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Gegenwartsbefindlichkeit | Anne Rabes „Die Möglichkeit von Glück“: Aus der Schreibtrickmaschine

Nazi-Deutschland, DDR, Wende – und das Innenleben einer Familie. Steht auf dem Cover von Anne Rabes „Die Möglichkeit von Glück“ wirklich „Roman“?

Dieser Roman ist ein Unfall. Jedoch keiner, bei dem man nicht aufhören könnte, hinzuschauen. Sondern einer, bei dem sich allerlei Teile wild ineinanderschieben, gegeneinander laufen, der schnell aber auch etwas fad wird: große Spannung entwickelt sich nicht. Vielleicht ist Die Möglichkeit von Glück deshalb ein Roman, der etwas über den Umgang einer jüngeren Generation mit Vergangenheit und Geschichte aussagt. Während Katja Hoyer, Jahrgang 1985, in ihrer viel diskutierten Studie Diesseits der Mauer (der Freitag 19/2023) die DDR mit sanftem Historienyoga nostalgiefähig machen will, scheint die DDR bei Anne Rabe auch als Ladestation literarischer Schreckenssuche nützlich zu sein.

Und so muss man sich das vorstellen: 1986 wird Protagonistin Stine in einer DDR-Backsteingotik-Hansestadt an der Ostsee geboren. Die Wende verschläft sie, ihr Großvater war ein mindestens regional bekannter Funktionär: „Wo fängt meine Geschichte an?“, fragt Stine, „wenn ich an den Anfang denke, sehe ich Paul vor mir, meinen Großvater.“

Ganz viel Brecht gelesen

Diese Stine, Ich-Erzählerin, sucht nach Anfängen, um all die Schwierigkeiten zu verstehen, die sich durch ihre Familie ziehen – Schweigen, Unverständnis, brodelnder Streit. Dafür rekonstruiert sie das Familienleben von den Großeltern an. Früh umhäkelt die Erzählerin ihr Vorhaben mit Verweisen darauf, dass sie zum Beispiel sehr viel Brecht gelesen hat („der blöde Brecht macht mich noch wahnsinnig“), protokolliert ihre Recherche, auch wenn nichts dabei herauskommt. Ihr Verdacht, dass Familiendinge im Argen liegen, weil drum herum alles nicht so toll war (das Muster des Romans), könnte man also ganz gut mit Bertolt Brecht zusammenfassen: Wir wären gut – anstatt so roh/doch die Verhältnisse, die sind nicht so.

Anne Rabe wurde 1986 in Wismar geboren. Backsteingotik-Hansestadt an der DDR-Ostsee. Sie selbst ist eine ganz gewitzte Twitterkommentatorin, gleich nach ein paar Seiten von Die Möglichkeiten von Glück muss man sich aber auf der Titelseite vergewissern, ja, da steht „Roman“. Denn seine Sprache ist ein unsicheres, verrutschendes, ihrer selbst unbewusstes Vehikel, das nicht selten Unfälle baut. Von der Lakonie Brechts hat sie nichts übernommen, vielmehr geht ihr zwischen Bezügen zu Filmen und allerlei frei flottierenden, twitterhaften Gedanken der literarische Anspruch abhanden. Sie findet keinen Ton. Der Versuch, die Geschichte von Systemen und die Flurschäden, die sie im Privaten hinterließen, durch Beschau des Innenlebens einer Familie zu verstehen, ist ein Klassiker. Es gibt eine Liste wirklich guter Romane dazu. Der von Anne Rabe gehört leider nicht darauf.

So schaut die Schriftstellerin mit ihrer Protagonistin auf Nazi-Deutschland, DDR, Wende. Auf private Dramen aus Mittäterschaft, erlebtem Leid, gewählter Ignoranz, weitergegebener Härte. Vielleicht ist dieser Satz, Seite 83, eine Art erkennistheoretisches Motto, mit dem Rabe durch Stine auf Familie blicken will: „So von außen sieht es schön aus, aber wenn ich einmal hineintrete, entfaltet sich vor mir ein düsteres Labyrinth. Es hat keinen Ausgang.“ Der fehlende Ausgang ist vielleicht der Grund, warum die Autorin ihre Ich-Erzählerin noch dreihundert weitere Seiten mit viel Aufwand durch dieses Labyrinth jodelt. Früh erhärtet sich beim Leser der Verdacht, dass Rabe die Schrecken des 20. Jahrhunderts im Familienprisma sucht, um ihrem Roman literarische Bedeutung überzuhelfen.

Dafür lässt sie Stine immer wieder ihre eigene Geschichte erklären, anstatt sie zu erzählen. Und sie erklärt die DDR-Erziehung. Erklärt DDR-Riten. Es wimmelt von Einsprengseln, die nirgends hinführen. Wahllos herausgegriffen: Stine kannte ihre Freundin Krissi „noch gar nicht, nur vom Sehen, wie das in einer kleinen Stadt eben ist“. Man fragt sich beim Lesen solcher Passagen oft, wer hier eigentlich spricht, wer hier wen adressiert, für was solche Binsen gut sein sollen.

