Der Iran hat bewiesen: Seine Raketen fliegen weiter als bislang bekannt. Damit kommt auch Europa auf den Schirm. Israel warnt seine europäischen Verbündeten vor iranischen Raketenangriffen. Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir sagte, dass auch europäische Hauptstädte wie Berlin im Bedrohungsradius liegen. Der Iran hatte nach Angaben des Staatsfernsehens zwei ballistische Raketen auf einen von Großbritannien und den USA gemeinsam genutzten Militärstützpunkt auf der Insel Diego Garcia abgefeuert. Die Anlage liegt etwa 4.000 Kilometer südöstlich der iranischen Küste. Allerdings verfehlten die Raketen die Militärbasis. "Diese Raketen sind nicht dafür bestimmt, Israel zu treffen", warnte Zamir. Europäische Hauptstädte lägen innerhalb ihres Zielbereichs. "Berlin, Paris und Rom sind alle im direkten Bedrohungsradius." Krieg im Nahen Osten: Alle aktuellen Meldungen US-Militär: Bereits gut 8.000 iranische Ziele angegriffen Neuer Typ der Khorramshahr-Rakete Es gab schon lange Befürchtungen, dass der Iran über die technologischen Mittel verfügt, den Radius seiner Mittelstreckenraketen über die bisherigen 2.000 Kilometer hinaus zu verdoppeln. Der Nahost-Experte Nawaf al-Thani schrieb auf der Onlineplattform X: "Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Rakete abgefangen wurde. Es geht vielmehr darum, dass der Iran möglicherweise eine Reichweite unter Beweis gestellt hat, die weit über das hinausgeht, was ein Großteil der Welt ihm zugetraut hätte. Eine Reichweite von 4.000 Kilometern verändert die Lage grundlegend." Für solche Langstrecken-Angriffe in Frage kommen die iranischen Khorramshahr-4-Raketen, die auch Kheibar genannt werden. Es sind 13 Meter lange, mit Flüssigtreibstoff betriebene Raketen mit einem Durchmesser von 1,5 Metern und einem Startgewicht von etwa 20 Tonnen, berichtet die Militärfachseite "Army-Technology". Die Rakete ist in mehreren Bereichen aufgebaut. Vorne befindet sich der Nutzlastraum mit dem Sprengkopf. Dahinter liegen zwei Tanks für das Oxidationsmittel – einer oben, einer unten – sowie ein Treibstofftank. Dazwischen gibt es einen Verbindungsraum. Die Rakete hat keine Gitterflossen zur Steuerung. Stattdessen sitzt die gesamte Leittechnik in mehreren Kammern oberhalb der Tanks, so die Fachwebseite. In knapp 20 Minuten in Berlin? Sie soll für einen 2.000 Kilometer weiten Flug gerade mal 12 Minuten brauchen. Berlin ist etwa 3.000 Kilometer von Teheran entfernt, die Flugzeit beträgt dann knapp 20 Minuten. Fraglich ist aber, ob eine iranische Rakete die Nato-Luftabwehr durchdringen an. Beim Angriff auf Diego Garcia überflogen die Raketen einen großen Teil des Indischen Ozeans, wo sich kaum Radarstationen und Flugabwehrsysteme befinden. Umstritten ist auch, wie groß das Arsenal an solchen Raketen ist. Nach Angaben des Direktors der amerikanischen Nachrichtendienste verfügt der Iran zwar über den größten Bestand an ballistischen Raketen im Nahen Osten. Die meisten reichen aber nur bis zu 2.000 Kilometer weit. Etwa 3.000 ballistische Raketen im iranischen Arsenal Dem Zentrum für Strategischen und Internationalen Studien zufolge umfasst das Arsenal mehrere Langstreckenraketen. Dazu gehören laut dem Zentrum die Sejil mit einer Reichweite von 2.000 km, die Emad mit 1.700 km, die Ghadr mit 2.000 km, die Shahab-3 mit 1.300 km und die Hoveyzeh mit 1.350 km. Die Khorramshahr war bislang mit 2.000 Kilometer Reichweite angegeben, hat diese aber wohl verdoppeln können. Wie viele der neuen Raketen der Iran im Arsenal hat, ist nicht bekannt. 2024 schätzte die amerikanische Regierung das Volumen auf 3.000 ballistische Raketen insgesamt. Diese Zahl dürfte sich aber nach den Kriegen im Juni 2025 und dem jüngsten Angriff auf den Iran verändert haben. Um einen griff Teheran mehrmals Ziele in Israel an, zum anderen dürfte seitdem auch die Produktion neuer Raketen angestiegen sein. Viele der iranischen Raketenstellungen befinden sich in und um Teheran. Es gibt mindestens fünf bekannte unterirdische "Raketenstädte" in verschiedenen Provinzen, darunter Kermanshah und Semnan, sowie in der Nähe der Golfregion, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.