Demo in Sinsheim: Gegen türkische Millitärintervention und deutsche Waffenlieferungen
Sinsheim. (cbe) Mehr als 100 Kurden haben am Dienstagnachmittag in der Bahnhofstraße am Wächter gegen den türkischen Einmarsch in Teile Syriens demonstriert. Darüber hinaus wurde kritisiert, dass der völkerrechtswidrige Angriff von den Vereinten Nationen und auch von Deutschland nicht verhindert werde und dabei auch deutsche Waffen zum Einsatz kommen. Die angemeldete Kundgebung blieb friedlich.
Es sind deutliche Worte, die ab 15 Uhr vor dem Wächter fallen. In Sprechchören bezeichnen die Demonstranten den türkischen Präsidenten Erdogan als Faschist, Terrorist und Kindermörder. Es geht ihnen um die Stadt Afrin: Geografisch liegt sie im Norden Syriens, sie ist aber eine wichtige Stadt in einem de facto autonomen Gebiet, das als Westkurdistan bezeichnet wird - auf kurdisch Rojava, ein Begriff, der im Rahmen der Demonstration immer wieder fällt.
Dieses Gebiet sei von der Zerstörung, die der syrische Bürgerkrieg mit sich bringt, bislang relativ verschont geblieben, berichtet Fayrettin Korrut, der die Demonstration angemeldet hat. Doch nun greife die Türkei mit neuester Waffentechnologie aus Europa die Region an. "Deutsche Panzer raus aus Kurdistan!", hatten die Demonstranten kurz zuvor gerufen - Fotos und Filmaufnahmen hatten in den vergangenen Tagen Leopard II-Panzer gezeigt, die bei dem Militäreinsatz benutzt werden. Und genau darauf wolle man nun aufmerksam machen.
Viele der über 100 Demonstranten taten dies gestern lautstark, von Heuchelei und widersprüchlichem Verhalten der deutschen Politik war die Rede. Auch der Name des Kurdenführers Abdullah Öcalan und der kurdischen Miliz YPG fielen. Einige Teilnehmer schwenkten Fahnen, die übergroße Flagge Kurdistans wurde in der Bahnhofstraße entrollt. Andere Teilnehmer hielten Plakate hoch, auf denen unter anderem internationale Solidarität mit der Stadt Afrin und den Kurden gefordert wurde. Auf Nachfrage gaben mehrere Teilnehmer an, aus Sinsheim, der Umgebung und Heilbronn zu kommen.
Die Kundgebung, die gegen 17 Uhr endete, blieb friedlich. Erhard Loy, Leiter des Sinsheimer Polizeireviers, sprach von "keinen besonderen Vorkommnissen". Die Polizei sei "mit schwachen aber ausreichenden Kräften" vor Ort gewesen, erklärte Loy.