Die USA versuchen offenbar, eine kurdische Bodenoffensive gegen den Iran zu organisieren. Vieles spricht dagegen – doch Teheran nimmt die Bedrohung ernst. Die Nachricht löste am späten Mittwochabend Aufregung aus: Tausende iranisch-kurdische Kämpfer hätten vom Nachbarland Irak aus eine Bodenoffensive gegen das Mullah-Regime in Teheran gestartet, berichtete der Sender Fox News unter Berufung auf US-Beamte. Kurz darauf dementierten zwar sämtliche kurdischen Parteien in der Region die Meldung, doch ganz vom Tisch scheint die Idee einer kurdisch geführten Bodenoffensive gegen den Iran nicht. Krieg in Nahost : Alle Entwicklungen im Überblick Krieg gegen Iran : Gehen den USA die Abfangraketen aus? Dem Sender CNN zufolge liefert die CIA von ihren Niederlassungen im kurdischen Nordirak bereits Waffen an die kurdischen Gruppen im Iran. Das Weiße Haus dementiert den Bericht zwar, Kurdenvertreter im Nordirak bestätigten aber Kontaktaufnahmen durch US-Beamte. Und am Donnerstag sagte Präsident Trump dem Sender NBC, er befürworte eine Offensive iranisch-kurdischer Kämpfer. "Ich finde es wundervoll, dass sie das tun wollen, ich wäre voll dafür", so Trump. Auch militärisch scheinen die USA und Israel eine mögliche Bodenoffensive vom Irak aus vorzubereiten. Luftangriffe könnten Weg nach Teheran ebnen So greifen Kampfjets der Koalition offenbar gezielt Stützpunkte der iranischen Revolutionsgarden und Basidsch-Milizen im Nordwesten des Landes an, wo die kurdische Minderheit lebt. Die Terrortruppen des Regimes sind besonders stark aufgestellt in Grenzregionen mit ethnischen Minderheiten wie Aserbaidschanern im Norden oder Belutschen im Südosten. Die Luftangriffe im Nordwesten zielen möglicherweise darauf ab, einer kurdischen Bodenoffensive den Weg in die Hauptstadt Teheran zu ebnen. Militärexperten sind sich weitgehend einig, dass ein Regimewechsel im Iran nicht allein durch Luftangriffe herbeizuführen ist. Der Einsatz von US-Bodentruppen erscheint derzeit aber unwahrscheinlich. Zwar hat der US-Präsident den Schritt nicht ausgeschlossen, sprach am Donnerstag aber von "Zeitverschwendung". In den USA dürfte die Entsendung von Soldaten nach den Erfahrungen der Kriege im Irak und in Afghanistan zudem großen Widerstand auslösen . Israel wiederum verfügt nicht über die militärischen Kapazitäten für eine Bodenoffensive im 2.000 Kilometer entfernten Iran und beschränkt sich derzeit wohl auf den Einsatz von Spezialtruppen auf iranischem Boden. Sollen es jetzt also die Kurden richten mit dem Sturz des Mullah-Regimes? Trump verspricht Kurden offenbar "Schutz der USA" Aus Sicht der USA und Israels dürfte die Idee extrem verlockend sein. In der autonomen Kurdenregion im Norden des Irak leben auch Zehntausende iranische Kurden, die vor der Unterdrückung durch das Regime geflüchtet sind. An der rund 1.500 Kilometer langen Grenze zum Iran sind schon jetzt Tausende kurdische Kämpfer stationiert. Unter dem Schutz US-israelischer Luftangriffe könnten sie in den Iran vordringen, so offenbar die Idee. Trump habe den Kurdenführern "umfangreichen Schutz der USA aus der Luft" zugesagt, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf eingeweihte Personen. Doch unter den Kurden im Irak stößt die Aussicht auf eine Beteiligung am Krieg gegen das Mullah-Regime auf geteilte Reaktionen. Vertreter der iranisch-kurdischen Partei DPK-I zeigen sich offen dafür, Kämpfer über die Grenze in den Iran zu schicken. Die mit der DPK-I verfeindete PUK-Partei der irakischen Kurden dagegen will sich aus dem Krieg gegen das Mullah-Regime heraushalten. Die Kurden im Nordirak haben sich ihre Autonomie nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein 2003 hart erkämpft und offenbar kein Interesse an einem Feldzug gegen Teheran mit ungewissem Ende. "Lasst die Kurden in Ruhe" Erschwert werden könnten Trumps Pläne zudem durch die schlechten Erfahrungen der Kurden mit den USA in der Vergangenheit. Während des Irak-Kriegs 1991 beispielsweise rief der damalige US-Präsident George Bush die Kurden im Norden des Landes zum Sturz von Saddam Hussein auf. Die Kurden folgten dem Ruf, die versprochene Hilfe der US-Armee blieb aber aus. Der Diktator ließ den Aufstand niederschlagen und Zehntausende Kurden töten. Vor diesem Hintergrund hat sich die kurdische Ehefrau des irakischen Präsidenten Abdel Latif Raschid, Schanas Ibrahim Ahmed, nun mit deutlichen Worten gegen eine mögliche Offensive kurdischer Kämpfer im Iran ausgesprochen. "Lasst die Kurden in Ruhe. Wir sind keine Waffen zur Miete", so Schanas in einem offenen Brief von Donnerstag. "Zu häufig denkt man nur dann an die Kurden, wenn ihre Stärke oder ihre Opfer gebraucht werden." Die Kurden seien aber keine "Schachfiguren der globalen Supermächte". Iraner fürchten Zersplitterung und Bürgerkrieg Fraglich ist zudem, ob die kurdischen Kräfte überhaupt stark genug wären, um das Regime in Teheran entscheidend zu schwächen. So äußerte ein US-Regierungsvertreter im Nachrichtenportal "Axios" die Befürchtung, dass die Kurden "zum Kanonenfutter werden könnten". Selbst bei parallelen Luftangriffen Israels und der USA und mit deren Geheimdienstinformationen sei unklar, wie schnell und wie weit kurdische Kämpfer im Gebirge des westlichen Iran vordringen könnten, so der US-Beamte. Viele Iraner fürchten sich angesichts einer möglichen Bodenoffensive auch vor einer Zersplitterung des Landes und einem Bürgerkrieg, sagte der Iranexperte Behnam Ben Taleblu der US-Zeitschrift "The Atlantic". "Eine bewaffnete ethnische Aufstandsbewegung im Iran zu fördern, wäre die Mutter aller strategischen, moralischen und politischen Fehler", so Ben Taleblu. "Das würde mit nahezu absoluter Sicherheit in einem gescheiterten Staat enden." Ob es tatsächlich zu einer kurdischen Bodenoffensive kommt, ist vor diesem Hintergrund mehr als fraglich. In Teheran scheint man die Gefahr dennoch ernst zu nehmen. So greifen iranische Truppen seit Tagen immer wieder kurdische Stützpunkte im Nordirak mit Kamikazedrohen an. Und der iranische Außenminister Abbas Araghtschi bestätigte dem Sender NBC, dass sich das Regime auf eine Bodenoffensive der USA vorbereite. "Nein, wir haben keine Angst, wir warten nur auf sie", so Araghtschi. "Wir sind zuversichtlich, dass ein Bodenangriff in einem Desaster für sie enden würde."