Die Krankenversicherungsbeiträge sind 2026 erneut gestiegen, obwohl die Gesundheitsministerin anderes versprochen hatte. Und es könnte noch weitergehen. Kurz vor dem Jahreswechsel erreichten viele Menschen in Deutschland unerfreuliche Briefe. Zahlreiche Krankenversicherungen haben für 2026 ihre Zusatzbeiträge angehoben, darunter auch die vier Kassen mit den meisten Mitgliedern. Dabei hatten viele Krankenkassen erst im vergangenen Jahr die Beiträge kräftig erhöht. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) wollte einen erneuten Anstieg eigentlich verhindern. Im Herbst hatte sie noch angekündigt, das Beitragsniveau halten zu wollen. Doch das misslang – der durchschnittliche Zusatzbeitrag stieg von 2,94 auf 3,36 Prozent. Entscheidungen gefallen: Diese Krankenkassen haben 2026 einen höheren Zusatzbeitrag Tabelle zeigt: So viel mehr müssen Sie für die Krankenversicherung zahlen So könnte es in den kommenden Jahren weitergehen, denn die Beiträge drohen zu steigen. Deshalb soll eine Finanzkommission bereits im Frühjahr Lösungsansätze präsentieren. Doch Experten sind skeptisch. Denn es gibt gleich mehrere Probleme. Warkens Ankündigung "von vorneherein Quatsch"? Bereits im Herbst war absehbar, dass die Beiträge für dieses Jahr erneut anziehen werden. Viele Kassen mahnten da bereits die steigenden Ausgaben für die Krankenhäuser und Arzneimittel an. Dennoch verkündete Warken immer wieder, die Beiträge würden nicht steigen. Ihr Ministerium setzte die Orientierungsmarke auf Basis von Berechnungen eines Schätzerkreises auf 2,9 Prozent fest. Gesundheitsökonom Stefan Greß von der Hochschule Fulda sagte t-online: "Die Ankündigung der Ministerin war schon damals wenig glaubwürdig." Zu einem ähnlichen Schluss kommt der Gesundheitsexperte Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin . Warkens Forderung nach einem gleichbleibenden Zusatzbeitrag "war von vorneherein Quatsch", sagte er t-online. Bereits im vergangenen Jahr funktionierte der Richtwert nicht. Schließlich wurde zunächst eine Orientierungsmarke von 2,5 Prozent festgelegt, der tatsächliche Wert lag 0,4 Prozentpunkte darüber. Sparpaket kommt – doch Kritik bleibt Warken wollte den Beitrag für eigentlich mithilfe eines sogenannten kleinen Sparpakets stabilisieren. Dabei sollten vor allem Krankenhäuser auf zusätzliche Einnahmen von den Kassen verzichten. Insgesamt sollte das Paket Einsparungen von zwei Milliarden Euro für die Krankenkassen bringen. Doch nachdem sich die Bundesländer quergestellt hatten, scheiterte das Paket zunächst im Bundesrat. Erst nachdem der Vermittlungsausschuss getagt hatte, wurde das Paket kurz vor Weihnachten doch noch verabschiedet. Allerdings hatten die Krankenkassen da längst intern über den Zusatzbeitrag für 2026 entschieden. Es sei also unklar, ob sich die Einsparungen überhaupt in den Berechnungen der Kassen wiederfinden, sagt Busse. Doch selbst wenn dies der Fall ist, so dürfte der Effekt gering sein. Berechnungen zeigen: Der Anstieg der Zusatzbeitragssätze wäre ohne das Sparpaket in diesem Jahr lediglich um 0,1 Prozentpunkte stärker ausgefallen. Greß nennt es daher lediglich ein "Sparpaketchen". Auch Busse meint: Das Sparpaket sei viel zu wenig gewesen, insbesondere, weil die Rücklagen der Kassen aktuell deutlich unter dem gesetzlichen Minimum liegen und nun wieder aufgebaut werden müssen. Der