Nach dem Tod des iranischen Religionsführers signalisiert der US-Präsident Gesprächsbereitschaft. Gleichzeitig eskaliert der Krieg in Nahost weiter. US-Präsident Donald Trump rechnet im Krieg gegen den Iran mit einer Dauer von bis zu vier Wochen. "Es war schon immer ein vierwöchiger Prozess. Wir gingen davon aus, dass es etwa vier Wochen dauern würde", sagte Trump in einem Telefoninterview mit der britischen "Daily Mail". Seit Samstag führen Israel und die USA einen gemeinsamen Krieg gegen den Iran. Erklärtes Ziel ist die Zerstörung der nuklearen Kapazität, des Raketenarsenals sowie das Ende des Regimes. Dabei wurde der oberste Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei bei einem Luftangriff getötet. Der Iran führt Gegenschläge auf Israel sowie auf Ziele in Nachbarländern aus, in denen US-Streitkräfte positioniert sind. Newsblog : Alle aktuellen Nachrichten zum Krieg in Nahost US-israelischer Angriff : Merz sieht Dilemma Trump droht mit "Rache" für den Tod von US-Militärangehörigen Bislang sind drei US-Soldaten getötet und fünf weitere verletzt worden. Trump würdigte sie als "großartige Menschen". Der 79-jährige Republikaner drohte dem Iran mit "Rache" für die getöteten US-Amerikaner. Zugleich fügte Trump an: "Traurigerweise" werde es bis zum Ende des Einsatzes "wahrscheinlich" weitere Todesopfer in den Reihen der US-Armee geben. "Aber Amerika wird ihren Tod rächen und den Terroristen, die der Zivilisation den Krieg erklärt haben, den härtesten Schlag versetzen", sagte der Präsident am Sonntag in einer Videobotschaft. Die iranischen Streitkräfte und die Polizei forderten Trump erneut auf, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Anderenfalls drohe ihnen "der sichere Tod". "Es wird nicht schön", warnte er. An die Iraner appellierte der US-Präsident, die Führung in Teheran zu stürzen: "Ich rufe alle iranischen Patrioten, die nach Freiheit streben, auf, diesen Moment zu nutzen, um mutig, kühn und heldenhaft zu sein und euer Land zurückzuerobern. Amerika ist mit euch." Trump offen für Gespräche Trump fügte allerdings auch hinzu, er sei weiterhin offen für weitere Gespräche. Ob dies "bald" geschehen könne, sei offen. "Ich weiß es nicht", sagt Trump. "Sie wollen reden, aber ich habe gesagt, dass sie vergangene Woche hätten reden sollen, nicht diese Woche." Stunden zuvor hatte Trump noch neue Gespräche mit der iranischen Führung angekündigt. "Sie wollen reden, und ich habe zugestimmt. Also werde ich mit ihnen reden", hatte er dem Magazin "The Atlantic" gesagt. Doch einige der iranischen Unterhändler, mit denen die USA zuletzt gesprochen hätten, seien inzwischen tot. "Die meisten dieser Leute sind nicht mehr da", sagte Trump. Die Aussagen Trumps widersprachen sich also innerhalb weniger Stunden. Auf die Frage, ob die USA ihre Bombardierungen verlängern würden, um einen möglichen Aufstand im Iran zu unterstützen, antwortete er ausweichend. Er müsse die Lage jeweils neu bewerten. Die Situation sei "sehr gefährlich". Wadephul: "Hoffe, dass das gelingen kann" Der deutsche Bundesaußenminister Johann Wadephul glaubt noch immer an die Möglichkeit eines Abkommens mit dem iranischen Regime. Deutschland, Frankreich und Großbritannien hätten an einer Verhandlungslösung gearbeitet, sagte Wadephul in der ARD-Sendung "Caren Miosga". "Das ist bisher nicht erfolgreich gewesen", räumte Wadephul ein und fügte hinzu: "Ich hoffe immer noch, dass das gelingen kann, dass das iranische Regime versteht, dass es auf die Nuklearwaffe verzichten muss, auf ballistische Raketen." Zugleich bezeichnete Wadephul das Mullah-Regime in Teheran als "ruchlos", was das Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung, die Unterstützung von radikal islamistischen Organisationen wie die Hisbollah und die Hamas sowie das Ziel der Zerstörung des Staates Israel angehe. "Wenn das ein Ende hat, dann ist das mit Sicherheit gut", sagte Wadephul. Trump äußerte sich im Gespräch mit "The Atlantic" zuversichtlich, dass es im Iran zu einem Machtwechsel kommen könne. Er verwies auf die Freude über den Tod Chameneis im Land und unter Exil-Iranern in den USA. Trump verfolgt den Krieg bislang aus seinem Anwesen Mar-a-Lago in Florida . "48 Anführer sind auf einen Schlag weg" Im konservativen Sender Fox News sprach Trump von einem weitreichenden Schlag gegen die iranische Führung. "Niemand kann den Erfolg glauben, den wir haben, 48 Anführer sind auf einen Schlag weg", sagte er. Der "Daily Mail" erklärte er, es seien "weit mehr" führende Köpfe getroffen worden als erwartet. Nach Angaben des US-Zentralkommandos wurden seit Beginn der Offensive mehr als 1.000 Ziele im Iran angegriffen. Darunter seien Kommandozentralen der Revolutionsgarden, Luftabwehrsysteme, Standorte ballistischer Raketen sowie Einrichtungen der Marine. Trump teilte zudem mit, das US-Militär habe neun iranische Kriegsschiffe zerstört, der Rest der Flotte werde verfolgt. Die Angriffe zielten nach seinen Worten darauf ab, eine jahrzehntelange Bedrohung zu beenden und den Bau iranischer Atomwaffen zu verhindern. Zugleich warnte er Teheran vor weiterer Vergeltung und drohte mit einer Reaktion "mit einer Stärke, die man noch nie vorher gesehen hat". Die Kämpfe in der Region dauern derweil an. Israel hat nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle gestartet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, die Armee greife bereits mit "zunehmender Stärke" im Herzen Teherans an. Sie würden die vollständige Kontrolle des iranischen Luftraums anstreben. Der Großteil der Luftabwehrsysteme im Westen und Zentrum des Landes sei ausgeschaltet, teilte die Armee mit. Der Einsatz von Bodentruppen sei derweil nicht geplant. Im Iran übernahm indes ein neu gebildeter Führungsrat vorübergehend die Amtsgeschäfte Chameneis. Ihm gehören Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie das Mitglied des Wächterrats, Alireza Arafi, an. Teheran bezeichnete Vergeltung als "legitimes Recht und Pflicht". Auf iranischer Seite meldeten Staatsmedien mehr als 200 Tote. Auch in Israel und in mehreren Golfstaaten gab es Tote durch Raketen- und Drohnenangriffe.