Die USA ziehen im Nahen Osten weitere Truppen zusammen, immer mehr Flugzeuge und Schiffe treffen ein. Ein Krieg gegen den Iran scheint immer wahrscheinlicher. Es wirkt wie die Ruhe vor dem Sturm. Der Flottenverband um die "USS Abraham Lincoln" ist am Golf eingetroffen und weitere US-Kriegsschiffe bringen sich in Schlagdistanz zur iranischen Küste. Darüber hinaus treffen auch immer mehr Flugzeuge auf US-Stützpunkten in der Region ein – Kampfjets, Tankflugzeuge, riesige Transporter. All das lässt nur einen Rückschluss zu: Die Lage für das iranische Regime ist brandgefährlich. US-Präsident Donald Trump erklärte zuletzt, dass die "Armada" vor dem Iran größer sei als die vor Venezuela Anfang Januar. Das ist tatsächlich noch eine Untertreibung. Seit Tagen verlegen die USA Kriegsgerät in den Nahen Osten. Ist das lediglich eine Drohgebärde? Wohl kaum. Denn das Gros dieser Bewegungen bilden zahlreiche C17-Transportflugzeuge, die auch über die US-Luftwaffenstützpunkte Ramstein und Spangdahlem in Deutschland in Richtung Naher Osten fliegen – und das in den vergangenen Tagen in hoher Stückzahl. Die USA verlegen also nicht nur einen Flugzeugträger in die Region, sondern auch massiv Material und Munition. Das ist ein zentrales Indiz für einen bevorstehenden Angriff. Klar ist: Trump meint es ernst, ein größerer Krieg der USA gegen das iranische Regime ist mittlerweile wahrscheinlich geworden. Denn ein Einlenken des Mullah-Regimes ist bislang nicht ersichtlich. Merz-Rede: Endlich kommt Licht ins Dunkel Angriff auf den Iran? Dieses Mal könnte sich Trump verrechnen US-Tranportflugzeuge bringen Material und Munition Der mögliche US-Angriff wurde in der vergangenen Woche definitiv verzögert. Denn das Wetter an der US-Ostküste war schlecht, Schnee und Eis führten dazu, dass einige US-Flüge in Richtung Europa und Naher Osten verschoben wurden. Doch Trump hat nun viele Optionen auf dem Tisch, wenngleich ein möglicher Zeitpunkt für einen Angriff noch unklar ist. Die US-Truppenbewegungen in den Nahen Osten sind vergleichsweise transparent. Über Flugradare können Militäranalysten nachvollziehen, wo US-Flugzeuge abheben und wo sie landen. Und es ergibt sich ein klares Bild: Momentan sind viele C17-Transportflugzeuge und Tanker in der Luft, die über Spanien oder Deutschland zu US-Stützpunkten in Kuwait oder Saudi-Arabien fliegen. Eben diese Flüge geben Auskunft über die mögliche Fracht der Transporter. Einerseits kann aus der Zahl der Zwischenlandungen geschlossen werden, wie viel Gewicht sie an Bord haben. Andererseits sind auch die Abflugsorte aufschlussreich. So gab es in den vergangenen Tagen eine erhöhte Konzentration von Abflügen vom "Robert Gray Army Airfield" in den USA – ein bekannter US-Stützpunkt, der früher "Fort Hood" hieß. Da dort ein US-Luftverteidigungsregiment stationiert ist, gehen Experten davon aus, dass die Amerikaner das Luftabwehrsystem THAAD ("Terminal High Altitude Area Defence") in den Nahen Osten verlegen. Das würde gleich aus mehreren Gründen Sinn ergeben. Sollten die USA wirklich den Iran angreifen, müssten sie mit iranischen Raketenschlägen gegen US-Stützpunkte in der Region und gegen Ziele in Israel rechnen. Deshalb stärkt das US-Militär nun seine Flugabwehr und THAAD soll besonders effektiv bei der Abwehr ballistischer Raketen sein, die der Iran noch zu Tausenden in seinen Arsenalen haben soll . Aber neben Transportflugzeugen verlegt die US-Armee auch weitere Kampfjets in die Region. Zum Beispiel sollen die F-35-Flugzeuge, die Anfang Januar in Venezuela