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Eine Reise in die Vergangenheit der Kolonie Jamburg bei St. Petersburg


Gedenkstein, aufgestellt in Kingisepp an der Stelle der deutschen Kolonie Jamburg (Foto: Michail Gensler)

An einem Sonntag fuhr ich mit dem Auto in St. Petersburg los und erreichte nach etwa drei Stunden eine kleine Stadt an den malerischen, sanft abfallenden Ufern der Luga. Die Landschaft wechselte je nach Annäherung im Navigationsgerät zwischen grünen Feldern und sumpfigem Gelände. Das Schild „Kingisepp“ (bis 1922 Jamburg) am Ortseingang zeigte mir: Ich war meinem Ziel nahe.

Nun steuerte ich mit leichtem Herzklopfen die wichtigste Station meiner Reise an – das Denkmal zur Erinnerung an die Gründung der Jamburger deutschen Kolonie. Es wurde 2017 von Nachfahren der Kolonisten errichtet. Heute stehen ringsum Holzhäuser und Datschen. Doch hier, im Herbst 1766, begann für 77 Siedler aus der Pfalz, aus der Gegend um Bayreuth und Frankfurt am Main ihre neue, russische Geschichte.

Eine Kolonie auf Vertrag

Bereits vor der Reise hatte ich die Mitarbeiter der Zentralstadtbibliothek Kingisepp gebeten, mir eine digitalisierte Kopie des Kolonistenvertrags vom 19. November 1766 zuzusenden – was sie freundlicherweise taten. In der Liste der ersten 77 Siedler finden sich unter den Nummern 31 und 18 die Namen meiner fernen Vorfahren: Lorenz Gensler und Jakob Wanscheidt. Mit ihnen beginnt die Geschichte der Jamburger deutschen Kolonien.

Sie hängt eng mit der Politik Ka­­tharinas II. zusammen, ausländische Siedler nach Russland einzuladen. Auf ihre Manifeste von 1762 und 1763 reagierten vor allem Deutsche. Während die ersten Kolonien an der Wolga 1764 entstanden, folgten jene bei Petersburg (Nowosaratowka, Srednjaja Rogatka und die Ischora-Kolonien) ein Jahr später. Die Jamburger Kolonisten begannen im Frühjahr 1767, sich am Ufer der Luga niederzulassen. Im Gegensatz zu den „vorstädtischen“ Kolonien lagen ihre Siedlungen weit entfernt von der Hauptstadt und erhielten daher die informelle Bezeichnung „ferne Kolonien“.

Zu dieser Gruppe gehörten vier Siedlungen: Die Luzker Kolonie entstand am nördlichen Stadtrand von Jamburg, nahe den beiden russischen Dörfern Bolschoi und Malij Luzk. Krupino – die am wenigsten bekannte Kolonie – gehörte ebenso wie Luzk zum zweiten Bezirk (Stan) des Jamburger Kreises. Frankfurt und Parchowo gehörten zum ersten Stan. Die Familiennamen Gensler und Wanscheidt tauchen in verschiedenen Kolonien auf: So werden die Wanscheidts in den Listen von Luzk, Parchowo und Frankfurt erwähnt, die Genslers in Parchowo und Luzk.

Entstehung der Kolonien

Die ersten Kolonisten waren überwiegend katholisch. Anfangs wurden liturgische Handlungen in einem großen Gebäudekomplex auf dem Achteck-Platz (Wosmiugolnaja ploschtschad) in Jamburg abgehalten. Später feierte man Messen im Haus des Fabrikanten und Kaufmanns Sigismund Lieb. Ende des 18. Jahrhunderts begann der Bau der Kirche St. Johannes Nepomuk, die ab den 1820er Jahren für Gläubige geöffnet war.

Katholischer Rosenkranz (Heiliger Rosenkranz) der Familie Gensler, gehörte Luise Adamowna, geb. Wanscheidt, 19. Jahrhundert (Foto: Michail Gensler)

Im Unterschied zu den meisten deutschen Kolonisten kamen die Pfälzer nicht als Ackerbauern, sondern als Handwerker für eine im Bau befindliche Tuchfabrik in den Jamburger Kreis. Die ihnen zugewiesenen Grundstücke dienten zunächst vor allem dem Eigenbedarf. Da die Fabrik jedoch erst 1770 ihren Betrieb aufnahm, mussten die Kolonisten – ungeübt im Ackerbau – in der Zwischenzeit das raue Land rund um Jamburg urbar machen. Zunächst rodeten sie Wald, produzierten Holzkohle und verkauften diese. Bald entstand jedoch ein akuter Holzmangel, weshalb man zum Ackerbau überging und Wege suchte, das schwierige Land fruchtbar zu machen.

