Verdienen Beamte mehr Geld als Angestellte? Diese Frage stellen sich viele Menschen in Deutschland. Doch sie lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Für viele Menschen sind Gehalt und Jobsicherheit die wichtigsten Gründe für die Berufswahl. Die Entscheidung fällt dabei häufig auf das Beamtentum – auch mit der Begründung, dass die Beamtengehälter besonders lukrativ seien. Einer Untersuchung des Versicherers HDI zufolge ist der Staatsdienst unter anderem deshalb in den vergangenen fünf Jahren für jeden vierten Befragten attraktiver geworden. 43 Prozent gaben in der Umfrage an, lieber einen Job im öffentlichen Dienst annehmen zu wollen als einen in der Privatwirtschaft. Dass man im öffentlichen Dienst mehr Geld verdienen kann, stimmt aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Vor allem während des Berufseinstiegs liegen die Gehälter in Beamtenjobs über denen in der Privatwirtschaft. Mit steigendem Alter kippt dieses Verhältnis aber wieder. Beamte haben bessere Einstiegsgehälter Die Besoldung der Beamten variiert je nach Bundesland – und auch der Bund hat eine eigene Besoldungstabelle für seine Mitarbeiter. Die Einstiegsgehälter (A5–A7) liegen aber in allen Ländern in der Regel bei rund 3.000 Euro brutto im Monat. In der freien Wirtschaft sieht es im Schnitt zwar ähnlich aus, doch Angestellte müssen neben Steuern auch Sozialbeiträge auf das Gehalt zahlen . Diese zahlen Beamte nicht, sodass die Nettogehälter der Beamten in den niedrigeren Besoldungsstufen oft viel besser sind als die in der freien Wirtschaft. Das kippt jedoch in der Mitte des Berufslebens, wie Analysen mehrfach gezeigt haben. Zwar können Beamte recht schnell in höhere Besoldungsstufen aufsteigen und für ihre Berufserfahrung entlohnt werden. Es gibt allerdings eine Grenze nach oben, die es in der Privatwirtschaft nicht gibt. Einer Untersuchung der Privatbank Quirin zufolge verdienen Angestellte ungefähr ab dem 45. Lebensjahr mehr als durchschnittliche Beamte. Konkret: Ein Single-Haushalt muss in der Privatwirtschaft über 84.000 Euro brutto verdienen, um mehr netto als ein Bundesbeamter in der Besoldungsstufe A13 zu verdienen. In der Pension gibt das Verhältnis wieder Dieser Unterschied wird bis zum Renteneintrittsalter immer größer, sodass ein Durchschnittsangestellter mit 66 über 2,2 Millionen Euro netto verdient hat, während ein Durchschnittsbeamter auf 1,9 Millionen Euro netto kommt. Je nach Beruf kann dieser Unterschied noch deutlicher ausfallen. So hat Quirin berechnet, dass eine Juristin in der Privatwirtschaft zwischen den Jahren 27 und 67 ungefähr 3,9 Millionen Euro brutto verdient, während eine verbeamtete Juristin im selben Zeitraum auf 3,1 Millionen Euro kommt. Im Verlauf des Berufslebens verdienen Angestellte in der Privatwirtschaft also im Schnitt mehr als Beamte. Personen im Staatsdienst haben hingegen Vorteile beim Berufseinstieg. Und auch in der Pension gleicht sich der Unterschied langsam wieder aus. Denn Beamte bekommen im Alter nach 40 Berufsjahren im Staatsdienst 71,75 Prozent ihres durchschnittlichen Bruttoeinkommens aus den letzten Dienstjahren als Pension. Angestellte haben eine deutlich geringere gesetzliche Rente. Die beiden Juristinnen aus dem obigen Beispiel ziehen dann mit 77 Jahren wieder gleich, so die Quirin-Analyse. Wenn beide 85 Jahre alt werden, hat die Beamtin durch ihre Pension im Leben insgesamt 185.000 Euro mehr verdient als die Angestellte. Im Durchschnitt gleichen sich die Nettoeinkünfte von Angestellten und Beamten also mit 85 Jahren wieder aus.