Kurpfälzisches Museum Heidelberg: "Schenkungen halten ein Museum lebendig"
Von Simone Küblbeck
Heidelberg. Was ist eigentlich ein lebendiges Museum? Ein Haus, das von vielen Besuchern gestürmt wird? Das mit ungewöhnlich kuratierten Sonderausstellungen zum Publikumsmagneten wird? Oder sind Museen beliebt, die häufig neue Ausstellungsstücke bekommen und diese immer wieder anders präsentiert? Sicher sind all diese Faktoren wichtig. Aber ohne Unterstützung von Mäzenen ist das kaum zu schaffen. Das Kurpfälzische Museum in Heidelberg verfügt über zahlreiche Sammlungsbestände - von Gemälden und Grafiken über Kunsthandwerk bis hin zu Skulpturen und Exponaten der römischen Antike. Viele dieser Kunstwerke hat die Institution geschenkt bekommen. Und hinter diesen Schenkungen stecken zum Teil erstaunliche Geschichten. Museumsdirektor Frieder Hepp stellt sich den Fragen der Rhein-Neckar-Zeitung.
Im vergangenen November wurde Leonardo da Vincis Gemälde "Salvator Mundi" zu einem Rekordpreis von 383 Millionen Euro versteigert. Es wird nun als Prunkstück im neuen Louvre in Abu Dhabi gezeigt. Lassen wir mal die Phantasie spielen: Würde das Kurpfälzische Museum eine solche Schenkung annehmen?
Wenn wir einen Leonardo da Vinci geschenkt bekämen, würden wir ihn auf jeden Fall annehmen.
Und die Versicherung? Könnte die sich Heidelberg überhaupt leisten?
Darüber müsste man mit der Versicherung sprechen - oder einem Sponsor. Für manch einen wäre es vielleicht lukrativ, damit zu werben, dass er für dieses Gemälde bei uns die Versicherungskosten übernimmt.
Was sind überhaupt die Bedingungen für eine Schenkung, wann wird sie angenommen? Es gibt ja das Sprichwort: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Wenn ein Museum ein oder mehrere Kunstwerke angeboten bekommt, müssen diese zunächst in das Sammlungskonzept des Museums passen. Für das Kurpfälzische Museum sind zum Beispiel die Region der ehemaligen Kurpfalz, die Geschichte der Stadt Heidelberg und natürlich auch die Universität wichtige Themen. Zur Erweiterung oder Vertiefung dieser Sammlungsschwerpunkte sind Geschenke stets willkommen. Ein wichtiger Punkt im Bereich der bildenden Kunst ist für uns auch die Landschaftsmalerei, die mit der Heidelberger Romantik verknüpft ist.
Wollen Sponsoren, die dem Museum etwas schenken, auch Einfluss auf Ihre Arbeit oder auf die Präsentation der Werke nehmen?
Das kann der Fall sein, deshalb müssen bereits im Vorfeld die Bedingungen der Schenkung klar abgesprochen und vertraglich vereinbart werden. Einige erwarten zum Beispiel, dass Gemälde, die sie verschenken, immer ausgestellt werden sollen. Als das Museum 1908 eröffnet wurde, sind durch das Vermächtnis des Heidelberger Industriellen Ernst Posselt 148 holländische Landschaftsgemälde in den Besitz des Museums gekommen. Posselt knüpfte sein Vermächtnis an die Bedingung, dass diese immer und geschlossen im Zusammenhang gezeigt werden sollen. Darauf hat sich die Stadt damals eingelassen. Würden wir diese Bedingungen nicht einhalten, könnten die Erben die Werke zurückfordern.
Was hat das Kurpfälzische Museum zuletzt geschenkt bekommen?
Die neueste Schenkung ist ein Gemälde mit der Darstellung des amerikanischen Generals William Beiderlinden, der als Retter Heidelbergs apostrophiert wird. Der General war maßgeblich dafür verantwortlich, dass Heidelberg 1945 nicht unter Artilleriebeschuss zerstört wurde. Geschenkt wurde uns dieses Gemälde von amerikanischen Freunden durch Vermittlung einer Heidelberger Familie. Eine andere Schenkung, noch vor dem Ersten Weltkrieg, war das berühmte Gemälde "Hortus Palatinus", mit dem unzerstörten Schloss und dem weltberühmten Heidelberger Schlossgarten. Das hat der Duke of Southerland der Stadt Heidelberg im Jahr 1909 geschenkt. Er sah in Heidelberg und nicht in England den geeigneten Ort für dieses einzigartige Gemälde von Jacques Fouquiéres. Es hängt neben den repräsentativen Gemälden des "Winterkönigs" Friedrichs V. und seiner Frau Elizabeth Stuart.
Besitzt das Kurpfälzische Museum auch Leihgaben?
Früher war das ein sehr großes Thema. In den Anfangsjahren hatte das Museum sehr viele Leihgaben, da der eigene Besitz an hochrangigen Kunstwerken nicht so groß war. Viele Heidelberger Persönlichkeiten haben dem Museum ihre Kunstwerke damals geliehen, zum Teil auch in der Absicht, sie dem Museum später zu vererben. Inzwischen haben wir selbst einen guten Bestand an Spitzenwerken, sodass wir mit Leihgaben eher zurückhaltend sind, weil natürlich auch Kosten für die Restaurierung und Sicherheit damit verknüpft sind. Dennoch zeigen wir auch immer wieder temporäre Leihgaben, wie vor einiger Zeit einige Stillleben aus der Kunstsammlung von Rainer Wild oder aktuell zeitgenössische Fotokunst aus der Kunstsammlung des Finanzdienstleisters MLP, die unsere Ausstellung ideal ergänzen.
Haben Leihgaben für Sammler steuerliche Konsequenzen?
Wenn ein Sammler Kunstwerke aus seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich macht, kann er dafür unter bestimmten Umständen einen steuerlichen Nachlass auf den Erwerb seiner Kunst erhalten.
Was denken Sie: Wird den Museen zu wenig geschenkt?
Ich glaube nicht. Unser Kurpfälzisches Museum wurde im 19. Jahrhundert durch die Initiative der Heidelberger Bürgerschaft gegründet, wie übrigens auch das Heidelberger Theater und der Heidelberger Kunstverein. Und man kann sehr schön sehen, dass einige der wichtigsten Kunstwerke des Museums tatsächlich Schenkungen sind. Wir bekommen immer wieder solche Schenkungen von Bürgern, die sich ihrer Heimatstadt gegenüber erkenntlich zeigen wollen. Außerdem erhalten wir auch finanzielle Zuwendungen, um hochrangige Kunstwerke für die städtische Sammlung zu erwerben.
Haben Sie auch schon einmal eine Schenkung abgelehnt - und wenn ja, weshalb?
Ja, auch das kommt vor. Wenn etwas nicht zu unserem Haus gepasst hätte oder man ein Artefakt überhaupt nicht mit uns in Verbindung bringen würde, haben wir es auch schon abgelehnt. In diesem Fall empfehlen wir andere Museen oder Sammlungen, für die sich die Schenkung besser eignen würde.
Sind Museen auf Schenkungen angewiesen?
Da Spitzenkunst immer teuer ist, sind Schenkungen sehr willkommen. Darauf angewiesen sind Museen jedoch nicht. Aber Schenkungen halten natürlich ein Museum lebendig.
Info: Kurpfälzisches Museum Heidelberg, Hauptstraße 97, 69117 Heidelberg, Telefon: 06221 / 58-34.020, www.museum-heidelberg.de