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Peter Maffay übt Kritik an Regierung: "Wünsche mir mehr Kompetenz"

Peter Maffay ist Rockstar, Ehemann und zweifacher Vater. Im t-online-Interview sprechen er und Hendrikje Balsmeyer über Kindergeburtstage, ihr Familienleben und einen Eklat. Geburtstage bestimmen dieser Tage das Leben von Peter Maffay : An diesem Sonntag wird der Musiker 77 Jahre alt. Wenige Tage zuvor ist "Anouk und das Geburtstagswunder" erschienen, das neue Kinderbuch von ihm und seiner Frau Hendrikje Balsmeyer – diesmal dreht sich alles um einen Kindergeburtstag. Die nach der gemeinsamen Tochter benannte Reihe feiert 2026 fünfjähriges Jubiläum. Wie bei den Maffays gefeiert – und geschenkt – wird, verrät das Paar im Gespräch mit t-online. Die beiden erzählen von ihrem Alltag als Patchworkfamilie und davon, was ihre Ehe trägt. Maffay sagt, was das Älterwerden mit ihm macht, erklärt, warum er mit Sorge auf die Demokratie blickt, äußert sich zu seinem Auftritt bei den Regensburger Schlossfestspielen – und zum Spott von Gloria von Thurn und Taxis. t-online: Wer plant bei Ihnen zu Hause die Kindergeburtstage – und wer steht dabei manchmal kurz vor dem Nervenzusammenbruch? Peter Maffay: Nervenzusammenbrüche hat es bis jetzt noch nicht gegeben, Gott sei Dank (lacht). Aber die bessere und fantasievollere Planerin ist eindeutig Hendrikje. Ich stehe eher am Rand und erledige, was anfällt. Den Überblick hat Hendrikje, die sich auch ganz wunderbar um den Ablauf kümmert. Sie macht das über all die Jahre, die wir uns kennen, immer mit so viel Empathie. Da kann ich nicht mithalten. Hendrikje Balsmeyer: Kindergeburtstage sind heutzutage – auch wenn man das nicht laut sagen möchte – ein Konkurrenzprogramm, auch unter Eltern. Mittlerweile erhält zum Beispiel jeder Gast noch ein eigenes Geschenk zum Abschied. Das ist ein echtes Problem. Gleichzeitig möchte man nicht die Familie sein, die das als Einzige nicht macht. "War keine Option": Peter Maffay bricht Familienurlaub ab Peter Maffay: "Konnte nicht singen, weil mir die Tränen kamen" Wie gehen Sie mit diesem Druck um? Hendrikje Balsmeyer: Unser Vorteil ist, dass wir den Bauernhof haben (Gut Dietlhofen in Oberbayern; Anm. d. Red) und ihn auch für Kindergeburtstage nutzen. Eine Schatzsuche in dieser Kulisse oder die Tiere dort sind immer noch mal etwas ganz Besonderes – für die Kinder wie für die Eltern. Wenn Peter dann noch den Traktor rausholt und eine Runde damit fährt, ist das immer ein echtes Highlight. Wie feiern Sie den Geburtstag Ihrer Tochter Anouk für gewöhnlich? Hendrikje Balsmeyer: Unsere Tochter hat im November Geburtstag, und das Wetter war im vergangenen Jahr nicht so schön. Da waren wir zur Geburtstagsfeier in der Kletterhalle. Man darf aber nicht vergessen, dass das für viele Familien mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden ist. Ich glaube, wenn man Kinder selbst fragen würde, wäre es gar nicht mal die Kletterhalle oder der Freizeitpark. Aber Erwachsene mischen sich dabei oft sehr ein, und dann artet es aus. Um einen Kindergeburtstag geht es auch in Ihrem neuen Buch "Anouk und das Geburtstagswunder". Wie ist es für Ihre Tochter, dass eine ganze Buchreihe nach ihr benannt ist? Peter Maffay: Sie weiß, dass sie der Grund für diese Geschichten ist, macht daraus aber kein Aufsehen und sieht sich nicht in irgendeiner Sonderrolle. Das würden wir auch unbedingt vermeiden. Frau Balsmeyer, was macht Sie und Ihren Mann zu einem guten Team? Hendrikje Balsmeyer: Wir ergänzen uns unheimlich gut. Auch, weil unsere Interessen sehr ähnlich sind. Das war am Ende wahrscheinlich auch der Grund, weshalb wir zusammengekommen sind. Wir interessieren uns für die gleichen Themen, wir haben dieselben Vorstellungen vom Leben, und wir ticken sehr ähnlich. Das ist gut, und das hat sich seit elf Jahren so bewährt. Und jetzt kommen die nächsten elf. Und was schenkt man einem Peter Maffay zum Geburtstag, Frau Balsmeyer? Hendrikje Balsmeyer: Das ist in der Tat immer wieder eine