Heiligkreuzsteinach: Beim schnellen Internet kommt es auf die Lage an
Von Thomas Seiler
Heiligkreuzsteinach. Das schnelle Internet - es kommt, nur längst nicht so schnell, wie der Name vermuten lässt. Das wurde nun bei einer Informationsveranstaltung im Bürgersaal deutlich. Dabei erläuterten Experten den Zeitplan und wie das schnelle Internet auch letztlich im Haus ankommt.
Verwaltung und Gemeinderat hatten den Bürgern stets versprochen, dass bis Ende 2018 in jedem Haushalt eine Surfgeschwindigkeit von bis zu fünfzig Megabits pro Sekunde erreicht werden kann. "Dafür tun wir alles, um dieses Ziel zu erreichen", betonte die Rathauschefin immer wieder. Nur: In der letzten Zeit haben sich zunehmend Bedenken eingeschlichen, ob dieser "straffe und sportliche Zeitplan" auch klappt, wie Pfahl dies einmal in der Vergangenheit ausdrückte. Bei einer Bürgerversammlung bewahrheiteten sich nun die Befürchtungen der Rathauschefin.
Frank Bartmann von dem eigens durch den Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar gegründeten Unternehmen "Fibernet" stellte nämlich die neueste Terminierung für den Glasfaser-ausbau für den Kernort und die Ortsteile vor. Demnach verfügt Heiligkreuzsteinach selbst wohl bis August über das innerörtlich verlegte Glasfasernetz. Zwei Anschlussmöglichkeiten nannte er hier: "Glasfaser bis zum Bordstein" - und möglicherweise von dort über ein Kupferkabel ins Haus - oder bei günstiger Lage sogar "Glasfaser bis zum Gebäude".
Bis Dezember könnte aus der Sicht Bartmanns auch der vordere Teil Eiterbachs erreicht sein, den nordöstlichen Zipfel terminierte er bis Februar 2019. "Eiterbach ist mit rund sieben Kilometern halt irre lang", erläuterte die Bürgermeisterin.
Größere Verzögerungen sah Bartmann bei der Backbone-Leitung, die bekanntlich ein Kreis-Netz Richtung Hirschberg und Weinheim darstellt. "Hier gab es Probleme mit der Trassenführung", erklärte er. Dies führt dazu, dass die Einwohner in den nordwestlich gelegenen Ortsteilen bis hin zu Bärsbach und Lampenhain frühestens im nächsten April, "wenn nicht sogar im Mai oder Juni", mit der notwendigen Infrastruktur und dem schnellen Internet rechnen können.
Für den Kernort sieht es wesentlich besser aus: Wer in "richtiger Lage" wohnt, kann noch in diesem Monat einen Glasfaser-Hausanschluss haben, so der Experte. Bis zur Inbetriebnahme der aktiven Komponenten rechne er dann mit maximal zwölf Wochen. Von alleine wird das Internet zu Hause aber trotzdem nicht schneller: Der Nutzer benötigt nämlich hierzu eine "Anschlussbox", einen Konverter zur Wandlung der optischen in elektrische Signale sowie einen handelsüblichen Router. "Rund 900 Euro kostet das Gesamtpaket den Kunden", rechnete Hartmann dabei vor.
Steht die Infrastruktur einmal, ist der Netzbetretreiber NetComBW, ein Unternehmen der EnBW, zuständig. Ausführlich gingen Michael Preiß und Nicolai Ottenbacher hierbei nochmals auf die einzelnen Schritte ein, bis die Daten in Lichtgeschwindigkeit transportiert werden können. Weil die NetComBW darüber hinaus auch als Provider, also als Telefon- und Datendienstleistungsanbieter, fungiert, stellten die beiden Vertreter auch die verschiedenen Kundentarife vor.
Da man sich bei den Providern ganz bewusst in einem offenen Prozess befinde, der Monopolstellungen verhindere, so die Bürgermeisterin weiter, stellte auch Frank Odenwälder von Overturn seine Konzeption für Kunden vor. "Seit über einem Jahrzehnt verfügen wir im Breitbandausbau nicht nur im ländlichen Bereich über Erfahrung", bot er sich an.
Und dann ist da noch die Deutsche Telekom: Das Unternehmen wird weder in Heiligkreuzsteinach eigene Glasfaserkabeln in Verbund mit Vectoring anbieten noch sich einmieten. Das ist zumindest der aktuelle Stand. Das heißt, dass eine spezielle Kanalcodierung, die Störungen auf den zum Haus führenden Kupferkabeln reduzieren könnte, nicht stattfindet.
"Wer also Glasfaser will, muss den Telekom-Vertrag kündigen", hieß es hierzu vom Netzbetreiber. "Irgendwann wird die Telekom schon auf den Zug aufspringen", war sich Preiß sicher, und dies als Mieter des Glasfasers oder mit eigenen Leitungen. Doch garantieren könne er das nicht, beantwortete er dazu am Ende die Frage eines unschlüssigen Nutzers.