Olympische Winterspiele: "Wie ein Ehering": Gimmler und Rydzek feiern Olympia-Bronze
Coletta Rydzek und Laura Gimmler jubeln über die erste Langlauf-Medaille für Deutschland bei diesen Winterspielen. Rydzeks Bruder weint. Gimmler berichtet von einer schlaflosen Nacht.
Mit der Bronzemedaille um den Hals konnte Coletta Rydzek über ihr Malheur lachen. "Ich habe mich ein-, zweimal übergeben - leider auch einmal in die Kabine", sagte die 28-Jährige nach ihrem Langlauf-Coup mit Laura Gimmler im Team Sprint. "Es sei vergeben", warf Gimmler ein und lachte mit. Im Pressezentrum von Tesero mit Blick auf die in der Sonne glänzenden schneebedeckten Berge waren die körperlichen Strapazen vergessen.
Wenige Minuten zuvor waren sich Rydzek und Gimmler euphorisch und etwas ungläubig auf dem Podest bei der Siegerehrung in die Arme gefallen. "Ich habe schon zu Coletta gesagt: Das ist jetzt wie ein Ehering, das verbindet uns für immer", kommentierte Gimmler den riesigen Erfolg in einem packenden Rennen. "Wir werden ab jetzt alles in vollen Zügen genießen. Das erlebt man nicht so oft im Leben."
Wie Rydzek berichtete auch Gimmler von überwundenen Widerständen und großen Problemen am Morgen. "Wir standen seit gestern Abend so krass unter Druck, weil wir einfach wussten, dass es voll möglich ist", sagte die 32-Jährige. "Wir haben beide nicht geschlafen. Wir haben beide schlecht gegessen."
Rydzek: Medaille ist "für alle"
Für Rydzek und Gimmler ist es die erste Olympia-Medaille und der größte Erfolg der bisherigen Karriere. Die Bedeutung des Erreichten geht jedoch darüber hinaus.
Die Oberstdorferinnen bescherten dem zuletzt arg gebeutelten Team von Teamchef Peter Schlickenrieder quasi bei der letzten realistischen Chance das erste Edelmetall bei diesen Winterspielen. Entsprechend groß war der Jubel in der ganzen Olympia-Mannschaft. "Ein Traum", sagte Schlickenrieder. Seinen beiden Athletinnen attestierte er "Kämpferblut".
"Es ist nicht nur eine Medaille für uns, sondern für alle", sagte Rydzek, die im Ziel von ihrem weinenden Bruder Johannes Rydzek empfangen wurde. "Ich habe zu ihr gesagt: Du darfst es glauben, es ist einfach so", sagte der 34-Jährige, der in seiner langen Laufbahn in der Nordischen Kombination bereits vier Medaillen bei Olympia gewonnen hat.
Gimmler: "Ich konnte kaum hinschauen"
Seine sechs Jahre jüngere Schwester zog in einem grandiosen Finale mit einem starken Schlussspurt noch an der Norwegerin Julie Bjervig Drivenes vorbei und sicherte so Platz drei. Die Winzigkeit von 14 Hundertstelsekunden trennte das deutsche Duo von Platz vier. "Ich wusste, dass ich alles reinhauen muss, damit unser Traum wahr wird", sagte Coletta Rydzek.
Gimmler, die ihren Part zu der Zeit schon absolviert hatte und zum Zuschauen verdammt war, meinte: "Ich konnte kaum hinschauen. Eigentlich kann man der Coletta auf der Zielgeraden voll vertrauen. Aber es war wirklich mega spannend."
Rydzek und Gimmler mussten sich nur den siegreichen Schwedinnen Jonna Sundling und Maja Dahlqvist sowie den zweitplatzierten Nadja Kälin und Nadine Fähndrich aus der Schweiz geschlagen geben.
2022 gab es Gold und Silber für Deutschland
Vor vier Jahren in China hatten Katharina Hennig Dotzler (damals noch Hennig) und Victoria Carl im Team Sprint sensationell Gold gewonnen. Zudem gab es Silber mit der Staffel der Frauen über 4 x 5 Kilometer. Carl ist wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt. Hennig Dotzler jubelte im Stadion mit Rydzek und Gimmler.
Im Team Sprint laufen zwei Athletinnen pro Team im Wechsel. Jede Sportlerin absolviert drei Runden, die jeweils 1,5 Kilometer lang sind.