Übergriffe und Pöbeleien: Für Rettungskräfte wird's immer gefährlicher
Heidelberg/Rhein-Neckar. (sha) Für Rettungskräfte werden die Einsätze immer schwieriger und gefährlicher: Gründe dafür sind die zunehmende Respektlosigkeit und sogar offene Feindseligkeit gegenüber Sanitätern, Feuerwehrleuten oder Polizisten. Ralf Dussinger, Rettungsdienstleiter im DRK-Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg, spricht von einer besorgniserregenden Entwicklung.
"Die Probleme mit aggressivem Verhalten oder penetranten Schaulustigen erleben auch unsere Mitarbeiter immer öfter", hat er festgestellt. Notfalleinsätze würden zunehmend auch für den Rettungsdienst des DRK zu "einem heißen Pflaster". Das beginne schon bei der Rettungsgasse, die oft nur widerwillig gebildet werde - wenn überhaupt. Auch Pöbeleien während der Einsätze würden zunehmen.
"Unsere Mitarbeiter berichten regelmäßig von aggressiver Stimmung bei der Notfallversorgung oder in den Notaufnahmen", sagt Dussinger. In einem Fall sei eine Rettungssanitäterin im Einsatz tätlich angegriffen worden und im Krankenhaus gelandet. "Diese Übergriffe auf unser Personal sind strikt zu verurteilen", zeigt sich der Rettungsdienstleiter entsetzt. "Unsere Mitarbeiter leisten hervorragende, professionelle Arbeit im Dienste der Bürger. Pöbeleien und Angriffe auf Rettungskräfte müssen konsequent geahndet werden", fordert Dussinger.
Er wisse aber auch, "dass unsere Arbeit vom Großteil der Bevölkerung anerkannt und unterstützt wird". Bei dem schlimmen Schulbusunfall in Eberbach mit 43 Verletzten und mehreren schwerverletzten Kindern, hätten die Rettungskräfte ungehindert arbeiten können, nennt Dussinger ein positives Beispiel. "Mehr noch", betont er, "alle Rettungskräfte haben viel Unterstützung durch die Bevölkerung sowohl während des Einsatzes, als auch danach in Form von Dank und Anerkennung erfahren".
Das vergangene Jahr sei mit einer positiven Nachricht für den Kreisverband zu Ende gegangen: Der Bereichsausschuss für den Rettungsdienstbereich Rhein-Neckar habe Mitte Dezember Erweiterungen in der Rettungsmittelvorhaltung als Sofortmaßnahme beschlossen.
Dies bedeute beispielsweise die Aufstockung auf zwei Rettungswagen im 24-Stunden-Betrieb an den Rettungswachen Wiesloch und Sinsheim, erläutert der Rettungsdienstleiter. Auch die Einrichtung einer neuen Rettungswache in Schönau-Altneudorf sei beschlossen worden.
Weitere gute Nachricht: Die Arbeitszeiten für viele Mitarbeiter in der Notfallrettung hätten sich im letzten Jahr deutlich verbessert: "Wir konnten die Reduzierung der Arbeitszeiten an den Rettungswachen Heidelberg, Wiesloch und Walldorf von 45 Wochenstunden auf 42 Stunden durchsetzen", erläutert Dussinger. Perspektivisch solle diese Regelung auch an den übrigen Standorten umgesetzt werden.
Der Rettungsdienstleiter wies zudem auf gestiegene Einsatzzahlen im vergangenen Jahr hin: Insgesamt 33.790 Rettungswagen-Einsätze und 9642 Notarztfahrzeug-Einsätze seien die Mitarbeiter des DRK gefahren. Insgesamt seien das durchschnittlich knapp 119 Notfall-Einsätze pro Tag. Auch der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer-vor-Ort sei beachtlich: Es habe 3453 Alarmierungen gegeben, bei denen Ehrenamtliche zur medizinischen Erstversorgung an einen Einsatzort gerufen worden seinen - oft mitten in der Nacht, wie Dussinger betont.
Im Bereich Ausbildung zieht der DRK-Rettungsdienstleiter ein positives Fazit. 26 Auszubildende für den Beruf des Notfallsanitäters würde der Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg derzeit beschäftigen, fünf weitere Azubis würden ihre Ausbildung bereits im Frühjahr beginnen.