Partnergemeinde von Edingen-Neckarhausen: In Plouguerneaus Watt wächst grünes Gras
Von Nicoline Pilz
Edingen-Neckarhausen/Plouguerneau. Ein erster Hauch von Abschied lag in der Luft, als IGP-Vorsitzende Barbara Rumer beim Crêpes-Abend die Modalitäten der Gepäckabgabe für die Reisebusse erläuterte.
Doch die Feiernden in der Halle "Armorica" schoben den Gedanken noch ein wenig von sich, dass die Festwoche zum 50-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Edingen-Neckarhausen und Plouguerneau fast schon wieder zu Ende war. Zumindest für dieses Jahr, denn im kommenden wird der runde Geburtstag dann in der Doppelgemeinde begangen.
"Es ist ganz wunderbar hier", fand Johannes Fischer, der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Neckarhausen, der zum ersten Mal in der bretonischen Partnergemeinde weilte. Es waren einige aus Edingen-Neckarhausen dabei, die das Jubiläum zum Anlass nahmen, lang gehegte Vorhaben endlich auch in die Tat umzusetzen.
Der Jugendgemeinderat war ebenfalls vertreten: Finja Kettner half beim Crêpes-Abend ganz selbstverständlich beim Ausschank oder beim Abräumen mit - hinter den Tresen, und das war ein schönes Symbol dieser Partnerschaft, standen dort doch ohnehin deutsch-französische Teams aus Jüngeren und Älteren.
In der Halle selbst stimmte derweil Liedermacher Yvon Etienne den Klassiker "Die Gedanken sind frei" an. Seine Moderation übersetzte erneut die frühere IGP-Jugendleiterin Eva Genthner, die das bereits toll bei der offiziellen Erneuerung der Partnerschaftsurkunde am Pfingstmontag gemacht hatte. Sowie Etienne die ersten Töne anstimmte, schunkelten auch gleich die ersten Gäste an den Tischen mit und in der beeindruckend langen Schlange vor der Essensausgabe tanzten die geduldig Wartenden. In der Küche liefen die Crêperien genauso auf Hochtouren wie die vielen Bäckerinnen und Bäcker.
Das Comité de Jumelage hatte alle Aktiven aufgefahren, um rund 600 Gäste zu bewirten. "Wir sind ziemlich ins Schwitzen gekommen", sagte Catherine Le Goasduff dennoch gut gelaunt, obwohl auch sie, wie viele andere Gastgeber auch, in dieser Festwoche wenig Schlaf gefunden hatte. Denn unter den französischen Freunden waren etliche, die trotz Feierlichkeiten tagsüber arbeiten mussten und trotzdem ganz selbstverständlich ihren Gästen schöne Tage bereiteten. "Du kannst mein Auto nehmen", hatte beispielsweise Catherine der RNZ-Autorin angeboten, um den Besuch mobil zu halten.
Diese Herzlichkeit und Freundlichkeit zu erleben, ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Über 2000 Crêpes, salzig mit Schinken, Käse und Ei oder süß mit Nutella, Marmelade und Zucker gingen an diesem Abend über die Theke - eine enorme Zahl, die den Aufwand unterstreicht, der hier betrieben wurde. Sylvie Fabian, die Präsidentin des Comité de Jumelage wirbelte in der Halle und hatte trotzdem noch für alle ein freundliches "Wie geht’s?" übrig. Vor ihrem Engagement und dem ihres Teams in diesen Tagen konnte man nur den Hut ziehen.
Es war nicht verkehrt, dass sich viele Deutsche und Franzosen vor dem üppigen Crêpes-Abend bei einer großen, vierstündigen Wanderung noch die Beine vertreten hatten. Die Tour führte an einem Teil der insgesamt 46 Kilometer langen Küste von Plouguerneau entlang übers Watt und über kleine Inseln. Eine davon, die Île Americaine, war lange Zeit gesperrt, nachdem es dort wegen vergrabener Minen zu Unfällen gekommen war. Nach der Räumung konnte sie vor vier Jahren wieder freigegeben werden und zeigt nun der Öffentlichkeit ihre prächtige Flora und Fauna. Ebenso wie alte Stellungen der Amerikaner, die sich hier im Zweiten Weltkrieg einen kleinen Stützpunkt aufgebaut hatten.
Die Begleitung durch sachkundige Führer war informativ: Die Wanderer erfuhren, dass das grüne Gras im Watt nur hier in der Gegend von Plouguerneau vorkommt und dass rund 60 Prozent der Algenernte für Frankreich aus der hiesigen Region stammt. Oder auch, dass die reichen Austernbänke vor einigen Jahren durch eine Krankheit zerstört wurden und erst jetzt langsam wieder im Aufbau begriffen sind.
Wer wollte, konnte am folgenden Nachmittag verschiedene Einrichtungen wie Feuerwehr, Künstlerateliers oder Handwerksbetriebe besuchen. Bürgermeister Simon Michler und sein Kollege Yannig Robin waren zu Besuch in der Radiostation und in einem Seniorenheim. Am Morgen des letzten Tages nutzten dann viele Gäste die Möglichkeit, auf dem bunten Markt im Ortskern noch einzukaufen.