Die USA greifen in der Nacht mehrere Ziele in Venezuela aus der Luft an und entführen Machthaber Nicolás Maduro. US-Präsident Donald Trump bricht damit nicht nur Völkerrecht, sondern könnte auch eine Region ins Chaos stürzen. Donald Trump hält sich nicht an Regeln, und internationale Etikette hat für den US-Präsidenten noch nie eine große Bedeutung gehabt. Wenn die Amerikaner in der Vergangenheit gegen andere Länder in den Krieg zogen, wandten sich frühere US-Präsidenten wie George W. Bush per Fernsehansprache an die Nation. Sie erklärten den Amerikanern und der Welt die Gründe für die Eskalation, für die angebliche Notwendigkeit von Gewalt. Auch wenn die Kriegsgründe der USA wie im Irak-Krieg teilweise konstruiert waren, gab es in der Welt selten Zweifel über die amerikanischen Kriegsziele. Newsblog zu Militäreinsatz in Venezuela : Alle Entwicklungen zur Gefangennahme Maduros Nun haben die USA in der Nacht zu Samstag mehrere Ziele in Venezuela aus der Luft angegriffen. Zunächst gab es keinerlei Erklärung dazu. Erst am frühen Samstagmorgen wandte sich Trump an die Öffentlichkeit. Es sind nur sieben Zeilen über sein soziales Netzwerk "Truth Social", in denen er den "Großangriff" der USA bestätigte. Maduro und seine Frau seien gefangen genommen und außer Landes gebracht worden. Maduro hielt sich in Venezuela lange illegitim an der Macht. Aber die USA entführen damit – mit einer fadenscheinigen Begründung – den Machthaber eines anderen Landes. Kein Krieg wird erklärt, kein Kriegsziel genannt. Der Vorgang selbst: ein schwerer Völkerrechtsbruch mit unabsehbaren Folgen. Denn Mächte wie China und Russland werden sich das, was in Venezuela gerade passiert, sehr genau anschauen. Trumps wahres Ziel ist klar Klar. Ein US-Angriff mit Drohnen und Kampfflugzeugen auf Venezuela ist lange erwartet worden. Über Wochen haben die Amerikaner Kräfte in der Karibik zusammengezogen und viele Experten rechneten mit US-Luftangriffen gegen Ziele auf venezolanischem Festland. Als Grund für einen möglichen Angriff hatte Trump immer wieder den Kampf gegen Drogenkartelle genannt. Doch das alles ist vorgeschoben, eine Finte. Denn Venezuela ist weder für das große Problem mit der Droge Fentanyl in den USA verantwortlich, noch ist das Land der zentrale Akteur im Kokain-Handel. Ginge es Trump tatsächlich darum, würden Mexiko oder Kolumbien in den US-Fokus rücken. Der wahre Grund für den US-Angriff wurde in dieser Nacht deutlich. Trump und der venezolanische Machthaber Maduro sind verfeindet und die USA wollen schlichtweg einen Regimewechsel in einer Region, welche sie als ihre Einflusszone betrachten. Trumps Vorgehen zeugt von skrupelloser Machtpolitik gegenüber einem Land, das sich militärisch nicht wehren kann. Das Augenmerk der Amerikaner lag dabei auch auf den großen venezolanischen Ölreserven. Denn zuletzt beschlagnahmte das US-Militär Öltanker, keine Drogenboote. Es brannten diese Nacht in der Hauptstadt Caracas Ölanlagen und keine Drogenverstecke. Es liegt auf der Hand: Trump geht es mit seinem Regimewechsel auch um harte wirtschaftliche Interessen. Europa muss Schweigen brechen Wie es nun in Venezuela und der Region weitergeht, ist völlig offen. Maduro ist außer Landes gebracht, aber das bedeutet nicht, dass sein Regime aufgeben wird. Das Land kündigte bereits an, sich mit all seinen Mitteln militärisch wehren zu wollen. Diese Mittel sind zwar stark beschränkt, aber der US-Angriff könnte das Land und Teile der Region ins Chaos stürzen. Denn die langfristigen Folgen eines Regimewechsels sind wenig planbar, wie die USA in der Vergangenheit schon viel zu oft erfahren mussten. Doch Trump hat aus den Erfahrungen im Nahen und Mittleren Osten nicht gelernt. Er ist nun ein Präsident, der einen Krieg begonnen hat. Und der damit ein weiteres Stück der Integrität der USA als westlicher Hegemon zerstört. Die Europäer müssen ihr Schweigen endlich brechen. Viel zu lange wollte auch die Bundesregierung Trump wegen seines Vorgehens in der Karibik nicht kritisieren, um die Beziehungen zu den USA nicht weiter zu verschlechtern. Doch nun geht es international auch um Glaubwürdigkeit. Trump betreibt eine imperialistische Politik, die die Europäer auch mit Blick auf Russland verurteilen müssen. Denn sonst zählt irgendwann nur noch das Gesetz des Stärkeren.