Er gehört zu den prominenten Vertretern der 68er-Bewegung. "Lenz" und "Der Mauerspringer" sind nur zwei seiner großen Werke. Nun ist Autor Peter Schneider gestorben. Der Schriftsteller Peter Schneider ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 85 Jahren, wie der Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln mit Berufung auf seine Familie mitteilte. Er sei im Beisein seiner Kinder Lena und Marek in seiner Berliner Wohnung "friedlich eingeschlafen", schreibt sein enger Freund, der Regisseur Volker Schlöndorff, in seinem Nachruf für die "Süddeutsche Zeitung". Zwei Jahre lang habe Schneider "den Krebs, der sich so ziemlich überall eingenistet hatte, dank Immuntherapie und guter Moral in Schach gehalten". Im Dezember musste die Behandlung wegen starker Nebenwirkungen abgesetzt werden. Eine Chemotherapie habe der Schriftsteller abgelehnt. Mut zum Anecken Der gebürtige Lübecker, der in Berlin lebte, galt als hellsichtiger Essayist mit dem Mut zum Anecken und als vielseitiger Autor, der in verschiedenen literarischen Gattungen zu Hause war. Regelmäßig beschäftigte er sich in seinen Werken auch mit gesellschaftspolitischen Themen – und das über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahrhundert. Bekannt wurde er 1973 mit seiner Erzählung "Lenz", die gerade für die Generation der 68er zur identitätsstiftenden Lektüre wurde. Darin setzt sich Schneider nicht zuletzt mit den Illusionen von Intellektuellen und Künstlern über ihre Bedeutung in der Gesellschaft und der deutschen Vergangenheit auseinander. Zwei Jahre später folgte der Band "...schon bist du ein Verfassungsfeind", dessen Titel bald als geflügeltes Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch bei politischen Auseinandersetzungen eingegangen ist. Schneider schrieb das Buch 1975, nachdem ihm im Zuge des berüchtigten Radikalenerlasses für den öffentlichen Dienst der Eintritt in den Schuldienst verweigert worden war. Als überzeugter Linker durfte er nicht Lehrer werden. Der Schriftsteller sah die 68er-Revolte durchaus nicht unkritisch. Für ihn war sie aber gleichzeitig mit einem notwendigen Aufbrechen verkrusteter Strukturen in der Gesellschaft und im Denken verbunden. Auch literarisch hat ihn das Thema nicht losgelassen. "Es ist nötig – und wird immer nötig sein und Mut erfordern – gegen selbst ernannte Herren der Welt und eine feige oder übergeschnappte Obrigkeit zu rebellieren", schrieb er 2008 im Epilog seines Buches "Rebellion und Wahn". "Aber noch mehr Mut gehört dazu, gegen die Führer in der eigenen Gruppe aufzustehen und zu sagen: 'Ihr spinnt! Ihr seid verrückt geworden!' – wenn ebendies der Fall ist." Schreiben war ein Teil seines Lebens Thematisch ließ sich der erfolgreiche Schriftsteller nicht festlegen: In "Mauerspringer" von 1982 widmete er sich dem Leben im geteilten Berlin. Die Stadt war da längst zu seiner Wahlheimat geworden. In dem Buch prägte er bereits das Wort von der "Mauer im Kopf". Sein autobiografischer Bericht über "Die Lieben meiner Mutter" (2013) stellte die frühen Nachkriegsjahre in den Mittelpunkt und eine Frau mit großem Freiheitswillen. Das Werk war gleichzeitig der Versuch, sich an seine Kindheit zu erinnern und an die Jahre, die er im bayerischen Dorf Grainau nicht weit von der Zugspitze entfernt verbracht hatte. Das Schreiben war ein fester Bestandteil seines Lebens. Das galt auch noch im hohen Alter: Erst im vergangenen Jahr erschien sein letzter Roman "Die Frau an der Bushaltestelle". Der Verlag trauere um einen seiner bedeutendsten Autoren und eine der prägenden intellektuellen Stimmen der Bundesrepublik, teilte Kiepenheuer & Witsch mit. "Er hinterlässt ein Werk, das wie kaum ein anderes die Brüche, Hoffnungen und Transformationen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts dokumentiert."