Bluttest-Skandal Heidelberg: Heiscreen wehrt sich
Von Klaus Welzel
Heidelberg. Gibt es jetzt einen Bluttest zur Brustkrebserkennung - oder nicht? Zahlreiche Medien folgten am Dienstag einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach eine Untersuchung am Heidelberger Uniklinikum Anfang April zu dem Ergebnis gekommen sei, der Bluttest, der seit Februar für zahlreiche Schlagzeilen sorgte, sei quasi ein Fake. Ist er aber nicht. So wurde es der Rhein-Neckar-Zeitung von zahlreichen Quellen am Klinikum bestätigt. Aber: Eine Studie mit einem unzufriedenstellenden Ergebnis, die gab es schon.
Die Firma Heiscreen, die den Blutest vermarkten soll, betont nun in einer Stellungnahme: „Es gibt einen Bluttest für Brustkrebs, der unter Laborbedingungen im Universitätsklinikum Heidelberg bereits funktioniert und in der klinischen Forschung angewendet werden kann.“ Ein erster Prototyp sei bereits entwickelt worden und befinde sich „im Stadium der analytischen Verifizierung“. Aktuell würden Studien in den Bereichen Eierstock- und Brustkrebs durchgeführt - wofür noch Patientinnen gesucht würden.
Nach RNZ-Informationen legen die Forscher am Universitätsklinikum den Fokus gar nicht mehr auf das Thema Brustkrebsfrüherkennung (was so auch nie behauptet worden war), sondern eher auf Verlaufsuntersuchungen im Rahmen von Krebstherapien. Arbeitshypothese: Wie spricht zum Beispiel eine Chemotherapie bei einer Patientin an?
Nach Angaben von Heiscreen seien die bisher gemeldeten 15 Marker auf mögliche Tumore jedenfalls in „unterschiedlichen Arbeitsgruppen“ nach international wissenschaftlich anerkannte Standards getestet worden. Insgesamt seien über 3000 Proben untersucht worden. Die Analysen dauerten an.
Dennoch ist es unklar, wie es weitergeht. Die uniinterne Untersuchung Anfang April kam zu dem Ergebnis, dass die 15 Marker zwar identifiziert seien, von einer Marktreife in absehbarer Zeit jedoch keine Rede sein könne. Dieser Bericht ging exklusiv an den Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Andreas Draguhn. Er dürfte aber auch den anderen Klinikumsvorständen bekannt sein.
Unabhängig von der uniinternen Untersuchung plant Heiscreen nun „die Überführung des Tests vom Labor auf eine massentaugliche Plattform“. Dass das bisher nicht geschehen war, war einer der Kritikpunkte in dem Bericht. Ob die deutschlandweit geplanten Multizenter-Studien dazu den gewünschten Erfolg bringen, dürfte sich aber erst mittelfristig herausstellen. Es bleibt dabei: „Marktreife noch in diesem Jahr“ - das war die eigentliche Falschmeldung. Aber das ist eigentlich bereits seit dem 21. Februar bekannt. Denn schon am selben Tag meldeten Krebsforscher ihre Zweifel an. Sie sollten Recht behalten.