Deutsche aus den „vorstädtischen“ Kolonien erhielten Dünger, indem sie Mist aus der Stadt abtransportierten, und verkauften im Gegenzug Findlinge, die beim Roden der Felder in Hülle und Fülle anfielen. Für die fernab der Hauptstadt lebenden Jamburger Kolonisten war dieser Austausch unmöglich. Daher fanden sie eine eigene Lösung: Sie begannen, Moore zu entwässern, gewannen dabei Torf – einen wertvollen Dünger – und erweiterten gleichzeitig die für den Ackerbau nutzbare Fläche. Trotz der harten Bedingungen gelang es ihnen, gute Ernten einzufahren.

Altes und neues Jamburg

Doch nicht allen war das Glück hold: 1793 verließen 272 Kolonisten die Gegend und siedelten in das Gouvernement Jekaterinoslaw um, wo sie eine neue Kolonie gründeten – ebenfalls Jamburg genannt. Eine zweite Auswanderungswelle folgte 1847, als weitere 141 Personen aus drei Siedlungen ins Jekaterinoslawer Gouvernement zogen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten in den Jamburger Kolonien nur noch 28 Familien. Um die Jahrhundertwende waren die Jamburger Deutschen bereits russische Untertanen und leisteten alle damit verbundenen Pflichten. Auch ihr sozialer Status hatte sich stark verändert: Viele aus den „fernen Kolonien“ fanden Arbeit in der Stadt oder traten in staatliche bzw. militärische Dienste ein.

Damals endete auch die Jamburger Geschichte meiner Familie: Mein Urgroßvater Iwan Augustowitsch Gensler, geboren in einer Bauernfamilie des Jamburger Kreises, erhielt den Rang eines Reserveunteroffiziers. Zusammen mit seiner Frau Luise Adamowna, geborene Wanscheidt, ließ er 1899 seinen Sohn Georgi Iwanowitsch Gensler in der Kathedrale St. Ka­­tharina am Newski-Prospekt in St. Petersburg taufen.

Kurz darauf ging auch die Geschichte der Jamburger Kolonien zu Ende. In den 1920er Jahren wurde die Kirche St. Johannes Nepomuk geschlossen und verstaatlicht. 1931 wurde die evangelisch-lutherische Gemeinde St. Lazarus (die meisten lutherischen Deutschen hatten sich erst im 19. Jahrhundert im Jamburger Kreis niedergelassen) in eine Schule umgewandelt. Im Krieg wurde das Gebäude zerstört.

Schon 1920 erhielten die Jamburger Gebiete gemäß dem Vertrag zwischen Estland und der RSFSR den Status grenznaher Territorien – was die Zwangsumsiedlungen der 1930er Jahre direkt beeinflusste. Viele lokale Deutsche zogen eigenständig nach Leningrad und passten Beruf und Lebensweise den neuen Verhältnissen an. Anfang der 1930er Jahre existierte auf dem Gebiet der ehemaligen Kolonien der Kolchos Nowoparchowo; sein Vorsitzender war ein Deutscher namens Walter. Doch faktisch endete hiermit nach mehr als 150 Jahren die Geschichte der Jamburger deutschen Kolonien – und auch meine kleine Reise.

Ich danke herzlich dem Heimatkundler Andrej Beloborodow, einem Nachfahren der Jamburger Kolonisten, für wertvolle Beratung und Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Artikels.


Zur Person: Irina Gensler

Im Jahr 2025 wurde Irina Gensler mit dem Allrussischen Preis „Russlands herausragende Deutsche“ in der Kategorie Pädagogik (benannt nach Viktor Klein) ausgezeichnet. Sie ist eine herausragende sowjetische Ballerina und Pädagogin, die dem Ballett 75 Jahre ihres Lebens widmete – vom Solistenengagement am legendären Kirow-Theater bis hin zur Professur an der Akademie des russischen Balletts Agrippina Waganowa. Irina Gensler wurde am 22. Juli 1930 in Leningrad geboren, in der Familie des politischen Funktionärs Georgi Gensler, eines Nachfahren der Jamburger Kolonisten. 1940 trat sie in die Leningrader Choreografische Schule ein. Im November 1942 wurde ihr Vater wegen „antisowjetischer Agitation“ verhaftet. Wenige Monate später erhielt er eine Strafe von sieben Jahren Lagerhaft. Später teilte man der Familie mit, er sei „auf dem Transport verstorben“. Die Repressionen trafen auch andere Verwandte: Zwei Brüder ihres Vaters kamen in Lagern um, ihre Großmutter Luise Adamowna wurde in ein Speziallager nach Baschkirien deportiert. Trotz dieser schweren Prüfungen setzte Irina nach ihrer Rückkehr aus der Evakuierung ihre Ballettausbildung fort.

Запись Eine Reise in die Vergangenheit der Kolonie Jamburg bei St. Petersburg впервые появилась Moskauer Deutsche Zeitung.

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