Ladenburg: Gutscheinsystem soll Kaufkraft binden
Von Silke Beckmann
Ladenburg. Brauchen wir einen Ladenburg-Gutschein? Bürgermeister Stefan Schmutz ist davon überzeugt, "um die Kaufkraft vor Ort zu binden". Zwar schneide die Stadt in der Kaufkraft-Analyse der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar stets gut ab, doch überproportional viel Geld werde andernorts ausgegeben, sagte der Verwaltungschef eingangs der Infoveranstaltung, in der er das Konzept gemeinsam mit Digital-Experte Daniel Hutwagner vom ortsansässigen Unternehmen "LocalBuzz" vorstellte.
Die aktuelle IHK-Kaufkraftanalyse hatte gezeigt, dass die Ladenburger im Vergleich mit anderen Kommunen aus dem Kreis zwar sehr viel Geld zur Verfügung haben, das sie im Einzelhandel ausgeben können. Dennoch schaffen es die Geschäfte nicht, diese Kaufkraft in der Stadt zu binden. Vielmehr werden in diesem Jahr geschätzt 24 Millionen Euro in anderen Kommunen und im Internet ausgegeben. Das Gutschein-System soll dem entgegenwirken. Doch wollen die Geschäftsinhaber dieses überhaupt?
Bei der Infoveranstaltung war gerade einmal ein Dutzend Zuhörer anwesend, noch weniger waren es bei der thematisch identischen Präsentation eine Woche zuvor. Ziel der Verwaltung wäre es, das System, mit dem der lokale Handel, die Gastronomie und das Handwerk gestärkt werden sollen, Mitte November an den Markt zu bringen. "Wir sind startklar, wenn mindestens 20 Unternehmen zu Beginn mitmachen", sagte Schmutz,. Er sei optimistisch, aber nicht überzeugt, dass diese Zahl erreicht werde.
Auch an diesem Abend meinte man zunächst die "Unsicherheit und Skepsis" zu spüren, mit der es Digital-Experte Hutwagner bei seiner Tätigkeit schon häufig zu tun hatte. Das große Thema Digitalisierung wirkte auf manchen etwas erschlagend, diente gleichzeitig aber auch als Argument, sich neuen, jüngeren Zielgruppen zu öffnen. "Potenzielle Interessierte können quasi vom Sofa aus bestellen", sagte Schmutz, außerdem sei es die Fachfirma von Hutwagner, die die Verwaltung des Systems übernehme und auch für digitale Sichtbarkeit sorge.
Konkret geht es um Gutscheine im Wert von je zehn Euro, die der Kunde vor Ort bei Händlern erwerben, aber auch digital als E-Coupon bestellen kann. Einzulösen sind sie in allen teilnehmenden örtlichen Unternehmen. Deren Angebot wiederum wird beworben, nicht nur mittels Flyern und Plakaten, sondern vor allem auf der sogenannten Kampagnen-Webseite. Diese ermögliche ein gemeinschaftliches Auftreten und zeige die Angebotsvielfalt. Laut Hutwagner schaffen Gutscheine und E-Coupons Kaufanreize, die auch jüngere Zielgruppen in die Geschäfte locke.
Für Harald Kunkel, Geschäftsstellenleiter des Bundes der Selbstständigen für den Bezirk Nordbaden, klang das nach hohem Verwaltungsaufwand. In Großsachsen und Leutershausen etwa hätten sich seit Langem vorgedruckte und nummerierte Blanko-Gutscheine bewährt, die ausschließlich in den Geschäften vor Ort zu erwerben seien - das laufe "altmodisch, aber sehr schlank" und verursache keine Kosten. Wichtig finde er vor allem, dass auch die Dienstleister dabei sind: "20 wären mir zu wenig, es müssen alle mitmachen."
Der vorgestellte Weg sei ähnlich, widersprach Hutwagner, lediglich die Prozesse seien digital. Auch die Bedenken von BDS-Vizechefin Renate Henseler-Sohns hinsichtlich der Coupon-Entwertung konnte er zerstreuen: Es gebe Möglichkeiten, dies ohne Computer zu tun, und im ersten Schritt sei es sinnvoll, mit Papiergutscheinen zu arbeiten.
Sigrid Platsch sah den Vorteil, dass eine Gutschein-Bestellung auch Kunden außerhalb der Stadt problemlos möglich ist. "Ich bin überzeugt, dass so ein System in Ladenburg funktionieren kann", bekräftigte Bürgermeister Schmutz. Er warb dafür, dass sich die Geschäftsinhaber darauf einlassen. "Wir wollen es mit Ihnen ausprobieren und das System für Ladenburg passend machen." Die Stadt werde als Partner agieren insofern, als künftig statt Präsenten Gutscheine überreicht würden, und übernehme anfangs auch die für die Teilnehmer anfallende Gebühr von monatlich 19,90 Euro. Weitere Kosten für die Unternehmen: eine Werbekostenpauschale von jährlich 79 Euro, außerdem fallen für jeden eingelösten Gutschein 75 Cent an.
Dass die Anwesenden sich zusehends für das System erwärmten, verdeutlichte ein abschließendes überwiegend positives Meinungsbild: "Wir hoffen sehr, dass die Geschichte starten kann", sagte Henseler-Sohn und appellierte an die BDSler, nochmals die Kollegen anzusprechen. Dies hat sich Bürgermeister Schmutz auch hinsichtlich der Gastronomen als "wichtige Akteure" vorgenommen: "Es ist wichtig, als Gemeinschaft aufzutreten."
Nun sind Einzelhändler, Gewerbetreibende und Gastronomen am Zug: Wie Bürgermeister Schmutz am Mittwochabend im Gemeinderat sagte, sollen diejenigen, die sich an dem Gutschein-System beteiligen wollen, der Verwaltung bis 5. Oktober eine verbindliche Rückmeldung geben.

