Konjunktur: Firmenpleiten in Thüringen sinken – bundesweit Anstieg
Firmen in Thüringen melden deutlich seltener Insolvenz an als im Bundesschnitt. Creditreform sieht vor allem den Branchenmix und die regionale Wirtschaftslage als Ursachen.
Die Zahl der Firmenpleiten in Thüringen ist entgegen dem bundesweiten Trend gesunken. Nach Hochrechnungen der Auskunftei Creditreform werden bis zum Ende des ersten Halbjahres im Freistaat 120 Unternehmen Insolvenz angemeldet haben. Das wären 29,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Thüringen zählt damit zu den fünf Bundesländern, in denen die Zahl der Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr gesunken ist.
Zudem hat der Freistaat mit 37 Insolvenzen pro 10.000 Unternehmen weiterhin die niedrigste Insolvenzquote in Deutschland. Negativer Spitzenreiter ist Berlin mit 120, deutscher Durchschnitt sind 82 Insolvenzen je 10.000 Firmen.
Als Grund für die Unterschiede zwischen den Bundesländern nennt Creditreform unter anderem den Branchenmix. Wo es viele Betriebe aus Baugewerbe, Einzelhandel oder Gastgewerbe gebe, sei die Quote oft höher. Allerdings spiele auch die allgemeine wirtschaftliche Lage einer Region eine wesentliche Rolle - unter anderem die Kaufkraft der Bevölkerung oder die Lage am Arbeitsmarkt.
Höchster Stand seit 2013
Bundesweit dürfte die Zahl der Firmenpleiten der Auskunftei zufolge bis Ende Juni auf 12.900 steigen. Das sei der höchste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2013. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession seien viele Unternehmen finanziell geschwächt.
„Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen, die durch den Konflikt im Nahen Osten noch mal verschärft wurde“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Vor allem der starke Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise habe Unternehmen und Verbraucher belastet.
Bei den Privatinsolvenzen setzt sich der Negativtrend ebenfalls fort. Laut Studie steigt die Zahl im ersten Halbjahr bundesweit auf 38.800 Fälle - 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg fiel geringer aus als in den beiden Vorjahren.