Die Söhne von Donald Trump haben ein eigenes Smartphone angekündigt. Doch nach fast einem Jahr Wartezeit ist unklar, ob jemals eines der Telefone ausgeliefert wird. David Schafbuch berichtet aus New York An Inszenierung hatte es nicht gemangelt, als Donald Trump Junior und sein Bruder Eric am 16. Juni 2025 im Atrium des New Yorker Trump Towers vor die Presse traten. Auf den Tag genau zehn Jahre zuvor hatte dort bereits ihr Vater Donald Trump gestanden. Trump hatte damals angekündigt, dass er Präsident der USA werden wolle. Die beiden Trump-Söhne kündigten in ihrem achtminütigen Auftritt keinen Einstieg in die Politik an. Stattdessen präsentierten sie "Trump Mobile": Einen eigenen Handytarif und dazu auch ein eigenes Smartphone mit dem Namen T1. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog "Trump Mobile": Präsidentenfamilie kündigt eigenes Handy an Man habe sich mit einigen der "besten Leute" zusammengetan, damit "echte Amerikaner" einen "wahren Wert" aus ihren Telefonen schöpfen können, sagte Don Junior. Der Clou hinter dem goldenen Telefon: Es sollte im Gegensatz zu den Konkurrenzmodellen vollständig in den USA gefertigt werden. Fast ein Jahr ist das her. Doch bislang wurde kein einziges T1 ausgeliefert. Ob überhaupt eine größere Zahl der Smartphones gebaut wurde, geschweige denn irgendwann in den Handel kommt, ist momentan nicht sicher. Selbst die Trump-Organisation schließt nicht aus, dass das Telefon niemals auf den Markt kommen wird. Aktuell wird das Trump-Telefon als "ein mutiger Schritt in Richtung kabelloser Unabhängigkeit" beworben. Das Handy ist vollständig im Trump-typischen Gold gehalten, auf der Rückseite ist eine amerikanische Flagge eingraviert. Erhältlich ist das Handy für 499 Dollar, was umgerechnet etwa 425 Euro entspricht. Dazu muss bereits bei der Bestellung eine Anzahlung von 100 Dollar (85 Euro) geleistet werden. Der Preis blieb seit der Ankündigung des Handys unverändert. Im Gegensatz zu den technischen Daten, der Optik und dem Veröffentlichungsdatum des Smartphones. Zu Beginn der Kampagne wurden einige Tech-Experten von der angeblichen Leistungsfähigkeit des Handys überrascht. Das "Wall Street Journal" kam zu dem Urteil, dass die technischen Daten des T1 zum Teil das aktuelle iPhone von Apple überbieten würden, während es gleichzeitig weniger als die Hälfte kosten soll. Finale Ausstattung unklar Exemplarisch steht dabei die Bildschirmgröße: Ursprünglich sollte das T1 eine Bildschirmdiagonale von 6,78 Zoll (circa 17 cm) besitzen, womit es größer als das aktuelle iPhone 17 wäre. Wenig später wurde die Größe allerdings mit 6,25 Zoll (circa 16 cm) angegeben, mittlerweile liegt sie laut der Webseite von Trump Mobile wieder bei 6,78 Zoll. Andere Daten waren zudem fehlerhaft: Zu Beginn wurde etwa die Leistung der Kamera mit 5.000 Milliampere beziffert. Dabei gibt die Zahl die Leistungsfähigkeit der Akkus an. Dazu passt auch, dass sich die Optik des T1 im vergangenen Jahr verändert hat. In den ersten Bildern waren die Objektive der Kamera etwa in einem Dreieck angeordnet. In der aktuellen Version der Webseite sind die drei Objektive dagegen in einer Linie aufgereiht. Die jüngsten Aufnahmen sind zudem mit dem Hinweis versehen, dass es sich bei den Bildern nur um Illustrationen handelt: Die "finale Produkterscheinung" sowie die technischen Spezifikationen könnten sich bis zur Veröffentlichung noch verändern. Als größten Unterschied zu anderen Herstellern wurde das T1 allerdings zunächst als Telefon "Made in USA" beworben. Die Ankündigung passte in die Politik des US-Präsidenten, der in dieser Zeit dafür geworben hatte, dass mehr Produkte wieder in den USA hergestellt werden sollen. Vor der Ankündigung des Handys hatte Donald Trump mit dem Ausrollen seines großen Zollprogramms begonnen. Der Präsident hatte damals auch dem Techkonzern Apple gedroht. Man werde 25 Prozent Zölle auf alle iPhones erheben, die das Unternehmen im Ausland produziert, aber in den USA verkaufen möchte, teilte Trump im Mai 2025 auf seiner Plattform "Truth Social" mit. Bürogebäude in Florida Ein Sprecher der Trump-Organisation hatte dem "Wall Street Journal" derweil zu Beginn der Kampagne die Standorte genannt, an denen das T1 produziert werden sollte: Alabama, Florida und Kalifornien . Zudem soll der Kundenservice in St. Louis ansässig sein. Wo genau die Produktionsstätten liegen und ob sie überhaupt existieren, ist unklar. Als Firmenstandort von Trump Mobile gibt das Handelsregister im Bundesstaat Florida die Büroadresse eines Anwalts in dem Ort Palm Beach Gardens an. Das Gebäude liegt etwa 20 Autominuten nördlich von Trumps Golfanlage Mar-a-Lago, in der der