Wiesloch: Wo werden sich die Jugendlichen künftig treffen?
Von Hanna-Cosima Gleis
Wiesloch-Frauenweiler. "Es wird laut Musik gehört und gesungen, zum Teil auch randaliert. Ich kann dann in meinem eigenen Haus den Fernseher nicht mehr hören. Und je später es wird, umso lauter werden die Kids draußen", beschrieb ein Anwohner die Situation, die durch die auf dem Grundschulhof feiernden Jugendlichen in Frauenweiler entsteht. Schon länger ist das Problem bekannt, dass sich Jugendliche vor der Grundschule und in deren "grünen Klassenzimmer" versammeln und dort mit Alkohol lautstark ihre Abende verbringen. Nicht selten war auch die Polizei dort im Einsatz. Nun soll eine Lösung gefunden werden, mit der Anwohner, Eltern, Jugendliche und die Stadt einverstanden sind.
Bei einem gemeinsamen Treffen der Beteiligten erklärte Fachbereichsleiterin Andrea Gärtner, dass die Jugendlichen einen Platz bräuchten, an dem sie abends zusammensitzen und auch mal laut Musik hören können. Klar sei aber auch, dass die Grundschule wegen der Lärmbelästigung und der herumliegenden Scherben, die eine Gefahr für die spielenden Kinder darstellen, nicht der richtige Ort dafür ist. Um ihnen nun einen alternativen Platz anzubieten, wurde ein Treffen einberufen, bei dem sich die betroffenen Jugendlichen mit den verantwortlichen Erwachsenen beraten konnten, um einen neuen Treffpunkt zu finden.
Von den 1500 Einwohnern Frauenweilers gibt es laut Gärtner 185 Jugendliche im Alter zwischen elf und 17 Jahren. Natürlich seien nicht alle auch an den "Tumulten" beteiligt, aber trotzdem müsse ein besseres Angebot geschaffen werden. "Die Jugendlichen brauchen einen Platz, an dem sie rumsitzen können und nicht vertrieben werden. Dabei soll es auch den Raum geben, sich auszuprobieren. Allerdings muss der Platz gut erreichbar sein und dennoch keine Anwohner stören", erklärte Sozialarbeiter Roberto Di Natali die Ansprüche an einen neuen Treffpunkt. "Ich vertrete die Interessen der Jugendlichen, da heute kaum Beteiligung von ihnen selbst da ist", erläuterte er weiter.
"Es ist schwer, die ganzen Anforderungen zu erfüllen, weil viele unterschiedliche Interessen durchgesetzt werden müssen", stellte Lukas Hecker, einer der fünf Vertreter des Jugendgemeinderats, die beim Treffen anwesend waren, fest. Um den Bedürfnissen besser gerecht zu werden, soll für die jüngeren Jugendlichen bis 14 Jahren ein anderes Angebot eingerichtet werden als für die Älteren. "Theoretisch reicht ein Dach, Sitzgelegenheiten und das Gefühl, nicht permanent überwacht zu werden", so Hecker. Andrea Gärtner schlug ebenfalls eine einfache Überdachung vor, da diese nicht so leicht demoliert werden könne wie geschlossene Räume. Auch sie betonte, dass der neue Standort abseits sein sollte, um die Lärmbelästigung möglichst gering zu halten. Di Natali erklärte zudem, dass es wichtig sei, die Jugendlichen wissen zu lassen, wen sie bei Problemen ansprechen könnten. Daher sei er dafür, dass Sozialarbeiter ihre Präsenz am neuen Treffpunkt zeigen. Von den Jugendgemeinderatsmitgliedern kam aber der Einwand, dass eine intensive Betreuung durch Erwachsene in der Altersgruppe in den meisten Fällen gar nicht gewünscht sei.
Bürgermeister Ludwig Sauer betonte, er sehe es als die Aufgabe von Wiesloch, schnellstmöglich den ersten Schritt einzuleiten und ein niederschwelliges Angebot, also einen Treffpunkt, einzurichten. "Manche Probleme legen sich auch schon, wenn es erst einmal einen neuen Ort gibt", stimmt Adrian Seidler, zweiter Vorsitzender des Stadtteilvereins, zu. Die Finanzierung eines Treffpunkts werde auch vom Stadtteilverein unterstützt.
Es reiche aber nicht, einen attraktiveren Ort zu schaffen, um die Jugendlichen abends von der Schule wegzubekommen, so Seidler. Daher sei eine weitere Notwendigkeit auch, die Grundschule für die Jugendlichen weniger attraktiv zu gestalten. Dazu gehöre beispielsweise, die Sitzmöglichkeiten am Außenklassenzimmer abzubauen und den Platz zu beleuchten sowie die Polizeipräsenz zu erhöhen. Diese Idee wurde kontrovers diskutiert. So war zum Beispiel Schulleiterin Esther Kirsch gegen eine Demontage des Außenzimmers, da es damit nicht nur für die Teenager unattraktiv gemacht werde, sondern auch für die Kinder nicht mehr als grünes Klassenzimmer nutzbar sei. Auch Di Natali sprach sich dagegen aus: Aus pädagogischer Sicht sei es der falsche Ansatz, die Jugendlichen nur zu vertreiben.
Auch wenn sich die Jugend dann an einem neuen Ort treffe, sei das Problem noch nicht gelöst, meint Jindro Stehlik als Vertreter des Jugendzentrums. "Wir werden nicht alle erreichen", sieht der Sozialarbeiter die Lage realistisch. Es gebe verschiedene Jugendgruppen, die, nur weil sie alle aus Frauenweiler kommen, nicht unbedingt alle an einem Ort zusammen abhängen wollten. Dennoch sei der Platz eine Verbesserung der Argumentationslage gegen die Jugendlichen, weil ihnen so ein alternativer Platz zur Schule angeboten werden könne.
Momentan ist ein Ort als neuer Treffpunkt schon Favorit: Ein Platz direkt am Feldrand nahe der Autobahn. Allerdings sei noch ungeklärt, in wessen Besitz sich das Landstück befinde. "Es ist also die oberste Priorität, ein geeignetes Grundstück zu kaufen", stellte Gärtner den nächsten Schritt vor. Schließlich resümierte Jugendgemeinderat Lukas Hecker: "Auch wenn der neue Platz nur ein Teil des Problems beheben wird, sehen die Jugendlichen dann, dass etwas für sie gemacht wird und das Interesse der Stadt da ist. Das könnte für den Dialog hilfreich sein."