Autoindustrie: Das lahme Ross aus Zuffenhausen: Warum Porsche schwächelt
Für Porsche hatte sich bereits 2024 ein scharfer Gegenwind angedeutet. Im vergangenen Jahr kam es dann noch dicker. Probleme gibt es zuhauf, der Gewinn liegt in Trümmern. Wie reagiert der neue Chef?
Stolz prangt das Pferd in der Mitte des Porsche-Wappens. Es steht für Kraft und Agilität. Zu spüren ist davon aktuell aber wenig. Früher raste der Sportwagenbauer von Erfolg zu Erfolg - und spülte der Mutter Volkswagen einen großen Teil des Gewinns in die Kassen. Eine Absatzkrise in China, die US-Zölle und die Kehrtwende zum Verbrenner, die Milliarden verschlingt, haben aus Porsche aber einen Konzern im Krisenmodus gemacht. Bei manchem Aktionär gilt Porsche bereits als lahmendes Ross aus Stuttgart-Zuffenhausen.
Am Mittwoch (10.00 Uhr) legt das Unternehmen seine Jahreszahlen für 2025 vor. Präsentiert wird die Bilanz von Finanzvorstand Jochen Breckner und dem neuen Porsche-Chef Michael Leiters. Der Manager, der früher bei Ferrari und McLaren arbeitete, hat seinen Job zu Jahresbeginn angetreten. Für die Zahlen zeichnet er also nicht verantwortlich - er muss in den nächsten Monaten aber sehr wohl Wege finden, wie Porsche wieder auf die Erfolgsspur kommen kann.
Denn das ist dringend notwendig: Für den Volkswagen-Konzern ist die einstige Ertragsperle mittlerweile zur riesigen Belastung geworden. Aus der Bilanz der Wolfsburger ist bereits bekannt, dass der operative Gewinn massiv abgesackt ist - um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro. Im Autogeschäft allein, also ohne Finanzdienstleistungen gerechnet, lag der operative Gewinn sogar lediglich bei 90 Millionen Euro. 2024 waren es noch rund 5,3 Milliarden Euro.
Der Gesamtumsatz sank um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro. Die vollständigen Geschäftszahlen - inklusive Nachsteuergewinn und dem Ausblick auf das laufende Jahr - folgen im Laufe des Tages.
Strategiewende belastet Porsche
Die größte Belastung für die Schwaben war eine strategische Kehrtwende, die Ex-Porsche-Chef Oliver Blume vor gut einem Jahr angestoßen hatte. Damals zeichnete sich ab, dass die ehrgeizigen E-Auto-Ziele des Managements nicht zu erreichen sind. Blume zog die Notbremse - und begründete das damit, dass die E-Mobilität sich in vielen Märkten deutlich langsamer entwickelt hat, als "wir und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten". 2025 waren gut 22 Prozent der verkauften Porsche-Modelle reine Stromer.
Richten soll es angesichts der "Marktrealitäten und Kundenbedürfnisse" nun stattdessen ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nächste Jahrzehnt. Auch von den einst großen Batterie-Plänen des Managements ist wenig übrig. Für den Schwenk rechnete Finanzchef Breckner im Herbst mit Sonderkosten von bis zu 3,1 Milliarden Euro für das gesamte Geschäftsjahr. Die Zölle in den USA fallen zudem mit rund 0,7 Milliarden Euro ins Gewicht.
"Wir nehmen bewusst vorübergehend schwächere Finanzkennzahlen in Kauf, um langfristig Porsches Resilienz und Profitabilität zu stärken", sagte Breckner damals. Der Manager gab sich aber auch zuversichtlich: Er ging davon aus, dass Porsche sich nach dem Tiefpunkt ab 2026 spürbar verbessern wird. VW-Konzernchef Blume sprach bei der eigenen Bilanzvorlage am Dienstag davon, dass er dieses Jahr einen Aufwärtstrend bei der Sportwagentochter erwarte.
Mit Vollgas in die China-Flaute
Zum Dreiklang, mit dem Blume im vergangenen Jahr die großen Probleme von Porsche erklärte, gehörten neben der schleppend anlaufenden E-Mobilität und den US-Zöllen von Präsident Donald Trump auch die Feststellung, dass die Geschäfte in China nicht mehr laufen. Dort sei das Marktsegment für teure Luxusprodukte in kurzer Zeit um mehr als 80 Prozent eingebrochen.
Das liegt unter anderem daran, dass es in der Volksrepublik mittlerweile starke Konkurrenz durch heimische Hersteller gibt, die mit hohen Rabatten auf den Markt drängen. Außerdem leidet das Unternehmen - das unter anderem den Sportwagenklassiker 911 herstellt - bereits länger unter der Kaufzurückhaltung von wohlhabenden Chinesen, bei denen das Geld durch die Immobilienkrise nicht mehr so locker sitzt.
2025 verkauften die Schwaben gut 41.900 Fahrzeuge in China - und damit gut ein Viertel weniger als im Vorjahr. Es handelt sich um den vierten Rückgang in Folge. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 hatte Porsche noch fast 95.700 Sport- und Geländewagen in der Volksrepublik ausgeliefert. In China rechnet Porsche nicht mit einer Erholung der Geschäfte, sondern mit einem weiteren Rückgang der Verkäufe. Es ging aber auch in anderen Weltregionen bergab. Insgesamt verkaufte die VW-Tochter gut 279.400 Fahrzeuge. Das ist ein Zehntel weniger als im Vorjahr und zugleich der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020.
Wann kommt das nächste Sparpaket?
Porsche muss daher den Rotstift ansetzen - und seine Strukturen schrumpfen. Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Außerdem liefen die Verträge von rund 2.000 befristeten Angestellten aus. Das dürfte aber in der aktuellen Situation nicht ausreichen.
Deshalb soll ein weiteres Sparprogramm geschnürt werden. Darüber verhandelt das Porsche-Management bereit seit Herbst mit dem Betriebsrat. Dabei dürfte nach dpa-Informationen neben zusätzlichen Stellenstreichungen auch die Jobsicherung zur Debatte stehen. Über die Ergebnisse der Gespräche wollen Unternehmen und Betriebsrat nach Abschluss der Verhandlungen informieren.