Nach 23 Jahren ist Schluss: VW stellt den Touran ein. Ein EU-Sicherheitsgesetz besiegelt das Ende des Kompaktvans. Er war nie cool, aber dafür praktisch. Und das schätzten seine Kunden, darunter viele Familien. Nun ist der VW Touran Geschichte. Seit März ist er nicht mehr als Neuwagen bestellbar, im Konfigurator werden nur noch Lagerfahrzeuge angeboten. Ende April lief das letzte Exemplar vom Band, berichtet die "Wolfsburger Allgemeine". Ein direkter Nachfolger ist nicht in Sicht. Damit endet nach rund 23 Jahren die Geschichte eines Modells, das für viele Käufer genau das bot, was sie suchten: viel Platz auf vergleichsweise kleiner Fläche, variable Sitze und übersichtliche Abmessungen. Und dennoch bot er mehr Komfort als die Hochdachkombis à la Caddy und Co., die an der Hinterachse meist noch Blattfedern hatten, um auch schwere Ladungen zu transportieren. Apropos: Wie der Touran einen Hamburger Werkstattbesitzer reich machte Nicht nur der Touran: Diese Autos verschwinden 2026 vom Markt Elf Jahre lang lief das aktuelle Modell vom Band. In Zeiten des SUV-Booms sank die Nachfrage, sodass VW angesichts großer Investitionen in die E-Mobilität und andere Modelle kein Geld mehr in den Touran steckte. Konkreter Anlass für das Aus ist jedoch eine EU-Vorgabe: Ab Juli gilt die "General Safety Regulation II Stufe C". Der inzwischen technisch überalterte Kompaktvan erfüllt diese Anforderungen nicht mehr. Volkswagen verzichtet deshalb auf eine weitere Überarbeitung des Modells, der Aufwand wäre schlichtweg zu hoch gewesen. Als die erste Generation des Touran 2003 auf den Markt kam, traf Volkswagen einen Nerv. Technisch basierte der Van auf dem Golf V, bot aber deutlich mehr Platz im Innenraum und auf Wunsch bis zu sieben Sitze. Über die Jahre fanden rund 2,3 Millionen Exemplare Käufer. Auch preislich stand das Modell lange für eine vergleichsweise breite Erreichbarkeit. Zum Marktstart kostete der Touran rund 20.000 Euro. Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre sind nicht spurlos am Touran vorbeigegangen: Zuletzt lag der Einstiegspreis bei mehr als 42.000 Euro. Eigene Gesellschaft für die Produktion Mit dem Modell verbunden ist zudem ein besonderes Kapitel deutscher Industriepolitik. Produziert wurde der Touran zunächst von der eigens gegründeten Auto 5000 GmbH. Das Gemeinschaftsprojekt von Volkswagen und IG Metall entstand Anfang der 2000er-Jahre unter Vermittlung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder . Unter dem Motto "5000 mal 5000" sollten 5.000 Arbeitslose für 5.000 D-Mark brutto eingestellt werden. Das Projekt galt damals als Versuch, Industriearbeitsplätze in Deutschland zu sichern. 2009 wurden die Beschäftigten vollständig in die Volkswagen AG übernommen. Mit dem Touran verschwindet zugleich eines der letzten klassischen Familienautos deutscher Hersteller abseits des SUV-Segments. Bereits 2022 stellte Volkswagen den größeren Sharan ein. Mercedes verabschiedete sich von der B-Klasse. Übrig geblieben ist im Grunde nur noch der BMW 2er Active Tourer. Wer weiterhin ein besonders praktisches Familienauto sucht, findet Alternativen inzwischen vor allem bei Hochdachkombis wie dem Caddy, dem Renault Kangoo oder bei großen elektrischen Vans. Doch das Konzept ist nicht dasselbe – sowohl preislich als auch was die Kombination von Komfort und Nutzwert angeht.