Die Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger erschütterte 2021 die USA. Fünf Jahre später lässt der US-Präsident die Erinnerung daran löschen. Doch das gelingt nicht ganz. Der Sieger bestimmt die Geschichte. Das weiß auch Donald Trump . Der US-Präsident orientiert sich ganz am italienischen Denker Niccolò Machiavelli. Der hatte in seiner Schrift "Der Fürst" einst den Satz geprägt: "Es ist besser, gefürchtet zu werden, als geliebt zu werden." Trump versucht, beides zu vereinen. Mit Blick auf die Zukunft der zu Dänemark gehörenden autonomen Insel Grönland ließ das Weiße Haus in der Nacht zu Mittwoch erklären: "Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung." Eine Drohung nach außen. Überblick: Alle aktuellen Entwicklungen im US-Newsblog Wende: Pentagon-Chef will Frauen aus Kampfeinheiten ausschließen Nach innen setzt Trump auf Anerkennung. Und auf eine Neuschreibung der Geschichte. Zum fünften Jahrestag des Sturms auf das US-Kapitol durch Trump-Anhänger stellte das Weiße Haus eine Seite ins Netz. Titel: "A Date that will live in Infamy". Frei übersetzt: Ein Datum, das als Tag der Schande in die Geschichte eingehen wird. Zur Erinnerung: Nach der verlorenen Wahl gegen Joe Biden lud Trump seine Anhänger zum Ende seiner Amtszeit zu einer Kundgebung nach Washington. Von einer "gestohlenen Wahl" sprach der Republikaner und äußerte einen verhängnisvollen Satz. "Seid dort, es wird wild." Kurz darauf stürmte ein Mob das US-Parlament. Das Ziel: Eine Sitzung des Plenums unter dem Vorsitz von Vizepräsident Mike Pence zu stoppen, in der Biden offiziell zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt werden sollte. Trump lässt Milde walten Der Plan schlug fehl. In der Folge wurden Hunderte Kapitol-Stürmer verurteilt. Doch Trump handelte und begnadigte unmittelbar nach Beginn seiner zweiten Amtszeit 2025 rund 1.500 Verurteilte . "Scheiß drauf. Holt sie alle raus", zitiert ihn die US-Nachrichtenseite Axios. Zum fünften Jahrestag geht Trump nun einen Schritt weiter und lässt die Geschichte umschreiben. Ziel der Angriffe: Führende Demokraten wie Nancy Pelosi: Darüber hinaus beschuldigt Trump die US-Demokraten, die wahren Hintergründe des Sturms zu verschleiern. So heißt es über Nancy Pelosi, damals demokratische Mehrheitsführerin im Abgeordnetenhaus: "Sie ließ Zeugen ihre Aussagen einüben – was zu Forderungen nach Ermittlungen wegen Meineids und Zeugenbeeinflussung gegen sie führte – während sie entlastende Beweise zurückhielt, verschlüsselte Dateien löschte und Sicherheitslücken ignorierte." Sicherheitsbehörden wie das FBI: Das Weiße Haus beschuldigt die US-Sicherheitsbehörden, den Sturm mit inszeniert zu haben. So bestätigten Aussagen von Whistleblowern, "dass das FBI mindestens 26 (und wahrscheinlich Dutzende weitere) vertrauliche Informanten und Agenten in der Menge vom 6. Januar eingeschleust hatte", heißt auf der Webseite. US-Vize Mike Pence: Trumps damaliger Stellvertreter setzte den Wahlsieg von Joe Biden durch. Er habe sich geweigert, seine Macht einzusetzen, heißt es auf der Seite des Weißen Hauses, und weiter: "Stattdessen leitet Pence die Zertifizierung der umstrittenen Wahlmänner, untergräbt damit die Bemühungen von Präsident Trump, den dokumentierten Wahlbetrug aufzuklären, und beendet jede Chance, den Wahlbetrug zu korrigieren." Trumps Rolle bei dem Sturm wird hingegen heruntergespielt. So habe er versucht, die Menge zu beruhigen. Über den Republikaner wird auf der Webseite berichtet: "Mit seiner triumphalen Rückkehr ins Weiße Haus zögerte Präsident Trump nicht, eines der dunkelsten Unrechte der modernen amerikanischen Geschichte wiedergutzumachen. Am Tag seiner Amtseinführung 2025 erließ er weitreichende Begnadigungen und Strafmilderungen für die überwiegende Mehrheit der Angeklagten vom 6. Januar – patriotische Bürger, die auf bösartige Weise überhöht angeklagt wurden, denen ein faires Verfahren verweigert wurde und die von einem rachsüchtigen Regime als politische Geiseln gehalten wurden." Die Demokraten im US-Kongress verurteilten Trumps Vorgehen. "Damit versucht er, die Gewalt zu verharmlosen, aber wir sprechen hier von dem am besten fotografierten und dokumentierten gewalttätigen Angriff auf das Kapitol in der amerikanischen Geschichte", so der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin. Der Demokrat Bennie Thompson, der den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Kapitol-Sturm leitete, sagte über Trump: "Er ist bekannt dafür, nicht die Wahrheit zu sagen. Das ist das beste Beispiel." Selbst im Trump-Lager löste die Seite Irritationen aus. Steven Cheung, Berater des Weißen Hauses, vermutete zunächst eine Troll-Seite. Plan geht nicht ganz auf Doch es gibt weiterhin Beweise gegen Trumps Darstellung: US-Medien recherchierten zu den Kapitol-Stürmern, die von Trump begnadigt worden waren. So muss sich etwa Christopher Moynihan erneut vor Gericht verantworten, weil er den New Yorker Top-Demokraten Hakeem Jeffries mit dem Tod bedroht haben soll. Auf der Internetseite der Parlamentsbibliothek Library of Congress finden sich weiter die Unterlagen zum Untersuchungsausschuss rund um die Vorgänge des 6. Januar 2021. Elizabeth Neumann, in Trumps erster Amtszeit US-Heimatschutzministerin, kommentierte Trumps Begnadigungswelle schon im Vorjahr auf der Plattform X mit den Worten: "Es ist eine sehr ernüchternde Erkenntnis, dass wir im Namen der Politik gewalttätige Kriminelle auf unsere Straßen entlassen haben."