DAK-Vorstandsvorsitzende Storm sagte bereits bei der Verabschiedung des Sparpakets im t-online-Interview: "Das Paket reicht bei Weitem nicht aus." Er prognostizierte, dass der Beitragssatz trotzdem über die Drei-Prozent-Marke steigen werde . Die Krankenkassen kritisierten, Warken habe nicht genug getan, um die Beiträge stabil zu halten. Die Gesundheitsministerin wies die Vorwürfe in der "Süddeutschen Zeitung" zurück: "Wenn die Kassen sagen, dass nur die anderen schuld seien, machen sie es sich zu einfach." Jeder habe Verantwortung, "auch die Kassen". Es könnte noch schlimmer werden Allen Beteiligten ist dabei klar: In den kommenden Jahren könnte die Lage noch dramatischer werden. Wird nichts gemacht, steigen die Kosten und die Beiträge weiter. Deshalb soll eine Finanzkommission Gesundheit nun Vorschläge erarbeiten, die Kosten zu reduzieren. Besetzt ist sie mit zehn Fachleuten mit wirtschaftswissenschaftlichem und gesundheitsökonomischen Hintergrund. Doch die Erwartungen an die Kommission sind gering. Experte Greß glaubt an "nichts Neues", schließlich habe man kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Am Ende laufe es auf steigende Beitragssätze für die Versicherten oder Leistungsausschlüsse und steigende Selbstbeteiligungen für die Patienten hinaus, glaubt er. So hatte Kassenärzte-Chef Andreas Gassen zuletzt eine Kontaktgebühr pro Arztbesuch ins Spiel gebracht, der Kliniken-Vorsitzende Gerald Gaß eine Verdopplung der täglichen Zuzahlung im Krankenhaus. Gesundheitsökonom Busse hofft derweil, "dass die Finanzkommission nicht nur eine Verlagerung der Kosten hin zu den Patienten vorschlägt." Er erwartet vielmehr klare Reformvorschläge, vor allem bei den Kliniken: "Da liegen zu viele Patienten im Krankenhaus." Zudem gebe es zu viele Häuser. Aktuell fehle aber noch die Einsicht, dass nicht jede einzelne Klinik wichtig sei. Insbesondere die Landesregierungen seien dabei hinderlich: "Die Länder sind dabei, das System der gesetzlichen Krankenversicherung kaputt zu machen, weil sie immer noch mehr Geld für jedes Kleinstkrankenhaus haben wollen." Die Folge: "Die Länder zerreden die Reformen." Das Umsetzen von Vorschlägen werde so fast unmöglich. Busse fordert deshalb, Warken müsse bei dem Thema nun "die Zügel anziehen". Schließlich seien die Ausgaben der Krankenhäuser trotz der Einsparungen beim Sparpaket abgedeckt. "Das hat sie verkannt", beklagt der Experte. Fehlt der politische Mut für Reformen? Doch nicht nur die steigenden Ausgaben bei den Krankenhäusern sind ein Problem, auch die Ausgaben für Medikamente steigen. So gibt es bei den neuen Arzneimitteln hauptsächlich ein Preisproblem. Denn pro Kopf gibt in Europa kein anderes Land so viel Geld für Arzneimittel aus wie Deutschland. Busse mahnt an, dass sich die Regierung allerdings nicht an das Thema herantraue. "Bei den Arzneimittelausgaben ist bisher gar nichts passiert, nicht einmal der minimalste Ansatz." Greß fordert derweil "Strukturreformen sowohl auf der Einnahmen- als auch auf der Ausgabenseite". So schlägt er steuerfinanzierte Bundeszuschüsse und eine Anhebung der Beiträge für sehr gut verdienende Versicherte vor. Doch dazu fehle der politische Mut. Die Untätigkeit der Regierung könnte derweil fatale politische Folgen haben, warnt sein Kollege Busse: "Die Beiträge werden weiter steigen – und dann haben wir bei den nächsten Wahlen ein Problem."