Bankraub in Gelsenkirchen: So schlecht sind Bankschließfächer meistens versichert
Die aufgebrochenen Bankschließfächer bei der Sparkasse Gelsenkirchen waren standardmäßig nur bis 10.300 Euro versichert. Das ist keine Ausnahme, wie eine Capital-Umfrage zeigt.
Es war für viele der zweite Schock nach dem ersten: Kaum wurde bekannt, dass Einbrecher fast alle der 3250 Schließfächer der Sparkassenfiliale Buer in Gelsenkirchen geplündert hatten, ging es um die Versicherung. Und viele Kunden merkten: Ein großer Teil des geraubten Geldes oder der Wertgegenstände dürfte nicht entschädigt werden. Denn wie die Sparkasse schon bald nach dem Vorfall mitteilte, war der Inhalt nur bis 10.300 Euro versichert – alles darüber hätte über eine extra Versicherung abgesichert werden müssen.
Dass es diese Höchstgrenze gab, sei vielen nicht klar gewesen, sagte der Marler Anwalt Burkhard Benecken, der nach eigener Aussage zahlreiche Geschädigte vertritt. Dabei ist das nicht ungewöhnlich – in vielen größeren Banken ist der Inhalt von Schließfächern gar nicht oder nur gering versichert. Das zeigt eine Umfrage von Capital unter mehreren Instituten in deutschen Großstädten.
Auch die größte Deutsche Bank versichert nur auf Wunsch
So beispielsweise bei der Münchner Sparkasse, der Hamburger Volksbank und der Volksbank in Frankfurt am Main: Wer hier ein Schließfach mietet, muss eine Versicherung explizit hinzubuchen – sie ist nicht automatisch in der Miete enthalten. Ebenso die Volksbank Köln-Bonn: "Kundinnen und Kunden können das Schließfach jedoch über ihre bestehende Hausratversicherung absichern, sofern diese den Inhalt und den Versicherungswert entsprechend abdeckt", schreibt die Bank auf Anfrage. "Alternativ besteht die Möglichkeit, eine separate Zusatzversicherung für das Schließfach abzuschließen."
Auch das größte deutsche Finanzinstitut Deutsche Bank versichert den Inhalt eines Schließfaches nur auf Wunsch: "In den Mietpreisen für Schrankfächer der Deutschen Bank ist keine Tresorinhaltsversicherung enthalten", schreibt eine Sprecherin der Deutschen Bank auf Capital-Anfrage. Wer eine solche Versicherung abschließe, versichere das Fach gegen Feuer, Einbruchdiebstahl und -raub, sowie gegen Leitungswasser und Hochwasser – bis zu einer gewissen Summe, die vereinbart wurde. Die Preise für Schließfächer bei der Deutschen Bank fangen bei 145,90 Euro pro Jahr für ein 9000 Kubikzentimeter großes Fach an und können bis zu 749,90 Euro pro Jahr betragen, wenn es größer sein soll.
Banken müssen ihre Schließfächer angemessen gegen unbefugten Zutritt sichern – andernfalls handeln sie fahrlässig. Ist eine Bank hier schlampig, muss sie theoretisch im Falle des Raubes für den gesamten Inhalt haften. Allerdings ist nicht immer sofort klar, ob eine Bank die Fächer angemessen geschützt hat. Oft beschäftigen sich hinterher Gerichte lange mit derartigen Fällen.
Bankmitarbeiter können auf Versicherungslücke hinweisen
Doch selbst wenn eine Versicherung inklusive ist, beträgt sie oft nur wenige Zehntausend Euro. In den Sparkassen in Köln und Berlin ist der Inhalt zum Beispiel bis 10.250 Euro beziehungsweise bis 15.000 Euro versichert. In der Frankfurter Sparkasse ist die Versicherung gegen Raub und Einbruchdiebstahl in Höhe von 2500 Euro in der Miete enthalten. Wer sich unter anderem dagegen versichern will, dass ein Flugzeug auf die Filiale fällt, kann eine Zusatzversicherung bei der Sparkasse abschließen. Mit dieser Zusatzversicherung sind auch unter anderem Wertpapiere, Edelmetalle und Bargeld bis zu 30.000 Euro versichert. Bei der Commerzbank geht der Versicherungsschutz gegen Diebstahl, Einbruch und Brand bis zu 26.000 Euro.
Der größte deutsche Schließfachanbieter ist die Hamburger Sparkasse. Von den fast 200.000 Bankschließfächern in den Tresorräumen der "Haspa" sollen rund 80 Prozent belegt sein. Dort ist der Versicherungsschutz bis zu 40.000 Euro inkludiert. Auch hier bietet die Bank eine Zusatzversicherung an, wenn Kunden Werte über den Betrag hinaus deponieren wollen.
Experten raten nicht erst seit dem Bankraub in Gelsenkirchen zu einer Versicherung des Schließfach-Inhalts. "Ohne ausreichende Absicherung ist ein Schließfach für hohe Summen finanziell riskant, auch wenn es gut gesichert ist", schreibt etwa die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch die Bankmitarbeiter können auf eine Versicherungslücke hinweisen – aber nur, wenn sie den Inhalt des Schließfaches kennen, was in der Regel nicht der Fall ist. Trotzdem schließen viele Kunden solche Versicherungen nicht ab, weil sie sich die Zusatzbeiträge nicht leisten können oder wollen – oder aber, weil sie den Inhalt vor den Behörden verstecken möchten.
So könnte es etwa bei der Sparkasse in Buer der Fall gewesen sein. Weil die Barbeträge in den Schließfächern auffällig hoch gewesen sein sollen, gehen die Ermittler laut Medienberichten dem Verdacht nach, ob es sich dabei um Geld aus der Organisierten Kriminalität handelt. Das zu versichern, hätte vermutlich schon früher Fragen aufgeworfen.