Antisemitismus-Beauftragter: Michael Blume berufen
Von Jens Schmitz, RNZ Stuttgart
Stuttgart. Wenige Tage nach einem entsprechenden Landtagsbeschluss hat die Regierung einen Antisemitismus-Beauftragten für Baden-Württemberg bestellt. Der promovierte Religionswissenschaftler Michael Blume soll als Anlaufstelle für Beschwerden dienen und vom Staatsministerium aus den Kampf gegen Judenfeindlichkeit koordinieren. Blume sei ein hochgeschätzter Experte, der zu den jüdischen Gemeinschaften, aber auch zu Kirchen und muslimischen Verbänden in einem engen Vertrauensverhältnis stehe, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).
Der 41-jährige Blume arbeitet seit 2003 im Staatsministerium, derzeit als Leiter des Referats für "Nichtchristliche Religionen, Werte, Minderheiten, Projekte Nordirak". 2015 betreute er die Überführung von gut 1000 jesidischen Frauen und Kindern nach Baden-Württemberg, die zuvor in IS-Gefangenschaft gewesen waren. 2017 veröffentlichte er das Buch "Islam in der Krise". Der evangelische Christ ist verheiratet und hat drei Kinder.
Seine bisherige Tätigkeit soll er auch künftig ausüben. Hinzu kommen nun aber Funktionen als Ansprechpartner sowie als Koordinator zwischen den Ministerien. Blume soll eine unabhängige Expertenkommission einrichten und in einer geplanten Bund-Länder-Kommission mitwirken.
"Der Rechtsextremismus und der Bereich Islamismus sind die beiden großen Bereiche, in denen wir gerade mit Antisemitismus zu kämpfen haben", sagte Blume am Dienstag. Blume soll nicht nur helfen, muslimische Gemeinden für diesen Kampf zu gewinnen. Er soll auch an pädagogischen Konzepten für Kindergärten oder Schulen mitwirken, die sich aus Zuwandererfamilien mit antisemitischem Gedankengut konfrontiert sehen.
Blume will seine Arbeit am kommenden Montag beginnen und am 25. April an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg seine Antrittsrede halten.