US-Verteidigungsminister Pete Hegseth pocht auf männliche Standards in der US-Armee. Nun soll die Leistung von Frauen systematisch überprüft werden. Der ehemalige TV-Moderator Pete Hegseth hat das US-Verteidigungsministerium einer radikalen Neuausrichtung unterzogen. Nicht nur, dass das Ministerium seit einem entsprechenden Präsidialerlass von Donald Trump "Kriegsministerium" heißt, es weht auch ein völlig anderer, politisch unkorrekter Wind auf den Gängen des Pentagon. "Mit politischer Korrektheit ist es jetzt vorbei", sagte Hegseth erst vor wenigen Monaten vor den versammelten Generälen der US-Armee . Dazu passt, dass das Verteidigungsministerium nun auch die Wirksamkeit der Beteiligung von Frauen an Kampfeinsätzen überprüfen will. Wie der öffentlich-rechtliche Sender US-Sender NPR berichtet, soll die dazu notwendige statistische Erhebung vom nichtstaatlichen Institut für Verteidigungsanalysen (IDA) ausgeführt werden und sechs Monate dauern. Damit wolle das Ministerium sicherstellen, "dass das Niveau eingehalten wird und die Vereinigten Staaten über die schlagkräftigste Armee verfügen", erklärte Pentagon-Sprecherin Kingsley Wilson am Dienstag. Die Standards bei Kampfeinsätzen mit Waffen würden "elitär, einheitlich und geschlechtsneutral" sein, führte Wilson aus. "Denn das Gewicht eines Rucksacks oder eines Menschen ist für Männer und Frauen gleich." Sie fügte hinzu: "Unter Pete Hegseth wird das Kriegsministerium keine Kompromisse bei den Standards eingehen, um Quoten oder ideologische Ziele zu erfüllen – das ist gesunder Menschenverstand." Hegseth will "toxischen Müll" loswerden Laut NPR-Informationen wurden die Führungskräfte der Armee und des Marine-Corps bereits angewiesen, dem IDA Daten zur Verfügung zu stellen, darunter zur Einsatzbereitschaft, Ausbildung und Leistung der Einheiten. Verteidigungsminister Pete Hegseth gilt als ausgesprochener Kritiker der sogenannten "Woke"-Politik von Unternehmen, an Hochschulen und beim Militär, die auf die Förderung von Minderheiten abzielt. Vor seinem Amtsantritt hatte er sich in einem Interview gegen die Beteiligung von Frauen bei Kampfeinsätzen ausgesprochen, nicht aber generell gegen ihre Präsenz in den Streitkräften. Später hatte er sich von diesen Äußerungen distanziert. Ende September 2025 wandte Hegseth sich in einer Rede an die ranghöchsten Militärs in der US-Armee. Darin kündigte er an, dass die "Ära der Rücksichtnahme auf jedermanns Gefühle spätestens mit dem heutigen Tag vorbei ist". Unter der "dümmlichen Führung" früherer Regierungen hätte das Verteidigungsministerium den Kompass verloren, nun gelte es, die "Trümmer auszumisten" und den "toxischen Müll" loszuwerden, der auf der woken Ideologie der Vorgängerregierung gewachsen sei. Hegseth sprach von einem Kulturwandel im US-Militär. Er forderte, dass unter den Soldaten wieder offen gesprochen werden solle. Und setzte gleich selbst einige Exempel: "Wir haben genug von dem Scheiß", meinte er etwa zu den Gleichstellungsmaßnahmen in der US-Armee. Es sei nun endgültig Schluss mit dem Gendern, den Quoten und "der Anbetung des Klimakrise". Hegseth: Wer Standards nicht erfüllt, fliegt raus Immer wieder rekurrierte er in seiner Rede auf seinen 15-jährigen Sohn. Der solle schließlich auch mal in die Armee eintreten können, ohne Angst haben zu müssen, dass er wegen unfähiger Kameraden sterbe, die nicht die grundlegenden Standards erfüllten. Wen er sich darunter vorstellte, sagte Hegseth auch gleich: Vorgesetzte, die angeblich nur aufgrund ihrer Hautfarbe befördert wurden, und Frauen. Das Pentagon hatte daraufhin Direktiven erlassen, die die Rückkehr zu alten Standards vorsehen. Wie Hegseth es ausdrückte: "Wir wollen nur noch solche Soldaten zu, die den höchsten Anforderungen für Männer genügen". Wer die nicht erfülle, fliege raus. "Wenn Frauen es schaffen, ist das großartig. Wenn nicht, ist es eben so. Wenn das bedeutet, dass sich keine Frauen für bestimmte Kampfeinsätze qualifizieren, dann ist das eben so". Die nationale Frauenorganisation der USA forderte daraufhin Hegseths Rücktritt. "Der frauenfeindliche, machthungrige und dysfunktionale Verteidigungsminister Pete Hegseth hat heute mit seiner abweisenden Haltung gegenüber Frauen im Militär einen neuen Tiefpunkt erreicht", so eine NOW-Sprecherin. "Er sollte von seinem Amt zurücktreten". Frauen im Kampf: Genauso gut wie Männer? Doch Hegseth hat schon andere Skandale überstanden. Seine Nominierung zum Verteidigungsminister war eine der umstrittensten in Trumps zweiter Amtszeit. Unter anderem wurde ihm mehrfach toxisches Verhalten gegenüber Frauen in einer von ihm geführten Veteranenorganisation vorgeworfen, auch soll er während einer Veranstaltung der Republikaner im Jahr 2017 eine Frau sexuell belästigt haben. Streit gibt es unterdessen zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit von Frauen im Armeedienst. So habe eine vom US-Militär in Auftrag gegebene Studie aus den Jahren 2018 bis 2023 ergeben, dass Frauen in Bodenkampfeinheiten gute Leistungen erbrachten und in einigen Fällen sogar bessere Ergebnisse erzielten als männliche Soldaten, zitiert NPR die Gleichstellungsbeauftragte der US-Armee, Kris Fuhr. Sie bezeichnete die bevorstehende Erhebung des Pentagon als "Lösung für ein Problem, das es gar nicht gibt". Allerdings gibt es gegen diese Sichtweise auch Widerstand, vor allem in den Eliteeinheiten der US-Armee. So berichtet NPR von entsprechendem Unmut, etwa unter den US-Marines. Diese hatten wiederholt behauptet, Frauen in Kampfeinsätzen seien langsamer, weniger effektiv, wenn es ums Töten geht und anfälliger dafür, selbst verwundet zu werden.