Er spielt wie Manuel Neuer, redet wie Manuel Neuer und soll ihn bald beerben. Jonas Urbig tritt aus dem Schatten seines Mentors – und das schneller als gedacht. Aus München berichtet Julian Buhl Es würde wenig überraschen, wenn beim Deutschen Fußball-Bund und seinem Getränke-Sponsor Coca-Cola schon Pläne für eine Neuauflage eines 2014 produzierten Werbespots in der Schublade liegen würden. Darin sitzt ein Paar auf der Couch, schaut Fußball und trinkt die zuckerfreie Variante der Koffein-Brause. Die junge Frau sagt zu ihrem Partner: "Wenn du willst, kannst du alles haben. Wenn du willst, bin ich gar nicht deine Freundin, sondern Manuel Neuer ." Und verwandelt sich im nächsten Moment prompt in den Welttorhüter. In der 2026er-Variante würde keine Frau auf der Couch sitzen, sondern Jonas Urbig – und neben ihm Bundestrainer Jürgen Klopp : "Wenn du willst, kannst du alles haben. Wenn du willst, bin ich gar nicht Jonas Urbig, sondern Manuel Neuer." Besondere Spezialeffekte für die folgende Verwandlungsszene wären nicht einmal nötig. Denn Urbig ähnelt Neuer immer mehr. Das steckt hinter dem Bayern-Wirbel: Rummenigge-Attacke auf Hoeneß und Hainer Pro & Contra zum XXL-Kader: Sogar Kimmich ist von Klopp irritiert "Wir sind Feiglinge geworden": Sammer schimpft über deutschen Fußball Auf dem Platz tut er das bereits mit seinem Stil als mitspielender Torhüter und starken Reaktionen auf der Linie. Zudem bringen beide eine herausragende Athletik mit. Europameister Andreas Köpke sieht tatsächlich deutliche Parallelen. "Sein Torwartspiel geht auf jeden Fall in Richtung Neuer", sagte der langjährige Bundestorwarttrainer der "Süddeutschen Zeitung". Vor allem Urbigs "offensive Art" erinnere ihn an Neuer. "Aber vor allem imponiert mir, dass er verlässlich sein hohes Niveau zeigt, obwohl er nur alle paar Wochen spielt. Das ist schon eine Kunst." Köpkes abschließendes Urteil: "Ich traue ihm eine große Zukunft zu." Urbig bringe wirklich alle Voraussetzungen dafür mit, sagt ein Insider t-online, Neuer sowohl beim FC Bayern als auch in der Nationalelf zu beerben. Neben seinen herausragenden Anlagen und Qualitäten als Torhüter sei es vor allem auch seine große Stärke, auf der mentalen Ebene sehr gut und gelassen auch mit extremen Drucksituationen umzugehen. Urbig redet sogar schon genau wie Neuer Auch neben dem Platz muss man bei Urbig und Neuer bisweilen ganz genau hinschauen, wer der beiden jetzt tatsächlich vor einem steht. Nicht nur deshalb, weil die beiden sich optisch zumindest von der Statur her ähneln. Erst kürzlich verblüffte Urbig die Reporter nämlich mit einer Antwort, die Neuer exakt so auch schon einmal gegeben hat. Als Urbig nach dem DFB-Pokalspiel in Osnabrück (4:1) auf das Traumtor zum zwischenzeitlichen 0:1, das er nicht verhindern konnte, von einem Reporter angesprochen wurde, fragte der 23-Jährige nämlich einfach frech zurück: "Warst du schon mal Torwart?" Genau diesen Kniff hatte Neuer vor ziemlich genau einem Jahr nach dem 5:1 in der Champions League gegen Pafos angewandt, als er damals ebenfalls auf den Gegentreffer angesprochen wurde. Urbig lernt von seinem großen Vorbild, das er wohl nach dieser Saison als Nummer eins beim FC Bayern beerben soll. An diese Aufgabe wird er in dieser Saison noch mit wiederkehrenden Einsätzen herangeführt. In zwei der bislang sieben Saisonspiele stand Urbig nun auf dem Platz. Kann Bayerns Nummer zwei Deutschlands Nummer eins