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Hohe Lebensmittelpreise: Hilft ein «Deutschlandkorb»?

Verbraucher spüren die gestiegenen Preise für Lebensmittel im Portemonnaie. Parteien bringen einen "Deutschlandkorb" ins Spiel. Ist das sinnvoll? Das Thema bleibt Verbrauchern nicht erspart - die Sache mit den Preisen. Lebensmittel sind seit 2020 laut Statistischem Bundesamt rund 37 Prozent teurer geworden. Für den Wocheneinkauf, der vor mehr als fünf Jahren noch 100 Euro kostete, sind inzwischen im Schnitt 137 Euro fällig. Viele Menschen reagieren, indem sie Preise vergleichen und gezielt günstige Angebote suchen. Ihnen bleibt ja keine andere Wahl. Oder gibt es noch andere Wege? Wie zuvor bereits die Grünen hat in dieser Woche auch die mitregierende SPD ins Gespräch gebracht, dass Handelsketten freiwillig einen "Deutschlandkorb" anbieten könnten - einen Warenkorb mit günstigen und preisstabilen, in Deutschland produzierten Grundnahrungsmitteln. Ziel soll es sein, Verbraucher zu entlasten. Was ist davon zu halten? Wie sich die Konsumausgaben entwickelt haben Der Anteil der Konsumausgaben für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches sei zuletzt nicht gestiegen, sagt Maximilian Stockhausen, Ökonom am Institut der Deutschen Wirtschaft. Ein außergewöhnlich hohes Niveau, das einen so umfassenden staatlichen Eingriff rechtfertigen würde, sieht er nicht. Im Durchschnitt aller Haushalte wurden 2023 demnach etwa 14,4 Prozent der Konsumausgaben für Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren und Ähnliches aufgewendet, 1998 waren es 14 Prozent. Die Daten basieren auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes und werden nur alle fünf Jahre erhoben, zuletzt 2023. Nach dem starken Inflationsanstieg 2022 und 2023 hat sich der Preisdruck inzwischen deutlich abgeschwächt. Bei Haushalten mit einem verfügbaren Haushaltseinkommen unter 1.300 Euro im Monat lag der Anteil 2023 bei rund 18 Prozent, 2018 bei 17,5 Prozent. Gestiegene Löhne und erhöhte Transferleistungen wie die Grundsicherung oder das Wohngeld hätten die entstandene Kaufkraftlücke weitgehend schließen können, so Stockhausen. Handelsexperte: Kunden sind anspruchsvoller geworden Auch Kai Hudetz, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln , ist nicht überzeugt von der Idee. "Ein zusätzliches Angebot erscheint wenig hilfreich." Discounter und Supermärkte böten insbesondere mit ihren Eigenmarken bereits ein breites Angebot an vergleichsweise günstigen Lebensmitteln an. "Wir sehen, dass Konsumenten aktuell über eine Kombination aus Dauerniedrigpreisen und Aktionspreisen ihren Einkauf optimieren." Ob ein "Deutschlandkorb" überhaupt als attraktiv empfunden würde, sei fraglich. Kunden seien bei der Auswahl zudem anspruchsvoller geworden. Konsumenten fühlen sich belastet Kunden kaufen wegen der gestiegenen Preise besonders preisbewusst ein, Sonderangebote gewinnen an Bedeutung. Knapp 60 Prozent der Menschen in Deutschland gehen dafür laut einer YouGov-Umfrage deshalb häufig oder gelegentlich in Geschäfte, in denen sie sonst nicht einkaufen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband zeigt: 58 Prozent der Befragten machen sich Sorgen wegen der steigenden Lebenshaltungskosten. Lebensmittel sind der Bereich, in dem die Preissteigerungen am stärksten gespürt werden. "Nahrungsmittelpreise stehen besonders im Fokus der Wahrnehmung, was ein Grund dafür ist, dass die mittelfristige Inflationsentwicklung häufig überschätzt wird", sagt Silke Tober, geldpolitische Expertin beim Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Die Lebensmittelpreise hierzulande seien im internationalen Vergleich weiterhin günstig. Ein Appell an die Händler dürfte angesichts des hohen Wettbewerbs wenig bewirken. Was Handel und Hersteller von dem Vorschlag halten Auch Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BVLH, weist den Vorschlag zurück: "Die Angebote im Lebensmittelhandel stellen tagtäglich das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis dar. Die deutschen Händler kämpfen permanent mit Angeboten um die preissensiblen Kunden." Statt Verbraucher zu verunsichern und in Märkte einzugreifen, solle die Politik Verbraucher und Wirtschaft entlasten. Die Lebensmittelketten könnten günstiger anbieten, wenn Bürokratie und Auflagen abgebaut würden. Die Rewe-Gruppe erklärte, bereits zahlreiche Maßnahmen umzusetzen, um günstige Produkte zugänglich zu machen. Preisaktionen und Treueprogramme sorgten für zusätzliche Preisvorteile. Kaufland betonte, steigende Lebenshaltungskosten stellten derzeit viele Menschen vor Herausforderungen. Eine bewusste Ernährung dürfe keine Frage des Geldbeutels sein. Die großen Handelsketten betonen, sinkende Preise direkt an Kunden weiterzugeben. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie hält wenig von dem SPD-Vorstoß. "Die deutsche Lebensmittelwirtschaft steht für eine große Vielfalt sicherer Lebensmittel zu vergleichsweise bezahlbaren Preisen auch im europäischen Vergleich", sagt Geschäftsführerin Kim Cheng. Verbraucher hätten die Wahl zwischen Supermärkten, Discountern und Bioläden, Markenprodukten und Eigenmarke. "Wer sparen will, kann gezielt günstig einkaufen." Bundesernährungsminister Alois Rainer setzt auf die üblichen günstigeren Angebote von Supermärkten und Discountern, um den Lebensmitteleinkauf erschwinglich zu halten. "Einen gesetzlich vorgeschriebenen Warenkorb lehne ich ab." Wenn Händler freiwillig etwas machten wie jetzt schon mit solchen Angeboten, sei es gut. Was sonst noch gefordert wird Wie zuletzt bereits Grüne und Verbraucherschützer sprach sich die SPD im Zusammenhang mit Lebensmitteln auch für ein schärferes Vorgehen gegen versteckte Preiserhöhungen - sogenannte Mogelpackungen - aus sowie eine staatliche Preisbeobachtungsstelle. Die Grünen-Bundestagsfraktion hatte kürzlich eine verpflichtende Preisvergleichs-App für Lebensmittel vorgeschlagen. So sollen Kunden Lebensmittelpreise live per App vergleichen können.

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