Herausforderung, sowohl zu Weihnachten als auch zum Geburtstag. Peter hat viele Interessen – von Natur über Landwirtschaft bis hin zur Musik gibt es da einige Anhaltspunkte für ein Geschenk. Aber gleichzeitig weiß man, dass er alles hat, was ihm wichtig ist. Deswegen gibt es oft Geschenke ideeller Art wie ein selbstgebasteltes Fotoalbum. Und funktioniert das? Peter Maffay: Oftmals läuft mein Versuch ins Leere, weil die Leute es gut meinen, und ich werde trotzdem beschenkt. Ich mag es lieber klein und nicht so auffällig oder opulent. Ganz nebenbei haben dann auch alle weniger Stress. Hendrikje Balsmeyer: Aber Peter kann auch nicht negieren, dass er sich darüber freut, wenn sich Menschen Gedanken machen und ihm etwas schenken. Peter Maffay: Salopp gesagt, versuche ich immer, auf die Bremse zu treten. Ich bitte jedes Mal inständig darum, dass man diesen Aufwand vermeidet – die großen Dinge, mit denen man glaubt, eine Freude zu machen, sind nicht entscheidend. Peter Maffay: Das stimmt. Hendrikje Balsmeyer: Er bekommt unheimlich viele kleine Aufmerksamkeiten von seinen Fans. Da werden regelrecht Listen gemacht, und er versucht, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür zu bedanken. Herr Maffay, Sie werden 77. Macht das irgendwas mit Ihnen? Peter Maffay: Es macht mich älter. Ein Jahr ist in Windeseile um. In dieser vorletzten Sequenz meines Lebens läuft die Zeit in meiner Wahrnehmung immer schneller ab. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass unsere Familie in den letzten Jahren gewachsen und Anouk dazugekommen ist. Das ist ein entscheidender Faktor. Inwiefern? Peter Maffay: Sie hat unser Leben mit einer enormen, sanften Macht verändert. Das registriert sie nicht, aber wir merken es. Unser Leben hat sich so stark auf die beiden Kinder ausgerichtet. Yaris (Maffays erwachsener Sohn; Anm. d. Red.) lebt ja auch mit uns zusammen. Diese Viererbande – vielleicht kann man sie auch als Kleeblatt bezeichnen – funktioniert sehr schön. Aber es hat auch Tempo. Die Protagonisten sind unsere Kinder, und sie beschleunigen unser Leben enorm. Wir alle wissen, dass die Zeit, die wir Menschen haben, am Ende endlich ist. Darüber macht man sich auch Gedanken. Aber ansonsten beschäftige ich mich nicht mit den läppischen 77 Jahren. Solange uns der liebe Gott Gesundheit schenkt, sind wir gefordert, damit etwas anzufangen und die Zeit gut zu nutzen. Frau Balsmeyer, Ihr Mann ist kürzergetreten, um mehr vom Aufwachsen Ihrer gemeinsamen Tochter mitzubekommen. Wie hat das Ihr Zusammenleben verändert? Hendrikje Balsmeyer: Er macht ja immer noch Musik, teilt sie sich aber besser ein: Es sind nicht mehr ganze Monate geblockt, sondern eher Wochenenden. Und wenn er dann mal zu Hause ist? Hendrikje Balsmeyer: Dann sind wir ein klassischer Haushalt wie jeder andere auch. Peter macht unserer Tochter morgens das Frühstück, bringt sie zur Schule und geht danach einkaufen. Unser Leben ist so normal, dass man es schon als langweilig bezeichnen könnte – was es natürlich nicht ist. Herr Maffay, so viel zu Hause wie jetzt waren Sie in Ihrer ganzen Karriere nicht, oder? Peter Maffay: Da sind rasant 56 Jahre ins Land gegangen, in denen ich mit Musik unterwegs war, und zwar in sehr intensiver Form. Es gab Jahre, in denen ich bestenfalls einen, höchstens zwei Monate zu Hause war. Das klingt nach einem harten Pensum. Peter Maffay: Dieses Leben hat mir sehr viel bedeutet, denn es brachte hochinteressante Begegnungen mit Menschen mit sich, die – ohne es vielleicht zu wissen – meinen Blick auf das Leben geprägt haben. Aber in den letzten Jahren haben die Kinder mein Leben enorm verändert. Deswegen fokussiere ich mich jetzt auf meine Familie – mit der Folge, dass ich weniger unterwegs bin, aber noch so viel, dass ich in Bewegung bleibe. Meine Musik ist in der Zeit, in der sie stattfindet, sehr heftig – Konzerte, Studioaufnahmen. Daran hat sich nichts geändert. Aber ich versuche, alles zu komprimieren, um mehr zusammenhängende Zeiträume für die Familie und vor allem für die Kinder