Brauchtum: Eierwerfen, Feuerräder und Osterbrot – Hessen feiert bunt
Osterkrone mit 800 Eiern, brennende Räder im Dunkeln und Eierschippeln am Hang: In Hessen wird Ostern mit Bräuchen, Wettbewerben und Freizeitangeboten zu einem Erlebnis.
Ob Eierwurf, Feuerräder oder geschmückte Brunnen: In Hessen wird Ostern mit einer Vielzahl von Bräuchen und frühlingshaften Aktionen gefeiert. Zwischen Odenwald, Rheingau und Vogelsberg laden Wettbewerbe, jahrzehntealte Rituale und kreative Veranstaltungen dazu ein, die Feiertage unter freiem Himmel zu verbringen.
Wettkampf mit rohen Eiern
Ganz im Süden Hessens werden am Ostersonntag an frischer Luft rohe Eier geworfen. In Aschbach im Kreis Bergstraße messen sich Zweierteams im Eierwerfen. "Das Ostereierwerfen findet als Teamwettbewerb mit einem Werfer und einem Fänger statt", heißt es auf der Homepage der Odenwald Tourismus GmbH. Dabei soll das rohe Ei möglichst unversehrt aufgefangen werden. Gewonnen habe dann das Team, das dabei die größte Weite erzielt. Start ist am Ostersonntag um 14.00 Uhr.
Eine besonders prächtige Osterkrone hat in Eltville-Hattenheim im Rheingau der örtliche Burg- und Verschönerungsverein bei der mittelalterlichen Turmburg in dem Weindorf aufgestellt: Rund 800 handbemalte Kunststoffeier schmücken sie. "Sie ist bestimmt schon über 30 Jahre alt", sagt der Erste Vorsitzende Matthias Hannes. "Wir haben sie von den Landfrauen übernommen, als sich ihr Verein aufgelöst hat." Die Burg biete genug Platz, um die Krone dauerhaft zu lagern und gegebenenfalls farblich auszubessern, wenn nicht gerade Ostern sei.
Eierschippeln in Cratzenbach
Im Weilroder Stadtteil Cratzenbach (Hochtaunuskreis) werden seit Jahrzehnten an Ostern Eier geschippelt. Dabei bringen alle, die teilnehmen wollen, ein gekochtes Osterei zu der Veranstaltung am Berg hinter dem alten Rathaus. Die werden dann unten am Hang in einer Reihe hingelegt. Dann gebe es einen "uralten Schippelball aus Stoff", erklärt der Geschichtsverein. Der oder die Älteste fängt an und "schippelt" den Ball den Berg runter – stupst ihn also so an, dass er den Berg herunterrollt.
Als Preis gibt es das Ei zu gewinnen, das der Ball trifft. Mitmachen könne jeder, heißt es. Dieses Jahr findet das Schippeln an Ostersonntag und Ostermontag um 14.00 Uhr statt.
Feuerräder von Günsterode
Im nordhessischen Günsterode im Schwalm-Eder-Kreis rollen am Ostersonntag wieder brennende Räder aus Stroh den Kehrenbacher Berg hinunter. Zunächst wird das Osterfeuer am Berg entfacht. Bei Einbruch der Dunkelheit beginnt dann der Feuerräderlauf. Dabei rollen drei mit Stroh ausgestopfte Wagenräder brennend nacheinander in das Tal. Jeweils zwei Mitläufer in Schutzkleidung sorgen mit langen Stangen dafür, dass die Räder sicher über die rund 500 Meter lange Strecke rollen.
Veranstalter ist der Brauchtumsverein Günsterode. Ihm zufolge stehen die Feuerräder als Sinnbild der Sonnenscheibe für den Sieg über den dunklen Winter. Der Brauch hat demnach seinen Ursprung im Heidentum und wurde 1895 von Bergleuten aus Günsterode, die ihr Geld in Westfalen verdienten, nach Nordhessen gebracht.
Osterbrunnen
In zahlreichen Orten im Vogelsberg wie zum Beispiel in Lauterbach, Alsfeld, Lich sind österlich geschmückte Brunnen zu finden. Die Tradition, die an vielen Orten in Hessen etwa seit den 1980er Jahren gepflegt wird, stammt ursprünglich aus wasserarmen Gebieten der Fränkischen Schweiz. Man vermutet, dass die Brunnen verziert wurden, um der Bedeutung des Wassers Rechnung zu tragen. Während man früher Hühnereier bemalte, werden heute vorwiegend Plastikeier verwendet.
Spazieren auf dem Osterweg
In diesem Jahr lädt der rund 800 Meter lange Osterweg im Licher Stadtteil Ober‑Bessingen (Landkreis Gießen) zu einem frühlingshaften Spaziergang ein. Zahlreiche liebevoll gestaltete Figuren wie Osterhasen, Gänse und Hühner machen den Weg laut der Marketingagentur Vogelsberg Tourismus zu einem besonderen Erlebnis. Osterglocken und weitere Frühlingspflanzen sorgen zusätzlich für farbenfrohe Akzente. Der Weg ist den Angaben zufolge kinderwagenfreundlich und barrierearm, sodass er sich auch für Rollstuhlfahrer gut eignet.
Osterbacken mit Insidertipps vom Bäcker
In Schotten (Vogelsbergkreis) führt Bäcker Markus Bachmann am Karsamstag (10.30 Uhr) Interessenten in die Kunst des lockeren Hefeteiges und das Backen eines köstlichen Osterbrotes ein. Gebacken wird im Holzofen unter freiem Himmel, wie Vogelsberg Tourismus mitteilt. Während der Backzeit gebe der Bäcker den Kursteilnehmern nützliche Tipps.