Seit ihrer Jugend steht sie vor der Kamera. Inzwischen hat sich Wolke Hegenbarth mehrere weitere Standbeine aufgebaut. Im Interview mit t-online spricht sie über Vorurteile und einen Masterplan, der gar keiner ist. Wolke Hegenbarth ist schon lange nicht mehr nur Schauspielerin. Auf ihrem Instagram-Kanal stellt sie sich zudem als Unternehmerin und Coach vor. Welcher Job am meisten Zeit einnimmt und welche Probleme der Schauspielberuf eines Tages mit sich gebracht hat, verrät die 46-Jährige im t-online-Interview. t-online: Für Dreharbeiten waren Sie kürzlich erstmals seit sechseinhalb Jahren wieder längere Zeit nicht zu Hause. Wie war das für Sie? Wolke Hegenbarth: Großartig. Es ist ein wunderbares Geschenk, wieder etwas zu machen, auf das man lange verzichtet hat, obwohl man es wahnsinnig gerne macht. Insgesamt waren es sechs Wochen "Traumschiff"-Dreh, davon vier Wochen am Stück. Ich habe tatsächlich kurz überlegt, den Dreh nicht zu machen, weil es so ein langer Zeitraum ist. Aber mein Mann und ich waren uns einig, dass ich es machen muss. Trotz der langen Trennung von Ihrer Familie? Es war klar, dass das super funktionieren wird. Deshalb konnte ich guten Gewissens gehen. Das ist die Grundvoraussetzung. Und weil ich keine Zweifel hatte, konnte ich den Dreh vollkommen genießen. Begegnen Ihnen dabei noch immer unterschiedliche Maßstäbe für Mütter und Väter? Natürlich. Wenn der Mann auf Geschäftsreise ist, sagen alle: Passt schon. Aber wenn die Mutter weg ist, geht bei den meisten der Puls hoch. Das ist schon sehr interessant. Ich habe mich die letzten sechs Jahre sehr intensiv um mein Kind gekümmert. Ich darf mal weg sein. Viele Mütter erlauben sich das gar nicht. Da würde ich gerne etwas verändern. Was müsste sich verändern? Es muss sich natürlich strukturell etwas ändern. Aber es wäre doch toll, wenn bewusst Raum dafür geschaffen würde, dass Männer mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Das zieht leider einen ganzen Rattenschwanz nach sich, angefangen beim ungleichen Gehalt. Aber für die Beziehung zwischen Kind und Vater ist es ein großer Gewinn, viel Zeit zu zweit zu haben. Das geht nur, wenn die Mutter auch mal weg ist und arbeiten kann. Diese Zeit war ein Gewinn für uns alle. Deshalb müsste generell an diesen Strukturen gerüttelt werden. Die Geburt Ihres Sohnes hat auch Ihre Arbeit als Schauspielerin verändert. Warum? Als ich Mutter geworden bin, habe ich gemerkt, dass ich seit 2007 eigentlich nie dort gedreht habe, wo ich wohne. Für die Arbeit musste ich immer meine Koffer packen und umziehen, mal in eine Ferienwohnung im Harz, mal in ein Hotel in München . Ich habe das geliebt, aber als Mutter wollte ich meine Familie nicht ständig wochenlang verlassen. Ich liebe meinen Beruf sehr, aber da musste ein harter Kompromiss her. Der Preis war mir zu hoch. Hätten Sie weiter regelmäßig gedreht, wenn es entsprechende Angebote in Berlin gegeben hätte? Natürlich, aber die gab es nicht. Dadurch war plötzlich Platz für andere Dinge, die schon länger in mir geschlummert haben. Als Mutter habe ich vieles hinterfragt. Ich habe mich geöffnet, dann ist mir vieles zugeflogen. Mit einer Freundin mache ich jetzt seit vier Jahren Coachings, und mit der Autorin und Gründerin Kristina Lunz veröffentliche ich ab Oktober unseren Podcast "Icons". Darin reflektieren wir mit spannenden Frauen wie Annalena Baerbock oder Collien Fernandes ihre Lebenswege. Ich hatte keinen Masterplan. Das ist vielleicht mein Plan. Den Drang, neben der Schauspielerei andere Dinge auszuprobieren, hatten Sie aber schon früher? Tatsächlich schon immer. Als ich mit 15 Jahren mit der Schauspielerei angefangen habe, dachte ich: Gut, ich mache das jetzt als Hobby. Ich war immer sehr offen. Dann waren "Die Camper" sehr erfolgreich, und "Mein Leben & Ich" wurde ein Superhit. Alles ein Zufall, aber dann lief es vor der