Sie ist eine der wichtigsten Brücken in der Stadt – aber offenbar so marode, dass Experten jetzt die Reißlinie ziehen. Autofahrer müssen sich deshalb auf Stau einstellen. Die Frankenschnellwegbrücke im Nürnberger Hafen bleibt dauerhaft für den Verkehr gesperrt. An dem Bauwerk aus den 1970er-Jahren haben Spezialisten bei einer Brückenprüfung erhebliche Schäden festgestellt. Um die Brücke, die über die Südwesttangente und den Main-Donau-Kanal führt, genauer zu untersuchen, war sie bereits seit vergangenem Mittwoch (18. März) gesperrt. Die eingehende Prüfung förderte derart gravierende Mängel zutage, dass die Brücke "aus Gründen der Verkehrssicherheit" nicht mehr befahren werden kann, heißt es von der Stadt. Im Vergleich zur letzten Sonderprüfung im August 2025 seien "erhebliche neue Schäden" festgestellt worden. Die Sperrung bis zum ohnehin geplanten Abriss der Brücke sei umgänglich. XXL-Baustelle bremst Autos und Trams aus: Hier wird monatelang gebaut Hafenbrücken: Risse auf der Fahrbahn und in den Pfeilern So hätten die Experten jetzt an der Brücke unter anderem Hohlstehlen festgestellt und einen Durchgang "mit optisch erkennbarer Absenkung". Auch an den Stützen seien, wie die Stadt weiter mitteilte, neue Schäden sichtbar. Die Rede ist etwa von Querrissen. Ein weiterer Riss war vor der Prüfung auch im Fahrbahnbelag auf der Brücke sichtbar. Die Prüfer entfernten in der vergangenen Woche den Asphalt und stellten fest, dass der Riss auch in der Betonplatte darunter weiterläuft. Die Schäden hätten in den vergangenen sechs Monaten derart massiv zugenommen, dass die Standsicherheit der Brücke unter Verkehr nicht mehr gegeben sei. Christoph Miller, Brückenexperte beim Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR), erklärt, dass es Hinweise darauf gebe, dass "die Tragstruktur der Brücke erheblich geschwächt" ist. Weiter betont der Fachmann: "Aus ingenieurfachlicher Sicht war die sofortige Sperrung daher konsequent und notwendig." Die Sperrung der Brücke ruft derweil auch Kritiker auf den Plan. Die Landtagsabgeordnete Verena Osgyan von den Grünen sagt etwa, dass in den vergangenen Jahren viel zu wenig in den Erhalt der vorhandenen Infrastruktur investiert wurde. "Lieber jagt man Luftschlössern hinterher und priorisiert nach wie vor teure Neubauprojekte, statt vorausschauend den Bestand zu sanieren, siehe kreuzungsfreier Ausbau des Frankenschnellwegs", so die Grünen-Politikerin. Verkehr um Hafenbrücken soll entlastet werden – Neubau läuft Autofahrer müssen wegen der Sperrung der Brücke wohl mit Stau und Verzögerungen rechnen. Eine Umfahrung ist laut Stadt über die Anschlussstelle Nürnberg-Hafen-Ost möglich. SÖR arbeite derzeit an einem Konzept, wie der Verkehr im Umfeld der Hafenbrücken entlastet werden könne. Kristina Kellenberger, Projektleiterin bei SÖR, wirbt derweil um Verständnis: "Uns ist bewusst, dass die Sperrung für viele Menschen spürbare Folgen im Alltag hat." Weiter verweist Kellenberger darauf, dass die Frankenschnellwegbrücke, wie auch die anderen Hafenbrücken, ohnehin durch einen Neubau ersetzt werden soll. Die Arbeiten dafür laufen laut Stadt seit 2024. Das nördliche Brückenteil soll bis August 2027 fertiggestellt werden. Im Anschluss soll der Verkehr über die Hälfte der Brücke geführt werden – parallel wird dann die andere Hälfte gebaut.