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Lage im Libanon: kein Kriegsende in Sicht

Im Libanon haben Aussagen von US-Präsident Donald Trump wieder einmal Hoffnung auf Frieden geschürt. Doch eine Deeskalation ist nicht in Sicht. Wie geht es weiter? Nach dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Stopp der gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah herrscht im Libanon Ungewissheit und Skepsis. Im Süden des Landes kommt es nach libanesischen Angaben weiter zu israelischen Angriffen. In der Hauptstadt Beirut und seinen Vororten war ein Moment der Erleichterung spürbar. Gleichzeitig sind ab heute weitere Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Vertretern in der US-Hauptstadt Washington angesetzt. Sie gelten als Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Beruhigung der Lage. Trump spricht von Angriffsstopp US-Präsident Donald Trump hatte am Montagabend nach Tagen der Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz Hoffnung auf eine Entschärfung der Situation geschürt. Israel und die Hisbollah würden ihre gegenseitigen Angriffe zunächst stoppen, erklärte er auf seiner Plattform Truth Social . Zudem werde Israel keine Truppen in die libanesische Hauptstadt Beirut entsenden. Libanons Präsident Joseph Aoun erklärte kurz nach Trumps Aussagen, der angekündigte Stopp israelischer Angriffe auf die Hisbollah beziehe sich zunächst auf die südlichen Vororte der Hauptstadt Beirut. Dort hatte das israelische Militär seit Inkrafttreten einer offiziellen Waffenruhe Mitte April ohnehin seine Angriffe deutlich eingeschränkt. Israel hatte jedoch vor Trumps Ankündigung damit gedroht, diese erneut anzugreifen und die Bewohner der als Dahija bekannten Vororte ein weiteres Mal zur Flucht gedrängt. Von israelischen Truppen in Beirut oder auch nur Plänen dazu war bis zu Trumps Aussagen nichts öffentlich bekannt. Israels Militär war in den vergangenen Wochen zwar so weit ins Landesinnere des Libanons vorgedrungen wie seit mehr als 25 Jahren nicht - die Truppen sind aber noch weit von der Hauptstadt entfernt. "Ich denke, dass die Regierung Netanjahu eine dauerhafte Besatzungszone einrichten möchte im Süden Libanons", sagte der Nahost-Experte Daniel Gerlach den ARD-"Tagesthemen" am Montagabend. Von Truppen in Beirut sei jedoch bisher keine Rede gewesen. "Es war die Rede von Luftangriffen auf Dahija", so Gerlach. Ungeachtet des von Trump verkündeten Stopps gegenseitiger Angriffe erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am späten Montagabend, Israels Armee werde ihren Einsatz im Südlibanon wie geplant fortsetzen. Sollte die Hisbollah außerdem ihre Angriffe auf israelische Städte nicht einstellen, werde Israel wieder in Beirut angreifen, schrieb Netanjahu auf X. Libanon meldet weitere Angriffe - Israel fängt Geschosse ab Bereits am Morgen gab es aus beiden Ländern wieder Berichte über Angriffe. Libanons staatliche Nachrichtenagentur NNA schrieb am Morgen von mehreren israelischen Attacken im Südlibanon mit mindestens einem Toten. Die libanesische Armee - die nicht am Konflikt beteiligt ist - meldete zwei verletzte Soldaten nach einem israelischen Drohnenangriff. Über weiten Teilen Beiruts waren nach Angaben von dpa-Reporterinnen seit dem Morgen erneut Drohnen zu hören. In Israel wurde in der Nacht in mehreren Gebieten Luftalarm ausgelöst, wie die Armee mitteilte. Zwei Geschosse aus dem Libanon seien abgefangen worden. Ein weiteres "feindliches Flugobjekt" sei auf israelischem Gebiet abgestürzt. Gespräche in Washington werden fortgesetzt In Washington gehen unterdessen die direkten Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern an diesem Dienstag in die vierte Runde. In früheren Runden wurde eine Waffenruhe erklärt oder verlängert. Die Hisbollah selbst ist nicht an den Gesprächen beteiligt. Sie sieht Verhandlungen als Kapitulation und lehnt eine geforderte Entwaffnung ab. Der Libanon und Israel pflegen keine diplomatischen Beziehungen und haben nie ein Friedensabkommen geschlossen. Die im April begonnenen Treffen in Washington sind die ersten direkten politischen Gespräche seit Jahrzehnten. Die libanesische Regierung, die keine Kriegspartei ist, will vor allem eine dauerhafte Waffenruhe durchsetzen. Israel will eine Entwaffnung der Hisbollah und strebt dauerhaft einen Friedensprozess an. Libanons Präsident Aoun hatte erst am Montag betont: "Verhandlungen sind sicherer als Krieg". Er dämpfte gleichzeitig die Hoffnung auf baldige Lösungen. Trotz der deklarierten Waffenruhe ist der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nicht zum Stillstand gekommen. Insbesondere im Libanon kommt es immer wieder zu Toten, es werden jedoch auch immer wieder israelische Soldaten durch Hisbollah-Sprengstoffdrohnen getötet, was den Druck auf Netanjahu in Israel verstärkt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut wurden seit Ausbruch der aktuellen Eskalation Anfang März im Libanon mehr als 3.400 Menschen getötet. "Ungewissheit ist zermürbend" Innerhalb der libanesischen Gesellschaft bleibt die Skepsis indes groß. Nach Netanjahus Ankündigung vom Montagmorgen, erneut in den Beiruter Vororten angreifen zu wollen, waren Tausende Menschen im Laufe des Montags ein weiteres Mal aus dem Gebiet geflohen. Am Dienstagmorgen war zu sehen, wie viele von ihnen zurückkehrten. "Diese Ungewissheit ist zermürbend", sagte Fatima, die ebenso zurückkehrte, der Deutschen Presse-Agentur. Auf den Straßen in Richtung Dahija bildeten sich lange Staus mit vollgepackten Autos. "Israel wird sich sowieso an keine Vereinbarung halten", sagte ein anderer Rückkehrer. "Wir werden in unsere Häuser zurückkehren."

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