zu schaffen. Sie richten Ihr Leben gerade ganz auf die Kinder aus. Welche Werte wollen Sie Anouk mitgeben? Hendrikje Balsmeyer: Ganz vorn stehen – gerade in der heutigen Gesellschaft – Empathie, Respekt und Toleranz. Ich wünsche mir einfach, dass unser Kind so frei wie möglich aufwächst und nach seinem Urinstinkt handelt. Empathie, Respekt, Toleranz – wie blicken Sie mit diesen Maßstäben gerade auf Deutschland? Peter Maffay: Mit einer gewissen Sorge, die vermutlich in allen arbeitet, die für demokratische Werte einstehen und sich deren Erhalt wünschen. Demokratie ist nicht nur in unserem Land, sondern auf der ganzen Welt bedroht. In unserem Land merken wir einfach das Gefälle in unserer Gesellschaft und die Unzufriedenheit der Menschen, die sich von der Politik nicht abgeholt fühlen. Ich wünsche mir mehr Kompetenz in der Riege unserer Entscheidungsträger. Im Augenblick habe ich das Gefühl, dass es dort eine an Chaos grenzende Situation gibt. Was befürchten Sie konkret? Peter Maffay: Ich hoffe, dass das nicht zu einem Erdrutsch in unserer Gesellschaft führt. Denn dann ist aus meiner persönlichen Sicht die Perspektive der Kinder und der Generationen, die nach uns folgen, bedroht. Ich wünsche mir vor allem, dass wir keine weiteren Eskalationen und kriegerischen Auseinandersetzungen haben werden und die bestehenden endlich beenden können. Daran habe ich aber meine Zweifel. Ich bin Pazifist und merke, dass dieses Wort zu einem Unwort geworden ist. Man wird als Pazifist gerade auch von denen verteufelt, die eigentlich für Frieden einstehen und eine Wiederholung unserer Geschichte nie wollten. Sehen Sie trotzdem einen Weg aus dieser Spaltung? Peter Maffay: Ich bin kein Pessimist, sondern Optimist. Ich glaube, dass es machbar ist, über den eigenen, manchmal kleinen Tellerrand hinaus dialogfähig zu bleiben – mit Menschen, die anderer Meinung sind oder aus anderen Kulturkreisen kommen. Ich glaube, dass man gemeinsame Nenner erzeugen kann und auch muss. Sonst werden wir nicht die Kraft besitzen, die großen Herausforderungen wie den Klimawandel oder die Spaltung der Gesellschaft in den Griff zu bekommen oder zumindest einzudämmen. Was kann denn jeder Einzelne konkret dafür tun? Peter Maffay: Man kann die Richtigen wählen. Man kann auf die Straße gehen. Man kann sich artikulieren und positionieren. Man sollte sich auch mit unserem Grundgesetz auseinandersetzen und sich vor allem dazu bekennen. Das ist unsere Pflicht. Wenn wir das nicht tun, vertun wir eine Chance und verlieren die Errungenschaften, die unsere Demokratie hervorgebracht hat. Positioniert haben Sie sich zuletzt in Regensburg: Bei den Schlossfestspielen haben Sie das Schloss auf der Bühne als "belasteten Ort" bezeichnet und sich von der Gastgeberin distanziert. Gloria von Thurn und Taxis hat Sie daraufhin in einem Instagram-Video verspottet. Wie haben Sie das erlebt? Peter Maffay: Das Konzert in Regensburg war eine öffentliche Veranstaltung. Frau von Thurn und Taxis hat den Ort an einen Veranstalter abgegeben, der dort Konzerte organisiert. Auf der Bühne habe ich gleich zu Beginn gesagt, dass wir nicht für sie spielen, sondern für unser Publikum – und wir uns von den Belastungen distanzieren, die auf diesem Ort ruhen. Die Gründe für diese Belastungen kennen Sie, die muss ich nicht wiederholen (Der Fürstin, Schirmherrin der Schlossfestspiele, wird seit Jahren eine Nähe zur AfD und zu rechten Positionen vorgeworfen; Anm. d. Red.). Damit haben wir uns positioniert. Und das tun wir nicht nur in Regensburg, sondern jedes Mal, wenn wir irgendwo auf die Bühne gehen. Natürlich habe ich mitbekommen, auf welche Art und Weise sie darauf reagiert hat. Damit disqualifiziert sie sich selbst. Ich hatte das Gefühl, dass da Alkohol im Spiel war. Das ist einfach unnötig und hat mit einer klaren Auseinandersetzung mit der Situation absolut nichts zu tun. Und damit möchte ich es auch belassen. Darauf weiter einzugehen, macht aus meiner Sicht keinen Sinn.

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