Die französische Premiummarke DS wagt mit dem N°8 einen Schritt in die Elektromobilität. Was der Crossover kann – und was nicht. Wenn es nicht in mehrerlei Hinsicht vollkommen unangebracht wäre, würde man sich am liebsten direkt hinter dem Steuer des DS N°8 eine Flasche Champagner aufmachen und anstoßen. So anders, so eigenwillig, so französisch präsentiert sich dieser Stromer. Design, Bedienung, Materialien – hier will jemand auffallen. Aber ist er auch ein gutes Auto? Ein Statement auf vier Rädern Schon der Name zeugt vom Anspruch, anders zu sein. Beim Schreiben auf der Tastatur ist der Name umständlich, beim Sprechen eingängig. Das Design ist eigenständig, eine Mischung aus Coupé, Limousine und SUV. Und beim Einsteigen merkt man: Der DS N°8 will bewusst anders sein. Die äußeren vorderen Türöffner? Offene Bügel. Der Rückspiegel? Ist digital und zeigt ein gestochen scharfes Kamerabild, das aber nicht für alle Augen angenehm erscheint – die Umstellung zwischen den Tiefenebenen kann anstrengen. Das Cockpit? Eher Bühne als Arbeitsplatz – mit einem breiten Zentraldisplay, kleinen Satelliten am Vierspeichenlenkrad mit echtem Aluminium und Knöpfen in der Mittelkonsole, die wie Edelsteine wirken. Alles fühlt sich besonders an. Alles soll zeigen: Das hier ist kein Massenprodukt. Platzangebot: vorne fein, hinten eng Der N°8 ist fast 4,82 Meter lang – das lässt Raum erwarten. Doch zumindest im Fond wird dieser Eindruck schnell relativiert. Wenn Fahrer oder Beifahrer groß sind, nehmen sie den hinteren Passagieren den Platz. Dazu kommt: Die Batterie unter dem Fahrzeugboden führt dazu, dass die Beine der Fondpassagiere im Sitzen recht steil nach oben zeigen, und bei einer Körpergröße ab 1,85 Metern wird es im Fond unter dem Glasdach knapp. Immerhin: Die Rücksitze sind beheizbar, die Klimatisierung lässt sich getrennt regeln – und die Materialien machen auch hinten etwas her. Bis auf die nicht verkleideten Lackflächen an den Türsäulen. Im Kofferraum sieht es anders aus: Der fällt mit 620 Litern nicht nur groß, sondern vor allem tief aus. Die Höhe ist durch die flache Dachlinie begrenzt, aber der Platz in der Tiefe ist beachtlich. Der Ladeboden lässt sich nicht in der Höhe verstellen, aber entnehmen. Die Rücksitzlehnen? Umklappbar – aber nur von innen, nicht vom Kofferraum aus. Eine klassische Durchreiche fehlt. Innenraum und Bedienung: eigenwillig, aber durchdacht Der Innenraum setzt auf Inszenierung, aber ohne auf Bedienbarkeit zu verzichten. Ein Beispiel: Die Spiegelverstellung sitzt nicht wie üblich in der Tür, sondern im Armaturenbrett. Die Fahrmodi werden über einen kristallartigen Knopf in der Mittelkonsole gewechselt. Daneben gibt es klassische Tasten für Lautstärke, Navigation, Klimaanlage – das erleichtert vieles im Vergleich zu manchen Konkurrenten, die auf pure Touch-Bedienung setzen. Das neue Infotainmentsystem DS Iris 2.0 reagiert schnell und lässt sich per Sprache steuern – sogar via ChatGPT. Dazu kommt ein großes Head-up-Display mit Augmented Reality. Besonders lobenswert: der One-Pedal-Modus, der sich per Taste aktivieren lässt. Das Auto verzögert dann beim Loslassen des Fahrpedals ohne Einsatz der Bremse bis zum Stillstand – ein echter Vorteil im Stadtverkehr. So fährt er: Komfort geht vor Gefahren wurde das Modell mit 245 PS, Frontantrieb und großem 97,2-kWh-Akku. Die Unterschiede zwischen den Fahrmodi sind deutlich spürbar: Im Sport-Modus reagiert der DS N°8 deutlich direkter, während Eco und Normal eher zurückhaltend wirken – gerade in Kombination mit der starken oder schwachen Rekuperation (Rückgewinnung der Bremsenergie). Die lässt sich über Lenkrad-Paddles anpassen. Das Fahrwerk ist auf Komfort ausgelegt, wirkt aber nicht übertrieben weich. Mit Kamera- und Sensorenhilfe arbeitet es vorausschauend und soll Unebenheiten ausbügeln, bevor sie überhaupt erreicht sind. Daten werden laut DS innerhalb von Millisekunden an einen Computer übermittelt, der separat auf jedes der vier Räder einwirkt. Dennoch werden einige Unebenheiten durchgereicht. Die Geräuschdämmung ist dank Doppelverglasung gelungen, das Soundsystem macht ordentlich Druck. Hier spürt man den Anspruch, etwas Besonderes zu bieten. Reichweite, Laden und Verbrauch Offiziell soll der DS N°8 mit großem Akku bis zu 749 Kilometer schaffen. Im Test zeigte der Bildschirm bei voller Ladung realistische 600 Kilometer an. Der Bordcomputer wies bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 68 km/h einen Verbrauch von rund 18 kWh aus. Beim Laden bewegt sich der DS N°8 im soliden Mittelfeld: Mit bis zu 160 kW Ladeleistung geht es in rund 27 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Neue Modelle wie der BMW iX3 (ab 2025) oder der kommende Mercedes CLA setzen allerdings bereits auf 800-Volt-Bordnetze – und laden in deutlich kürzerer Zeit. Das kostet er Mindestens 57.700 Euro sind für Nummer acht fällig. Und wer beim Nachfolger des SUVs DS9 alle Optionen ankreuzt, der kommt näher ans Sechsstellige denn je zuvor. Fazit: Nicht perfekt, aber voller Charakter Der DS N°8 ist kein Auto für alle. Aber genau das macht ihn interessant. Er will auffallen, will anders sein – und schafft das auch. Er ist nicht in jedem Detail perfekt, aber er vermittelt etwas, das vielen Autos fehlt: Charakter.