Kamera einfach weiter. Heute machen Sie auch Coachings. Worum geht es dabei genau? Ich coache weibliche Führungskräfte in Präsenz, Auftritt und Wirkung. Viele Menschen sind auftrittsscheu, aber eben ansonsten gut in ihrem Job. Wenn man Angst hat, wirkt man in der Regel nicht besonders überzeugend. Petra und ich haben deshalb eine Masterclass speziell für Frauen und deren Sichtbarkeit entwickelt. Ich betreue aber auch einzelne Personen. Ich kann den Frauen zeigen, wie man sich mit dem Publikum verbindet und Menschen erreicht. Das liegt mir durch die Schauspielerei. Das ist eine ganz spannende Kombination. Schauspielerin, Coach, Unternehmerin, Instagram – welcher dieser Jobs nimmt inzwischen die meiste Zeit ein? Wahrscheinlich schon die Arbeit für Instagram. Ich habe in diesem Jahr auch wieder mehr gedreht, aber im Verhältnis überwiegt Instagram. Ich bin total dankbar, dass ich mir das aufgebaut habe, weil es perfekt in mein Leben passt. In "Einspruch, Schatz!" (Freitag, 25. September 2026, um 20.15 Uhr im Ersten) spielen Sie jetzt ausgerechnet eine überzeichnete Momfluencerin. Gibt es trotzdem Gemeinsamkeiten mit der Figur? Ich zeige auch viel von meinem Leben – nur ganz anders. Ich habe einen großen Instagram-Kanal, insofern bin ich ihr nicht so unähnlich. Ich fand es spannend, dass die Rolle die Frage aufwirft, wie viel Social Media eigentlich gesund ist. Ich bin der Meinung, man sollte seine Kinder dort nicht zeigen und vorführen. Genau das macht sie, und das ist einfach nicht cool. Ich hoffe, dass das zum Nachdenken anregt. Was macht Kinderfotos in sozialen Netzwerken für Sie so problematisch? Ein Foto, das einmal im Netz ist, bekommt man nie wieder raus. Ich glaube, dafür fehlt manchen Menschen noch immer das Bewusstsein. Das ist wie Atommüll. Diese Unkontrollierbarkeit, was mit einem Bild alles passieren kann, sollte man sich einmal vor Augen führen. Insbesondere mit KI . Fotos können inzwischen animiert und zu Filmen verarbeitet werden. Das ist richtig gruselig. Bevor man ein Kinderfoto irgendwo hochlädt, sollte man ganz genau darüber nachdenken. Wie ließe sich das Bewusstsein für solche Risiken verbessern? Wir brauchen ganz dringend Medienkompetenztraining. Da gibt es enormen Nachholbedarf. Eigentlich müsste allen eine Art Handbuch mit Risiken und Nebenwirkungen mitgegeben werden. Eine Bedienungsanleitung, in der erklärt wird, wie Social Media funktioniert, was ein Algorithmus ist, dass man sich in Bubbles befindet, was man alles von sich preisgibt und was mit diesen Informationen passieren kann. Dann könnte man sich mündig entscheiden, wie man damit umgeht. Die meisten machen es umgekehrt. Das ist natürlich problematisch. Wen betrifft dieser Nachholbedarf besonders? Wir haben die Anfänge von Social Media voll mitbekommen. Unsere und die folgende Generation tun sich teilweise schwer damit und lassen sich stark davon beeinflussen. Ich hoffe, dass sich das für die nächste Generation ändert. Ich erkläre meinem Kind möglichst viel und werde Benutzungsregeln aufstellen. Die Schulen hängen ebenfalls hinterher. Aber besonders die Kinder sind vom falschen Umgang der Erwachsenen mit sozialen Netzwerken betroffen. In Hessen sollen Schülerinnen und Schüler ab dem Schuljahr 2027/28 im Pflichtfach "KI und Digitale Welt" lernen, verantwortungsvoll mit digitalen Technologien umzugehen. Reicht es, bei den Kindern anzusetzen? Das ist dringend nötig, aber bitte auch für Eltern und Großeltern. Das ist für uns alle neu, und es kommt ständig Neues dazu. Niemand, der sich nicht intensiv damit beschäftigt, ist auf diesem Gebiet wirklich bewandert. Wenn man die richtigen Einblicke bekommt, verändert das den Blick darauf. Wir haben hier ein Bildungsproblem: Die Institutionen kommen mit den Entwicklungen der globalen Technik und der KI kaum hinterher. Vielen Dank für das Interview, Frau Hegenbarth.