im Einsatz waren, mittlerweile auf den Azoren gelandet sein, auf dem Weg in den Nahen Osten. In den Medien liegt der Fokus meistens auf dem Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und dessen Flottenverband. Aber darüber hinaus sind auch zahlreiche US-Zerstörer und Kriegsschiffe niedrigerer Klassen am Golf und im Schwarzen Meer . Eine Übersicht über die US-Militärpräsenz dort finden Sie hier . Zudem gibt es ein Detail, das Trumps wahre Absichten verraten könnte. Die Amerikaner verlegten am 28. Januar auch mindestens ein Flugzeug vom Typ WC-135R Constant Pheonix in den Nahen Osten. Das ist ein Spezialflugzeug, das Proben aus der Atmosphäre sammeln kann, um nukleare Explosionen aufzuspüren und zu identifizieren. Trumps rote Linie Trump hat dem iranischen Regime gedroht und eine rote Linie bei der Hinrichtung von Demonstranten gezogen. Daran haben sich die Ajatollahs nicht gehalten. Berichte des britischen "Time Magazine" legen nahe, dass die Schergen des Regimes Anfang Januar in wenigen Tagen bis zu 30.000 Menschen getötet haben könnten. Anderen Aktivisten droht nach ihrer Verhaftung im Iran weiterhin die Todesstrafe. Doch es ist fraglich, ob es dem US-Präsidenten wirklich um einen Regimewechsel geht. Denn das iranische Regime hat die Demonstrationen vorerst niedergeschlagen, die Amerikaner müssten wahrscheinlich eine Invasion mit Bodentruppen versuchen – und zwar mit Hunderttausenden Soldaten. Im Irak-Krieg ab 2003 waren bis zu 270.000 US-Soldaten im Einsatz und der Iran ist nicht nur größer, sondern hat mit rund 90 Millionen auch fast doppelt so viele Einwohner wie der Irak . Trump möchte einen langen Krieg am Boden wahrscheinlich vermeiden, weil er seinen Wählern ein Ende der verlustreichen interventionistischen Kriege der USA versprochen hatte. Viel wahrscheinlicher ist, dass die USA einen neuen Schlag gegen das iranische Atomprogramm planen. Im November kündigte Irans Präsident Masoud Pezeshkian an, dass sein Land die beschädigten Atomanlagen wieder aufbauen will. Auf Satellitenbildern von US-Geheimdiensten ist zu erkennen, dass die Iraner diese Anlagen nun offenbar tiefer unter Sand vergraben wollen, um sie künftig besser vor Luftangriffen zu schützen. Fokus auf Atomprogramm? Es ist also gut möglich, dass die USA in einem Krieg gegen den Iran vor allem aus der Luft das iranische Atomprogramm und die Raketenproduktion ins Visier nehmen. Damit könnte Trump Erfolge erzielen, ohne gleichzeitig Verluste erleiden zu müssen. Denn die iranische Luftverteidigung ist schwach. Gleichzeitig zeigte sich der US-Präsident auch verhandlungsbereit; doch bislang waren die Iraner nicht bereit, Kompromisse – etwa die Aufgabe ihres Atomprogramms – einzugehen. Eine Übersicht über die US-Forderungen an den Iran finden Sie hier . Es gibt viele Hardliner in den Reihen der US-Republikaner, die das Weiße Haus schon seit vielen Jahren zu einem Militäreinsatz gegen Teheran zu drängen versuchen. All das macht einen Angriff wahrscheinlich. Doch ab dem Zeitpunkt, ab dem amerikanische Bomben auf den Iran fallen, gerät die Lage ein Stück weit außer Kontrolle. Dann hängt die Frage, wie groß und lang dieser Krieg wird, vor allem an der Reaktion des Mullah-Regimes. Schlagen die iranischen Revolutionsgarden und die Armee gegen US-Stützpunkte oder US-Verbündete in der Region los, droht eine längere Auseinandersetzung, die weiter eskalieren könnte. Die USA haben mit der Stärkung ihrer Militärpräsenz die Voraussetzungen für einen Krieg geschaffen – das Pulverfass steht bereit.