sein? Reicht das aber aus, um als Nummer zwei der Bayern womöglich die Nummer eins der Nationalmannschaft zu werden? "Ich finde, ich bin auch in einem Spielrhythmus", sagte Urbig am Mittwochabend bei der DFB-Pressekonferenz vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online). "Ich habe mehr als 30 Spiele bestritten für Bayern München", betonte Urbig selbstbewusst. Es sind sogar bereits 34 Pflichtspieleinsätze, die er seit seinem Wechsel nach München vor anderthalb Jahren im Januar 2025 schon beim Rekordmeister vorzuweisen hat. Urbig spielte sich so auch in den Fokus der deutschen Nationalelf. Schon bei der WM im Sommer war er als vierter Torhüter im DFB-Lager dabei, auch wenn er als solcher nicht offiziell zum Kader zählte. Er wich auch dort Neuer nicht von der Seite, trat quasi immer mit ihm als Duo auf und sammelte so gemeinsam mit seinem Mentor wichtige erste Turniererfahrung. "Manu ist natürlich eine Ikone. Man schaut zu ihm auf", sagte Urbig über das vertraute Verhältnis zu seinem Lehrmeister. "Aber was ich schnell gemerkt habe: Er schaut nicht von oben herab. Manu begegnet einem immer auf Augenhöhe. Wir hatten schnell einen guten Draht." Als t-online am Mittwoch bei ihm nachfragte, ob er schon mit Neuer über sein DFB-Debüt gesprochen habe, musste Urbig unweigerlich grinsen. Er denke mal, dass Neuer ihm "morgen vielleicht noch eine Nachricht schreiben werde", sagte er und erklärte, wie hilfreich der "mit all der Erfahrung und den Titeln, die der Manu gewonnen hat", für ihn sei. "Moment, auf den man sein ganzes Leben hingearbeitet hat" Dass nun auch Klopp in seinem Torwartteam auf Urbig setzt, ist dementsprechend längst keine Überraschung mehr. Genauso wenig, dass Urbig am Donnerstag sein Debüt im Tor der deutschen Nationalelf feiern wird. Die Nations-League-Partie gegen Serbien findet auch noch in der Münchner Arena des FC Bayern statt. Für Urbig gehe damit ein Traum in Erfüllung. Darauf blickte er mit einem "sehr besonderen Gefühl" voraus und sagte: "Das ist ein Moment, auf den man sein ganzes Leben hingearbeitet hat. Ich freue mich einfach, dass ich die Möglichkeit bekomme, hier im eigenen Stadion aufzulaufen." Und freilich auch darauf, seinen Teil dazu beizutragen, damit im dritten Spiel endlich der erste Sieg unter Klopp gelingt. Die Nummer eins der Nationalelf zu sein, soll für ihn aber nicht nur eine Momentaufnahme bleiben, auch wenn Klopp den einstigen Neuer-Rivalen Marc-André ter Stegen "für den Moment" zu seinem Stammtorhüter erklärt hat. Ungeachtet dessen wird Urbig mit Blick auf die EM 2028 dennoch bereits hochgehandelt. Das "Nummer-eins-Thema" sei keins, mit dem er sich jeden Tag beschäftige, sagte Urbig. "Das sind Sachen für die Zukunft. Ich lebe gerne im Hier und Jetzt." Und da liege sein Fokus darauf, "jeden Tag mein Limit zu erreichen". Dass Urbig die Zukunft gehört, daran bestehen aber schon im Hier und Jetzt kaum noch Zweifel – in München sowieso nicht und erst recht nicht bei Bayern-Chefcoach Vincent Kompany . Wenn jemand glaube, dass Urbig nicht irgendwann für Deutschland im Tor stehen werde, "macht er einen großen Fehler", sagte Kompany schon am Tag von Klopps Kaderbekanntgabe vor knapp zwei Wochen. Und schob hinterher: "Der Junge wird sicher irgendwann die Nummer eins sein." Eine Einschränkung machte der Belgier dabei. Wann das sei, ob jetzt in einem oder fünf Jahren, "das wird natürlich Jürgen Klopp entscheiden".