Die neue Dokumentation über Melania Trump will exklusive Einblicke in das Leben der First Lady geben. Zu sehen gibt es Mode, Glanz und Gloria – aber wenig Persönlichkeit. Donald Trump hat die Dokumentation über seine Frau Melania mit nur drei Wörtern beschrieben: "Sie ist unglaublich." Dieser Text wird ein paar mehr benötigen. Denn auf der offiziellen Website verspricht der Film Nähe; die Suche nach ihr erfordert aber mindestens Geduld. Wer verbirgt sich unter Hutkrempen und hinter großen Sonnenbrillen? In Berlin läuft die erste Vorstellung des Films am Freitagnachmittag im Zentrum der Stadt. Der Kinosaal hat genau 22 Plätze auf 3 Reihen, die fast überwiegend von Journalisten besetzt sind – eine eigene Vorführung für die Presse gibt es nicht. Die Personen, die nicht aus beruflichen Gründen da sind, kann man an einer Hand abzählen. Man erkennt sie am Popcorn. Eine private Besucherin sagt, sie sei hier, weil sie ihre Masterarbeit über Präsidentenfrauen geschrieben habe, eine andere, weil sie schlicht neugierig sei. Die Hochglanzdokumentation "Melania" über die First Lady beginnt mit dem Lied "Gimme Shelter" von den Rolling Stones : "Ooh, a storm is threatening / My very life today / If I don't get some shelter / Ooh yeah I'm gonna fade away" (zu Deutsch: "Ooh, ein Sturm droht / Mein Leben heute / Wenn ich keinen Unterschlupf finde / Ooh ja, werde ich verschwinden". Die First Lady verschwindet im Film tatsächlich häufig. Entweder hinter einer großen schwarzen Sonnenbrille oder einer verschlossenen Tür. Das apokalyptische Pathos der Rolling Stones aber passt nur bedingt zu dem Leben, das der fast zweistündige Film zeigt – denn kaum jemand wirkt weniger existenziell bedroht als eine First Lady, die die Öffentlichkeit meidet und sich ihr systematisch entzieht. Wer glaubte, der Film gebe nun erstmals einen Einblick in dieses Leben, wird enttäuscht. Erzählt wird der Film als chronologische Annäherung an Donald Trumps zweite Amtseinführung. Die Dokumentation soll zeigen, wie die 20 Tage vor der Rückkehr ins Weiße Haus aus Sicht der 55-Jährigen aussahen. Gezeigt wird dabei viel Mode, Glanz und Gloria – nur die Person Melania Trump kommt dabei nicht zum Vorschein. Das Erste, was im Film von Melania Trump zu sehen ist, sind ihre Schuhe: französische Designerpumps von Christian Louboutin, erkennbar an der ikonischen roten Sohle. Die Kamera begleitet Donald Trumps Ehefrau durch Termine, Besprechungen und Vorbereitungen. Es geht um ihre Rolle, ihre Outfits, um Stoffe und Schnitte – aber auch um die Einrichtung im Weißen Haus. Je näher die Inauguration rückt, desto dichter wird der Ablauf. Dabei fängt der Film immer wieder Momente ein, die den Menschen "Melania" zeigen könnten: einen Kirchenbesuch, einen kurzen Rückblick auf die Familie, Gespräche im Auto. Jedes Mal weckt er die Erwartung, dass es gleich tiefer geht, als nur die Oberfläche zu zeigen, dass eine Melania Trump jenseits der bekannten Bilder zum Vorschein kommt. Doch nichts davon wird erfüllt. Kaum ein Blick hinter die Fassade Stattdessen bekommt ihr Designer Pierre Hervé viel Zeit eingeräumt. Die Kamera ist mit dabei, als er der First Lady ihr Kleid für die Amtseinführung präsentiert. Der französisch-amerikanische Kostümdesigner darf erzählen, dass sie klare Anweisungen gebe und "völlig anderes Vokabular", benutze, wenn es um Mode geht. An anderer Stelle werden in kurzen Einblendungen alte Familienfotos gezeigt, auf denen Melania als Kind mit ihren Eltern zu sehen ist. Auch ihr Vater spricht kurz, es geht um den Tod ihrer Mutter, seiner Frau. Deren Todestag jährt sich in der Dokumentation, und Melania Trump erzählt, was für eine große Rolle ihre Mutter in ihrem Leben gespielt habe. Es bleibt bei Floskeln. Selbst als sie in einer Kirche eine Kerze für sie anzündet, hält der Film Distanz: keine langen Nahaufnahmen, kein Blick