SV Waldhof: Warum es gegen Kaiserslautern wieder keinen Sieg gab
Von Daniel Hund
Mannheim. Monster-Grätschen, leidenschaftlich geführte Kopfball-Duelle und kernige Ansagen. Marcel Seegert, 27, der Capitano des SV Waldhof, ging im Südwest-Derby mal wieder voran. War 90 Minuten on fire. Danach sackte er in sich zusammen, driftete ab in den Grübel-Modus. Dabei hätte er doch so gerne gejubelt.
0:0 gegen Kaiserslautern. Wieder nicht gewonnen. Seit 25 Jahren nicht mehr. Seegert, der Enttäuschte: "Tendenziell waren wir näher dran am Sieg, aber insgesamt hat uns die nötige Durchschlagskraft gefehlt."
Der letzte Pass – er kam zu selten. Unter dem Strich war’s nur ein dickes Ding, das die Buwe auf dem Fuß hatten. Neuzugang Pascal Sohm war’s, der den Ball nach einem Bilderbuch-Spielzug, den Marcel Höger einleitete und Dominik Martinovic verfeinerte, in der 53. Minute knapp am Pfosten vorbeizwirbelte.
Auch Seegert selbst war einmal nah dran. Es lief die 88. Minute, als Baris Ekinicier einen Eckball vors Tor schnibbelte, der länger und länger wurde. So lang, dass "Cello" plötzlich am langen Pfosten freie Bahn zu haben schien, seinen Kopfball aber nicht im Tor unterbringen konnte.
"Schau dir das nochmal genau im Video an", sagte Seegert am Tag danach zur RNZ: "Das Problem war, dass mich mein Gegenspieler Boris Tomiak am Kragen nach unten gezogen hat." Und weiter: "Ich habe dann irgendwie noch versucht, meine Rübe rein zuhalten, konnte den Ball aber nicht mehr entscheidend drücken."
Er selbst hat sich diese Szene noch mehrfach vor dem Fernseher reingezogen. Das macht er immer so. Sobald die heimische Couch für den Abwehrchef nach dem Abpfiff in Sichtweite ist, werden die Spiele analysiert. Da sieht er genau, was zu tun ist. Was gut und was schlecht war.
Schlecht gegen Lautern: Die Blau-Schwarzen haben erneut kein Tor geschossen. Seegert zuckt mit den Schultern: "Es ist ganz wichtig, dass wir unsere offensive Wucht wieder auf den Platz kriegen. Es müssen einfach Tore her."
Vorne pfui, hinten hui – vielleicht ein wenig überspitzt formuliert, trifft die Situation derzeit aber ganz gut. Denn aus dem Spiel heraus hatte der FCK nur eine echte Torchance – und der SVW in dieser Szene viel Dusel: Terrence Boyd knallte den Ball freistehend aus sechs, sieben Metern Richtung Paradeplatz (55.).
Ansonsten blieben die Gäste erschreckend harmlos. Ihr Derby-Masterplan: hohe Bälle. Kick and Rush auf pfälzisch.
Wollten sie vielleicht aber gar nicht mehr, weil sie auch mit einem Punkt gut leben konnten? Seegert glaubt nicht dran: "Man weiß zwar, dass bei ihnen zunächst immer die Null stehen soll, aber so risikoscheu? Das kann mir keiner erzählen. Sie wollten schon mehr, konnten aber nicht."
Entscheidenden Anteil daran hatte offenbar Patrick Glöckner, der Lehrmeister der Buwe: "Wir", holte Seegert tief Luft, "wir waren taktisch wirklich perfekt eingestellt. Sobald Lautern den Ball hatte, wussten wir genau, was passiert und was zu tun ist."
Hört sich gut an und klingt nach einem Liga-Finale, in dem noch vieles möglich ist. Seegert sagt es so: "Jetzt steht der Endspurt an, da gilt es alle Kräfte zu mobilisieren, um die nötigen Punkte einzufahren."
Elf Endspiele also. Das erste steigt am Samstag, 14 Uhr, beim Halleschen FC. Ein heißes Pflaster. Lautern wird bis dahin abgehakt sein. Am Montag, kurz nach 10 Uhr, trafen sich die Buwe am Alsenweg.
Die Ersatzspieler trainierten. Der Stamm regenerierte, gönnte sich nebenbei auch die eine oder andere Tasse Kaffee und ließ den Derby-Wahnsinn, dieses 19.000-Zuschauer-Spektakel nochmals Revue passieren.