US-Präsident für gewöhnlich seine Wochenenden verbringt. Das Versprechen eines vollständig in den USA gefertigten Smartphones wurde schon kurz nach dem Start der Webseite wieder entfernt. Gründe dafür wurden nicht genannt. Experten wie Tinglong Dai hatten allerdings bezweifelt, dass unter den aktuellen Bedingungen Smartphones überhaupt in den USA gebaut werden können. Er ist Professor für Operations Management und Business Analytics an der Carey Business School der Johns Hopkins University. "Absolut unmöglich" "Es ist absolut unmöglich, den Bildschirm, den Speicher, die Kamera, den Akku, einfach alles in den USA herzustellen", sagte Dai dem "Wall Street Journal". Laut Dai dauere es "mindestens fünf Jahre", um eine Infrastruktur zu schaffen, die ein solches Handy möglich machen würde. Gründe gibt es dafür viele: Nicht nur der Trump-Organisation würde es aktuell an geeigneten Produktionsstätten, Personal und entsprechenden Lieferketten fehlen. Zudem ist davon auszugehen, dass ein komplett in den USA hergestelltes Handy generell deutlich teurer im Verkauf sein wird. Nach Trumps Zolldrohungen gegenüber Apple wurden etwa mehrere Rechnungen aufgestellt, was ein iPhone "Made in USA" kosten könnte: Die Preise lagen dabei zwischen 1.500 und 3.500 Dollar. Zum Vergleich: Das aktuelle iPhone 17 kostet 799 Dollar. Fünf Jahre Zeit hatte sich die Trump-Organisation für den Verkauf ihres Telefons nicht gegeben. Zu Beginn der Kampagne sollte das Handy bereits im September vergangenen Jahres ausgeliefert werden. Die Veröffentlichung wurde danach mehrfach nach hinten verschoben. Mittlerweile ist auf der Webseite kein konkretes Datum mehr zu finden. Don Hendrickson und Eric Thomas, die für die Trump-Söhne das Handyunternehmen mitverantworten, sagten im Februar dem Portal "The Verge", dass das Smartphone eine behördliche Zertifizierung erhalten habe. Man warte jetzt auf die Freigabe durch den Mobilfunkanbieter T-Mobile . Diese sollte Mitte März abgeschlossen sein. Doch seitdem gibt es keinen neuen Stand. Dass das Handy niemals ausgeliefert werden wird, schließt die Trump-Organisation mittlerweile indes selbst nicht mehr aus. In den Geschäftsbedingungen, die Anfang April erneuert wurden, heißt es, dass es sich bei den Lieferterminen um "unverbindliche Schätzungen" gehandelt habe. Trump Mobile übernimmt zudem "keine Garantie dafür, dass das Gerät auf den Markt kommt", heißt es dort wortwörtlich. Auf der Seite werden mittlerweile auch umgerüstete Modelle von Apple und Samsung mit dem Trump-Tarif angeboten. Unklar ist auch, was mit bereits geleisteten Anzahlungen passieren wird. Auf der Webseite heißt es, dass eine vollständige Rückerstattung beantragt werden kann, sofern das Smartphone noch nicht geliefert wurde. Eine automatische Rückerstattung wird es laut Trump Mobile nur geben, falls die Produktion des Telefons offiziell eingestellt wird. "Irreführende Werbung" Wie viele Anzahlungen bislang geleistet wurden, ist nicht bekannt. Im Internet berichten mehrere Medien von mehreren Hunderttausend Vorbestellungen, was einer Summe in Millionenhöhe entsprechen würde. Allerdings gibt es für diese Zahl keine unabhängigen Belege. Trump Mobile hat bislang zu den Vorbestellungen keinerlei Angaben gemacht. Die Ungereimtheiten bei Trump Mobile haben auch die Demokratische Partei auf den Plan gerufen. Im Januar hatte die Senatorin von Massachusetts, Elizabeth Warren, gemeinsam mit weiteren Abgeordneten einen Brief an die Verbraucherschutzbehörde FTC geschrieben. Darin kritisierten die Politiker "irreführende Werbung" und "betrügerische Praktiken" hinter Trump Mobile. Die Politiker gehen davon aus, dass Trump unter anderem durch die falsche Angabe, dass das Telefon "Made in USA" sei, gegen Verbraucherschutzgesetze verstoßen haben könnte. Ob die FTC den Vorwürfen nachgegangen ist, ist bislang nicht bekannt. Auf eine Anfrage von t-online reagierte weder die FTC noch die Trump-Organisation. "Wirklich schön" Eine Möglichkeit gab es allerdings doch, um mit einem Vertreter von Trump Mobile ins Gespräch zu kommen. Denn die Webseite gibt auch die Telefonnummer eines Kundendienstes an. Wer die Nummer wählt, hört zunächst eine Bandansage und wird anschließend an einen Mitarbeiter weitergeleitet. Auf die Frage von t-online, wie viele Handys bislang bestellt wurden oder wann sie ausgeliefert werden, hatte die Mitarbeiterin von Trump Mobile allerdings keine Antwort. Man erhalte eine E-Mail mit einer Nachverfolgungsnummer, sobald die Handys verschickt werden, wiederholt die Frau mehrfach. Sie habe die Telefone zudem schon gesehen. Diese seien "wirklich schön". Auch ihre Mutter habe sich bereits eines davon bestellt.