Landeskirche: Kirche setzt pensionierte Polizisten auf Akten-Suche an
Pensionierte Polizisten durchforsten im Auftrag der westfälischen Landeskirche Personalakten nach Hinweisen auf sexualisierte Gewalt. Werden sie fündig, startet ein geregeltes Verfahren.
Die Evangelische Kirche von Westfalen lässt von pensionierten Polizeibeamten die Personalakten auf Hinweise zu Fällen sexualisierter Gewalt untersuchen. Das teilte die Kirche in Bielefeld mit. Die Landeskirche setzt damit eine Empfehlung der Aufarbeitungsstudie ForuM zur sexualisierten Gewalt der Evangelischen Kirche von Deutschland (EKD), den Landeskirchen und der Diakonie um.
Seit dem 1. Februar sucht ein Beamter im Ruhestand auf Honorarbasis laut Mitteilung systematisch in den Akten nach Hinweisen ab. Zum 1. März soll ein zweiter pensionierter Polizist starten. Beide verfügen demnach über jahrzehntelange Erfahrung. Zunächst würden die Akten von aktuell noch beschäftigten Mitarbeitern der Landeskirche unter die Lupe genommen. Damit soll verhindert werden, dass mögliche Fälle sexualisierter Gewalt verjähren. Anschließend gehen die Experten in Akten aus dem Archiv auf die Suche. Hierbei geht es um Personalakten früherer Mitarbeiter.
Auch Entlassung möglich
Werden die pensionierten Polizeibeamten fündig, werden die Akten in das reguläre Aufarbeitungsverfahren der Stabsstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung (UVSS) eingebracht und dort weiterbearbeitet. Bei entsprechendem Fehlverhalten können nach geltendem Kirchenrecht arbeits- oder dienstrechtliche Maßnahmen ergriffen werden. Möglich ist auch das Ende des Dienstverhältnisses.
Geplant ist, dass alle Personalakten des Landeskirchenamtes durchsucht werden. Wie lange dies dauere, sei derzeit nicht abzusehen, teilte die Landeskirche mit. Die Beauftragte für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung, Charlotte Nieße, werde künftigen Landessynoden Bericht erstatten.