Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen: Während der Konsum hoch bleibt, explodieren die Preise. Fachleute rechnen mit noch teureren Bohnen in den kommenden Jahren. Eine Tasse am Morgen, ein Espresso nach dem Mittagessen und der Cappuccino am Nachmittag: Rund 15,5 Millionen Menschen greifen hierzulande mehrmals täglich zur Tasse Kaffee. Im Schnitt trinkt jeder Deutsche etwa 164 Liter pro Jahr, was im internationalen Vergleich Rang 10 bedeutet. Doch der Genuss hat zunehmend einen bitteren Beigeschmack: Die Preise für Kaffee sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Erst im Februar erhöhte der Kaffeeriese Tchibo seine Preise deutlich , auch andere Marken zogen in den vergangenen Monaten nach. Eine Packung gemahlener Filterkaffee kostet im Supermarkt bisweilen fast zwölf Euro. Jacobs, Tchibo und Co.: So viel zahlen Verbraucher derzeit für Kaffee Lidl, Aldi & Co.: Wer steckt hinter dem Discounter-Kaffee? Im April 2025 lagen die Verbraucherpreise für Bohnenkaffee 12 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Die Preise für Lebensmittel stiegen im gleichen Zeitraum nur um 2,8 Prozent, die allgemeine Inflation lag bei 2,1 Prozent. Im mittelfristigen Vergleich sind die Bohnenkaffee-Preise sogar um 31,2 Prozent seit April 2021 gestiegen. Ein Blick auf die Einfuhrpreise zeigt die Dimension: Rohkaffee kostete im April 2025 gut 53 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, gerösteter oder entkoffeinierter Kaffee 35,8 Prozent mehr. Doch warum wird der Kaffee gerade immer teurer? Preis drastisch gestiegen: Darum ist Schokolade derzeit so teuer Klimakrise trifft die wichtigsten Anbauländer Hauptursache sind Ernteausfälle durch Extremwetter. Brasilien , das rund 40 Prozent des in Deutschland konsumierten Kaffees liefert, litt 2024 unter extremer Trockenheit und Waldbränden. Auch Vietnam , der zweitgrößte Lieferant, kämpfte mit Regenfluten und Überschwemmungen. In anderen Regionen rund um den Äquator – von Kolumbien bis Äthiopien – beeinträchtigen ebenfalls Hitzeperioden, Starkregen und Schädlinge die Ernten. Die Folge: leere Lager, bei stetig wachsendem weltweiten Kaffeekonsum. Mittlerweile zieht der Konsum auch in klassischen Tee-Ländern wie China oder Indien an. Studien warnen, dass bis 2050 die Hälfte der Kaffeeanbauflächen verloren gehen könnten, wenn sich die globale Erwärmung ungebremst fortsetzt. Trotz steigender Preise wächst der Import Bemerkenswert: Trotz Verteuerung importierte Deutschland 2024 rund 14 Prozent mehr Kaffee als im Vorjahr. Gegenüber 2015 bedeutet das ein Plus von knapp 8 Prozent. Der meiste Kaffee kommt weiterhin aus Brasilien, gefolgt von Vietnam und Honduras. Wer im Supermarkt einkauft, sieht Kaffee trotzdem regelmäßig im Angebot. Doch die vermeintlichen Schnäppchen täuschen. Im Einzelhandel bleibt Kaffee derweil ein sogenanntes Eckprodukt: Supermärkte nutzen günstige Angebote, um Kundschaft in die Läden zu locken. "Kaffee ist jetzt umkämpft und war schon immer umkämpft", erklärt Branchenexpertin Delphine Sachsenröder von der Lebensmittel-Zeitung dem Bayerischen Rundfunk (BR), eben weil es ein Eckprodukt ist. Doch die Realität ist: Normale Regalpreise sind mittlerweile höher als noch vor einem Jahr. Auch die Angebotspreise liegen deutlich über früheren Werten. Ein Rabatt im Prospekt heißt also nicht, dass Kaffee wieder billig geworden ist. Wird Kaffee zum Luxusprodukt? Für Thomas Eckel, Röstmeister und Kaffee-Sommelier aus Murnau, ist klar: "Aus meiner Sicht – mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit – erwartet uns ein steigender Preis und zwar noch höher als wir es heute gewohnt sind." Mit einem Rückgang rechne er in den kommenden fünf bis zehn Jahren nicht, sagte er dem BR. Die Kaffeeindustrie versucht, die Folgen des Klimawandels abzufedern: Investitionen in Wassermanagement, Schattenpflanzen und verbesserte Schnitttechniken sollen die Erträge stabilisieren. Forscher arbeiten an neuen, klimaresistenten Kaffeesorten, die Hitze, Trockenheit und Starkregen besser verkraften. Akteure wie die Non-Profit-Organisation World Coffee Research, in der auch deutsche Unternehmen wie Tchibo aktiv sind, versuchen, Sorten zu entwickeln, die langfristig die Versorgung sichern können. Doch Experten warnen: Neue Sorten müssen erst über Jahre getestet werden – und es ist offen, ob sie von den Bauern angenommen und in den Markt integriert werden können. Ein Tchibo-Sprecher sagte auf Anfrage von t-online: "Das Allerwichtigste ist und bleibt, die Auswirkungen des Klimawandels in den Griff zu bekommen. Das kann kein Unternehmen allein leisten." Länder, Röstereien, Importeure, Kaffeebauern – alle müssten Kapazitäten bündeln, Projekte gemeinschaftlich umsetzen und den Menschen in den Anbauländern Mittel an die Hand geben, so der Tchibo-Sprecher. Langfristig könnten indes Labor-Kaffees eine Rolle spielen. Inzwischen gelingt es Forschern, Kaffee im Reagenzglas herzustellen, der aussieht, riecht und schmeckt wie echter Kaffee. In der EU ist das bislang verboten. Doch solche Innovationen könnten Druck von den Märkten nehmen, so die Hoffnung.