Als wäre der Sand, in dem sich die Erklärungen verlaufen, noch nicht genug, kehrt Rabe in der Krissi-Episode noch mehr zusammen: Sie lässt Stine in einer epischen Vorausdeutung versinken, viele Jahre später nämlich, stellt sie sich vor, dass ihre und Krissis Söhne Freunde seien, gemeinsam durch die Stadt streifen, kiffen. „Und dann kommen die anderen. Sie erkennen sich gleich. Die Glatzen erkennen die Zecken. Die Zecken die Glatzen. Und Kurti und Ole laufen einen Moment zu spät los. Es war gerade so schön gewesen, und sie hatten gehofft, sich vielleicht zu irren.“

Und während man noch hofft, sich zu irren, verwurstet Anne Rabe einen großen Strauß von Themen: Die epische Vorausdeutung ist in eine Postwende-Neonazi-Episode hineingepfriemelt. Die sich hinter die tapsende Annäherung an die politische Rolle des Großvaters und die Jugendwerkhof-Geschichte der DDR einreiht. Vor die Geschichte der Großmutter und NS-Zwangsarbeiterlager. Die Reihenfolge selbst scheint beliebig. Sehr deutlich wird, dass die „Nazis-in-unserer-Hood“-Episode wie eine Pflichtübung wirkt. Und anzeigt, was hier gegart wird: Eine Anhäufung von Beschwernissen, die Stine mit viel Mühe raue Umstände herbeiliterarisieren sollen. Eine Übung in Banalität, bei der eine Art ausgebautes Familien-Poesiealbum aufgeblättert wird.

Es wabern Erkenntnisse

Autorin und Roman ringen um Fallhöhe, die vierzehn Abschnitte werden mit Zitaten aus höherer Literatur, dann DDR-Durchführungsbestimmung, später aus der Feder der Autorin selbst geschmückt. Stine versichert uns Mal um Mal, dass sie „alles“ liest, was ihr das Internet so anbietet. So viel, dass aus ihrem erwachsenen Leben auf der Suche nach dem Ursprung pathologisierter Familienschwierigkeiten Urteile über Diktatur und SED in ihre kindliche Erinnerung rutschen.

Es stört auch diese sehr erwachsene Witzigkeit. Gerade einmal zehnjährig, sinniert da die Ich-Erzählerin über ihren Impfpass mit Hammer und Zirkel. „Ich mochte das kleine rote Heft, nahm es manchmal aus der Schublade, in der Mutter ihre Dokumente aufbewahrte, und strich mit den Fingern über das Emblem. Der Kranz und die Symbole der SED-Diktatur verliehen diesem Nachweis meiner Immunität gegen Masern, Tetanus und Windpocken etwas Feierliches.“

Literarische Erinnerung ist öfter ein Problem, wer zuletzt den „BRD-Familienroman“ Siegfried von Antonia Baum (der Freitag 9/2023) las, mag sich an der erwachsenen Akkuratesse gestoßen haben, mit der ein junges Mädchen traumatisierende Vorgänge erinnerte. Anne Rabe legt die Vorsicht zur Seite, hier wabern Bekenntnisse und eine eindimensionale Geschichtswahrnehmung. Wenn der Roman nicht weiterweiß, muss er sich auf einen Erzähler in der zweiten Person Singular stützen, der soll den verläppernden Fluss der Dinge wieder auf Kurs bringen.

Vor eineinhalb Jahren hat der Literaturwissenschaftler Johannes Franzen in seinem Newsletter Kultur&Kontroverse über die „Pornografie des sich Deprimierenlassens“ geschrieben. Es ging ihm um eine doppelte Frage – warum wir mit Themen, die wir in unserem realen Leben vermeiden, unsere Freizeit verbringen. Und: Wie die literarischen Tricks so aussehen, die diese Arbeiten aufführen.

Franzen arbeitete sich durch Hanya Yanagiharas ermüdendenEpos Ein wenig Leben (Hanser, 2017) und die depressionsgraue US-Serie Mare of Easttown. Im Zentrum fand er die Schmerzensgestalt als Mechanik der Kulturindustrie: „Tiefe und ästhetische Hochwertigkeit“, schreibt Franzen, werde „durch eine wahllose Akkumulation von Schrecken erschwindelt“. Dieses Erschwindeln funktioniert als Ausstellen von psychologischen Beschädigungen nach traumatisierenden Ereignissen. Ihr dunkler Schatten soll Ernsthaftigkeit garantieren. In den USA stehen sexuelle Übergriffe literarisch hoch im Kurs, Anne Rabe (aber nicht nur sie) zeigt an, dass die literarische Verarbeitung des 20. Jahrhunderts mitunter bei einer groben Beschau angelangt ist, die von Befindlichkeiten der Gegenwart ausgeht.

„Manchmal“, beginnt das Kapitel 20, „drohe ich zu verschwinden. Hinter den Geschichten der anderen, hinter den Dokumenten, hinter den Büchern, die sich wie eine Mauer auftürmen“. Tatsächlich hat Rabe sich von überall Schnurren ausgeliehen, sie nach Möglichkeiten des Traumas durchsucht, durch die Szenische-Schreiben-Trickmaschine gedreht und in banale Sprache getaucht. Verschwunden ist dabei, was sie eigentlich erzählen wollte.

Die Möglichkeit von Glück Anne Rabe Klett-Cotta 2023, 381 S., 24 € (Leseprobe)

Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des Freitag.

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