Wanderherausforderung: Auf 3.500 Kilometern durch Europa wandern
Eine Wanderherausforderung namens „Wolf Trail“ verbindet sechs europäische Länder. Für die gesamte Strecke braucht es mehrere Monate.
Er beginnt zwischen Sandstränden und Wäldern und endet in der Nähe des idyllischen Triest: Der „Wolf Trail“ ist eine neu zusammengestellte Fernwanderroute quer durch Europa. Auf rund 3.500 Kilometern führt der Pfad von der polnischen Halbinsel Hel an der Ostsee bis zur oberen Adria in Italien. Dazwischen liegen zahlreiche Stopps in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Slowenien.
Die Wolfsroute hat dabei wohl recht wenig mit den Raubtieren an sich zu tun, auch wenn diese unter anderem in Europa verbreitet sind. Der Name geht auf das Unternehmen Jack Wolfskin zurück, das Outdoor-Ausrüstung herstellt, und hinter der Herausforderung steckt. Neu angelegt wurde für den „Wolf Trail“ dabei kein eigener Wanderweg. Die Route verbindet bereits bestehende und bekannte Wege und Streckenabschnitte zu einem Ganzen.
Die Wanderung dauert mehrere Monate
Der „Wolf Trail“ soll offenbar das Konzept des Thru-Hikings bekannter machen. Damit sind Fernwanderungen gemeint, bei denen eine lange Strecke möglichst zusammenhängend in einer Tour zurückgelegt wird. Wer diese Route vollständig gehen möchte, sollte laut dem Hersteller etwa vier bis sechs Monate dafür einplanen. Und wer tatsächlich die komplette Route wandert, muss demnach insgesamt mit rund 78.400 Höhenmetern an Aufstieg und fast genauso vielen Höhenmetern an Abstieg rechnen.
Eine Komplettwanderung ist allerdings kein Muss. Der Weg wurde in sieben große Etappen aufgeteilt, die sich auch einzeln angehen lassen. Zudem gibt es zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten für kürzere Touren. Damit richtet sich das Projekt nicht ausschließlich an Menschen, die ein halbes Jahr mit dem Rucksack unterwegs sein möchten. Auch einzelne Urlaubswochen oder Tageswanderungen lassen sich entlang der Strecke planen. Ohne Vorbereitung sollte allerdings niemand starten.
„Wolf Trail“: Wo es langgeht
Für Einsteiger sind vor allem Abschnitte zu Beginn des „Wolf Trail“, die größtenteils recht flach verlaufen, besser geeignet. Hier eine stark vereinfachte Übersicht: Los geht es wie bereits erwähnt auf Hel. Die erste Etappe führt laut den vom Hersteller auf „outdooractive.com“ gemachten Angaben auf nicht ganz 429 Kilometern nach Swinemünde. Der zweite Abschnitt ist von der Ostseeinsel Usedom bis nach Geesthacht konzipiert. Sind diese rund 543 Kilometer zurückgelegt, warten auf der dritten Etappe gut 487 Kilometer bis nach Marsberg. Von dort geht es auf 583 Kilometern weiter nach Bad Dürkheim.
Gut 582 Kilometer warten danach auf dem Abschnitt bis nach Konstanz auf Wanderinnen und Wanderer. Das Tor zu den Alpen eröffnet sich auf etwa 394 Kilometern während des weiteren Wegs nach Bozen. Von hier aus steht die letzte und beschwerlichste Etappe auf 591 Kilometern an, die am Meer im kleinen Muggia bei Triest endet. Vor allem auf den Alpenabschnitten sind Kondition, Trittsicherheit und Erfahrung gefragt.
Vorsicht: Laut Angaben auf der Webseite ist ein Abschnitt auf der sechsten Etappe zwischen der Burschlwand und der Bäuerinnenkapelle auf dem Wanderweg E5 noch längere Zeit gesperrt. Eine Umleitung in diesem Bereich soll es demnach voraussichtlich bis ins Jahr 2030 geben. Außerdem ergeben die hier gemachten Angaben einen Gesamtweg von mehr als 3.600 Kilometern. An anderer Stelle sind 3.493 Kilometer angegeben. Woher diese Differenz stammt, ist nicht ersichtlich.
Der „Wolf Trail“ ist damit kein klassischer Wanderweg für einen spontanen Wochenendausflug, sondern kann wohl eher als Baukasten für unterschiedlichste Abenteuer in Europa verstanden werden. Die gesamte Strecke dürfte nur für wenige Menschen realistisch zu bewältigen sein. Eine davon ist die kanadische Thru-Hiking-Expertin und Content Creatorin Lauren Roerick. Sie nahm in den vergangenen Wochen ihre Followerinnen und Follower mit auf den „Wolf Trail“ und bewirbt damit das Projekt. Im Juni kam es zu einer kuriosen Situation, die man beim Thru-Hiking erleben kann: Roerick wachte in den Schweizer Alpen in ihrem Zelt auf, das von Kühen umringt war.