Jeden Tag beantwortet ein Experte aus der t-online-Ratgeberredaktion eine Leserfrage rund ums Geld. Es geht heute darum, ob man DDR-Mark noch in Euro umtauschen kann. In der DDR war es für viele Menschen ganz normal, Bargeld nicht zur Bank zu bringen, sondern im eigenen Haus zu verstecken. Aus Misstrauen gegenüber staatlichen Stellen oder schlicht aus Vorsicht lagerten viele Familien ihr Erspartes lieber in Koffern, Blechdosen oder hinter Tapeten. Bis heute tauchen deshalb bei Renovierungen oder nach Erbschaften immer wieder Bündel DDR-Mark auf – manchmal im Wert von mehreren Tausend Mark. So ging es auch einem t-online-Leser: Nach dem Erbe seines Elternhauses fand er bei Renovierungsarbeiten DDR-Geld unter dem Dielenfußboden. Nun stellt sich für ihn eine naheliegende Frage: "Kann ich DDR-Mark, die ich bei einem Zufallsfund entdeckt habe, heute noch in Euro umtauschen?" Die kurze Antwort lautet: Nein. DDR-Mark-Scheine können weder bei der Deutschen Bundesbank noch bei anderen offiziellen Stellen in Euro umgetauscht werden. Die Währungsunion: Platz schaffen für die neue D-Mark Als am 1. Juli 1990 die D-Mark in der DDR eingeführt wurde, musste das gesamte Land innerhalb kürzester Zeit auf eine neue Währung umgestellt werden. Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und andere sogenannte wiederkehrende Zahlungen wurden dabei im Verhältnis 1:1 umgestellt. Das bedeutete: Wer regelmäßig Geld bekam oder zahlte, erhielt rechnerisch denselben Betrag – nur eben in D-Mark statt in Ost-Mark. Anders sah es beim Bargeld aus. DDR-Mark konnte man nicht einfach direkt an der Kasse gegen D-Mark tauschen. Stattdessen mussten die Scheine zunächst auf Konten eingezahlt werden. Dabei galten klare Obergrenzen, die nach Alter gestaffelt waren: Kinder unter 14 Jahren konnten bis zu 2.000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 umtauschen. 15- bis 59-Jährige durften bis zu 4.000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 tauschen. Wer älter war, konnte bis zu 6.000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 umstellen lassen. Alles, was darüber hinausging, wurde im Verhältnis 2:1 umgerechnet. Das bedeutete: Für zwei Mark DDR bekam man nur eine D-Mark. Diese Umtauschfrist lief bereits am 1. Juli 1990 ab. Münzen – die Pfennige – blieben immerhin ein Jahr länger gültig, nämlich bis zum 30. Juni 1991. Besonders bitter war eine weitere Regel: Guthaben, die erst nach dem 31. Dezember 1989 entstanden waren, wurden sogar zu einem Kurs von 3:1 umgestellt. Viele Menschen empfanden das als herben Einschnitt. Denn dadurch wurde das Ersparte – und damit auch ein Teil der finanziellen Lebensleistung vieler DDR-Bürger – mehr als halbiert. Kein Wunder also, dass viele versuchten, Geld noch schnell auf Kinder oder Verwandte umzuschichten. Doch auch das konnte den Verlust und die Ernüchterung über die neue Währungsrealität meist nicht ausgleichen. Was geschah mit dem alten DDR-Geld? Nach der Währungsunion wurde das DDR-Geld in riesigen Mengen eingesammelt. Insgesamt kamen dabei rund 100 Milliarden Ost-Mark zusammen. Das Münzgeld, die oft belächelten "Alu-Chips", wurde größtenteils eingeschmolzen. Daraus entstanden später Aluminiumbarren, die unter anderem für die Autoindustrie genutzt wurden. Die Banknoten verschwanden zunächst ebenfalls aus dem Umlauf – darunter auch Scheine im Wert von 200 und 500 Mark, die teilweise nie ausgegeben worden waren. Sie wurden zunächst im Tresor der ehemaligen Reichsbank in Berlin gelagert und anschließend – wie bereits früheres DDR-Altgeld – in zwei Sandsteinstollen bei Halberstadt gebracht . Dort sollten die Scheine unter einer Kiesschicht verrotten. Die hohe Feuchtigkeit im Stollen sollte dafür sorgen, dass das Geld schnell unbrauchbar wird. Doch dieser Plan ging nicht auf. 1999 fanden Jugendliche einen unverbauten Zugang zu dem Stollen und entwendeten zahlreiche Scheine. Als der Vorfall bekannt wurde, entschied sich die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die als Nachfolgerin der Staatsbank der DDR fungierte, die Banknoten endgültig zu vernichten. Warum die Bundesbank DDR-Mark nicht mehr umtauscht Auch wenn viele Menschen beim Fund alter Banknoten auf einen späten Geldsegen hoffen: Die Bundesbank tauscht nur noch bestimmte Altbestände um. Unbegrenzt und kostenlos umtauschbar sind ausschließlich West-D-Mark – also Banknoten der Deutschen Bundesbank oder der Bank deutscher Länder sowie Bundesmünzen. Der Umtausch erfolgt dabei zum festen Kurs: 1 Euro = 1,95583 D-Mark DDR-Mark gehört ausdrücklich nicht zu den annehmbaren Währungen. Das bedeutet: Ost-Mark kann heute nicht mehr in Euro umgetauscht werden – egal, in welchem Zustand die Scheine sind und unabhängig von der Summe. Fazit: Fundstücke mit Geschichte – aber ohne Geldwert Auch Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung tauchen immer wieder Bündel DDR-Mark auf. Besonders häufig geschieht das bei Renovierungen, Abrissen oder Erbschaften. Verstecke finden sich etwa in Matratzen, hinter Tapeten, unter Dielen oder in Koffern. Medien berichten sporadisch über solche Funde, etwa in Altbauten in Sachsen oder Thüringen. Offizielle Statistiken darüber, wie viel DDR-Geld insgesamt noch irgendwo lagert, gibt es jedoch nicht. Wer heute DDR-Mark entdeckt, sollte deshalb keine Hoffnung auf einen Umtausch haben. Die Scheine sind zwar historische Erinnerungsstücke – aber offiziell wertlos.