Die Nervosität war hoch, die Kurse gaben nach, dann lieferte Nvidia. War die Angst vor dem Crash unbegründet? Es war eigentlich nur ein kleiner Kursrutsch, aber die Aufregung war groß. Ist das der Anfang eines Crashs? Einen kräftigen Absturz beten einige selbst ernannte Experten und Crash-Propheten ja seit Monaten herbei. Bisher ohne "Erfolg". Aktien mögen nicht mehr billig sein, mitunter auch wirklich hoch bewertet, geknallt hat es aber nicht. Im Gegenteil. Die Märkte halten sich nahe ihren Rekordhochs. Daran hat auch der jüngste "Absturz" nichts geändert. Eine kleine Korrektur ist noch kein Crash Der Dax verlor binnen weniger Tage gerade mal vier Prozent, der breite amerikanische Index S&P 500 knapp drei Prozent, und die Technologiebörse Nasdaq ein bisschen mehr. Das ist nicht schön, aber es ist allenfalls eine kleine Korrektur gewesen. Schlagzeilen wie "Heftige Verluste an der Börse" oder "Beginnt jetzt ein langer Bärenmarkt?" – der Bär ist das Symbol für fallende Kurse – sind aber völlig überzogen. Die Nervosität war und ist spürbar, keine Frage. Nach der Rally der vergangenen Monate scheint eine Korrektur auch überfällig zu sein. Aber kleinste Kursrücksetzer wurden jedes Mal für Nachkäufe getreu dem Motto "Buy the Dip" genutzt – bisher zumindest. Börsenexperten warnen: Diese Schwäche könnte den Nasdaq zum Absturz bringen Börsenhöhenflug: Ist Künstliche Intelligenz doch eine große Blase? Fakt ist: Mitten in der Berichtssaison kann es immer mal wieder zu Kursschwankungen kommen, auch zu kräftigeren. Vor allem die Zahlen der "Glorreichen Sieben" – Alphabet, Amazon , Apple , Meta , Microsoft , Nvidia und Tesla –, der großen amerikanischen Technologiekonzerne, werden alle drei Monate mit großer Spannung erwartet. Das letzte Unternehmen dieser Börsenstars, das seine Bücher öffnet, ist traditionell der Chip-Hersteller Nvidia. Mittwochabend war es so weit, und die Erwartungen waren groß: Nvidia musste liefern, und Nvidia lieferte. Es war sogar ein überraschend starkes Quartalsergebnis dank des reißenden Absatzes der neuesten Hochleistungsprozessoren für Künstliche Intelligenz (KI). Nvidia lindert die Angst vor der KI-Blase Vor allem der Ausblick interessierte die Investoren. Denn an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Gute bis sehr gute Quartalszahlen, am liebsten über den Erwartungen, sind schön und gut. Aber auf den Ausblick kommt es an. Nvidia lieferte auch hier und stellte weiter steigende Erlöse in Aussicht. Damit dürften die Sorgen der Investoren vor einer KI-Blase erst einmal gelindert sein. Der Boom scheint vorerst nicht zu enden – wohl auch nicht an der Börse. Zumindest stieg nach diesen Zahlen zunächst der Kurs von Nvidia, aber auch die Kurse anderer Technologieunternehmen legten zu. Gefahr also gebannt? Und für wie lange? Das weiß niemand, auch die Crash-Propheten übrigens nicht. Irgendwann werden sie aber recht haben. Denn leider gehört es an der Börse dazu, dass es von Zeit zu Zeit nicht nur zu Korrekturen, sondern eben auch zu üblen Crashs kommt. Ein solcher Absturz fühlt sich nie gut an. Im Gegenteil. Mir schlägt es ganz schön aufs Gemüt, wenn es an der Börse knallt und der Depotwert schmilzt wie Eis in der Sonne. Wer will das sehen? Wer will das erleben, wenn die großen Indizes wie der Weltaktienindex MSCI World, der amerikanische S&P 500 oder unser heimischer Dax binnen Wochen oder Monaten 25, 30 oder sogar mehr Prozent verlieren? Das tut weh! Der Crash als Chance für langfristige Anleger Trotzdem sehe ich solche Abstürze mittlerweile als Chance. Verhindern kann ich sie nicht, aber als langfristige Investorin kann ich sie für mich nutzen. Wenn Geld auf meinem Anlagekonto liegt, dann kaufe ich nach. Das fühlt sich nicht immer gut an, weil man sich ja im Grunde gegen die Marktmeinung stellt. Wenn alle anderen verkaufen, beherzt zugreifen, das ist sicherlich Börse für Fortgeschrittene. Langfristig zahlt es sich aber aus. Denn irgendwann erholen sich die Kurse wieder, auch wenn wir nicht wissen, wann und wie schnell. Aber schauen Sie sich sehr langfristige Charts an. Manchmal mag es nur wenige Monate dauern, wie nach dem Corona-Crash 2020. Manchmal dauert es auch Jahre, wie nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends oder dem Finanzkrisen-Crash einige Jahre später. Aber die Erholung kommt! Und übrigens gibt es mehr gute als schlechte Börsenjahre. Da kann ich Ihnen nur den Blick auf meine Lieblingsgrafik, das Renditedreieck für deutsche Aktien des Deutschen Aktieninstituts, ans Herz legen. Klare Botschaft: je länger, desto grüner. Solche Renditedreiecke gibt es auch für europäische Aktien und den MSCI World. Wenn es mal wieder knallt, schauen Sie auf diese Grafiken. Die Farbe Grün soll ja auch beruhigende Wirkung haben! Risiken gibt es viele Die Frage bleibt aber natürlich: Wird es bald wieder knallen? Gibt es bald Einstiegskurse für die Hartgesottenen? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Glaskugel. Die Aktienkurse sind sicherlich weit gelaufen, die Bewertungen der Unternehmen sind teilweise sehr üppig, vor allem im Technologiebereich. Und es sind auch diese Aktien, die die Rally angeführt haben. Wie lange das noch gut geht? Es gibt schließlich auch darüber hinaus viele Unsicherheitsfaktoren und damit Risiken für die Börse. Da ist die erratische Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump , die Geldpolitik der US-Notenbank Fed, dazu geopolitische Krisenherde. Ich bleibe trotzdem optimistisch, und wenn es knallt, weiß ich, was ich zu tun habe. Ich wünsche mir keinen Crash. Aber ich habe auch keine Angst davor. Auf meinem Anlagekonto liegt bereits Geld für mögliche Nachkäufe. Und meine Sparpläne lasse ich sowieso laufen.