verweilt auf ihrem Gesicht, keine Emotionen. Auch der politische Mensch Melania Trump wird nur angerissen. Ihre Haltung und Gesten bleiben merkwürdig abstrakt, distanziert. Beim Treffen mit einer befreiten Hamas-Geisel aus Israel hält die sie viel Abstand auf dem Sofa. Melania Trump verspricht lediglich: Wenn ihr Ehemann erst einmal im Amt sei, werde sich alles ändern, alle Geiseln würden befreit werden. Skizzen ersetzen Inhalte. Immer wieder verweist Melania auf ihr Programm "Be Best", das sie in der zweiten Amtszeit fortführen möchte. Die 2018 von ihr ins Leben gerufene Initiative zielt auf das Wohlergehen von Kindern ab, konzentriert sich auf Online-Sicherheit und Cybermobbing, soziale und emotionale Gesundheit sowie den Kampf gegen Drogensucht. Doch auch hier bleibt der Film im Ungefähren. In einem Zoom-Gespräch mit Brigitte Macron geht es um Maßnahmen gegen Cybermobbing. Die französische First Lady erzählt stolz, dass ihr Land Kindern unter elf Jahren an Schulen die Handynutzung verboten hat. Im Zwischenschnitt schreibt Melania Trump den Satz so sorgfältig mit, dass man die Regieanweisung fast zu hören glaubt. Durch den Berliner Kinosaal hallt lautes Lachen. Mehr bleibt von diesem politischen Austausch nicht übrig. Diese Oberflächlichkeit zieht sich auch durch die wenigen Szenen, in denen Melania Trump bei der Arbeit zu sehen ist. Zweimal führt sie ein Bewerbungsgespräch mit Kandidatinnen für den Posten ihres Stabschefs. Der Film soll sie in der Rolle der Entscheiderin zeigen. Nach welchen Kriterien sie aber entscheidet, was sie von ihren Mitarbeitern will oder braucht, erfährt man nicht. Auch in der Ehe bleibt alles auf Distanz Wer gar etwas über ihre Ehe mit Donald Trump erfahren wollte, wird erst recht enttäuscht. Der tritt erstmals auf einem Flugplatz in Erscheinung, auf dem Weg zur Beerdigung von Ex-Präsident Jimmy Carter . Zu sehen gibt es: drei kurze Küsse auf die Wange – mehr nicht, keine Nähe, keine Intimität, die über das bekannte sterile Bild aus den Nachrichten hinausreicht. Enttäuschung im Kinosaal. Während sie im Auto über Carter sprechen, zeigt die Kamera nicht das Paar, sondern den Blick aus dem Fenster auf das graue Washington , D.C. Die Einstellung wirkt wie ein Selfie, bei dem das Handy falsch herum gehalten wird. Überhaupt spielen sich viele Szenen im Auto ab. Dort entsteht auch einer der ganz wenigen Momente, in denen die Fassade zu bröckeln scheint: Melania spricht über ihren Lieblingsmusiker Michael Jackson , ihr Lieblingslied ist "Billy Jean". Sie singt leise zur Musik im Auto mit, bewegt den Kopf zur Melodie. Ist sie das? Ist das gerade die private Melania? Ein Jackson-Fan? Die Kamera zoomt heran, aber die Sonnenbrille bleibt auf. Schnitt. Szenenwechsel. Schade. Der Tag der Inauguration. Als sie nach dem ersten Tanz mit dem frisch vereidigten Präsidenten die Treppe hinter der Bühne hinabgeht, läuft im Hintergrund "Y.M.C.A". Melania Trump wiegt kurz die Hüften, hebt die Hände, singt ein paar Zeilen mit. Für einen Moment wirkt sie ungewohnt gelöst. Stilistisch lässt der Film kaum Raum für Leere. Fast keine Szene kommt ohne Musik aus: meist klassisches Klavier oder Streicher, dazwischen unerwartete Popsongs. Stille existiert in dieser Dokumentation nicht. Stattdessen folgt die Kamera Melania Trump ununterbrochen, begleitet von ihrer eigenen Stimme aus dem Off. Doch diese Stimme wirkt nicht reflektierend, sondern kontrolliert, geglättet. Sie bleibt bei Oberflächlichkeiten und bei Sätzen, die eher nach Redenschreiber als nach innerem Monolog klingen. Melanias Designer Hervé nennt das Kleid zur Amtseinführung ein "Mysterium". Mag sein. Aber ist Melania Trump ein Mysterium? Trägt sie ein Geheimnis in sich? Steckt Geist hinter dem Glamour? Darauf hatten die Zuschauer im Berliner Kinosaal gehofft. Höflich formuliert: Nichts davon ist im Film nicht zu erkennen.