat beschlossen werden. "Wir können nicht im Hinterzimmer Großprojekte starten", betont Huber. Auch die Daten, die bei digitalen Anwendungen entstehen, seien sicher.
"Wir behalten sie, sie werden anonymisiert und nicht weitergegeben", versichert Wartekin. Bisher hat auch kein Unternehmen die Nutzung von Daten zur Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit der Stadt gemacht. Trotzdem gebe es ein großes Interesse an gemeinsamen Projekten. Wartekin: "Heidelberg ist attraktiv für Technologiefirmen: Wir sind groß genug, um alle Probleme zu haben, für die es digitale Lösungen braucht, aber gleichzeitig klein genug, dass sie beherrschbar sind."