Früher engagierte sich Sky du Mont für die FDP. Mittlerweile bezeichnet er sich als "politisch Heimatlosen". Der 79-Jährige sorgt sich um sein Land – und unterstützt Hape Kerkeling bei dessen Forderung nach einem AfD-Verbot. Sky du Mont spricht exklusiv mit t-online über die Verrohung der Gesellschaft und die Gefahren, die er im Rechtsruck des Landes sieht. Der Schauspieler ist für seine politische Haltung bekannt. Zuletzt machte er diese deutlich, als er sich mit Hape Kerkeling solidarisierte. Im Interview erklärt er, warum er seinen Kollegen Hape Kerkeling verteidigt – auch wenn der seiner Ansicht nach nicht Bundespräsident werden sollte. t-online: Herr du Mont, Sie haben sich öffentlich hinter Hape Kerkeling gestellt, nachdem dieser im Thüringer Landtag eine viel diskutierte Rede gehalten hatte. Was hat Sie an den Reaktionen darauf am meisten erschreckt? Sky du Mont: Die Radikalität. Dass Menschen ernsthaft gefordert haben, man solle ihn "am Kran aufhängen". Das ist kein Kommentar mehr, das ist blanker Hass. Und das Schlimmste: Es kam nicht von irgendwelchen Randgruppen, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. Das zeigt, wie weit die Verrohung schon fortgeschritten ist. Der Weg ins Amt: So könnte Hape Kerkeling Bundespräsident werden Hape Kerkeling deutlich: Diese Botschaft sendet er ins Land Kerkeling hat seine Rede mit der Familiengeschichte begründet: Sein Großvater Hermann war 1942 als politischer Häftling in Buchenwald inhaftiert. War das der richtige Ansatz? Er hat sich nicht als Verfassungsrechtler geäußert, sondern als Nachfahre eines Opfers. Das gibt ihm das Recht, zu sagen: Wer nicht verantwortungsvoll mit unserer Geschichte umgeht, darf keine Verantwortung für die Zukunft dieses Landes übernehmen. Punkt. Sollte die AfD verboten werden? Zumindest sollte geprüft werden, ob ein Verbot rechtlich möglich ist. Die AfD ist keine normale Partei. Sie hetzt nicht nur, sie mobilisiert gezielt gegen die Grundfesten unserer Demokratie. Wenn wir zulassen, dass eine Partei die Abschaffung des Rechtsstaats propagiert, dann haben wir unsere eigene Verfassung verraten. Die AfD findet allerdings immer mehr Zulauf. Laut einigen Umfragen würde die Partei auch bundesweit stärkste Kraft werden, wenn jetzt Wahlen wären. Das ist furchteinflößend – besonders bei unserer Geschichte. Ich verstehe die Unzufriedenheit der Menschen: Die Züge fahren nicht, die Autobahnen sind kaputt, das Internet lahmt. Aber die AfD ist keine Lösung. Was genau meinen Sie damit? Diese Partei hat keine Lösungen für die Probleme der Menschen. Wer sich ernsthaft mit dem Parteiprogramm beschäftigt, erkennt schnell: Die AfD will zurück in eine Zeit, die es so nie gegeben hat. Wie konnte die AfD dann so stark werden? Weil die etablierten Parteien jahrzehntelang geschlafen haben. Die deutsche Industrie hat in Arroganz gelebt und geglaubt, sie sei unantastbar – während die Menschen in strukturschwachen Regionen das Gefühl hatten, abgehängt zu werden. Die FDP hat Kompromisse gemacht, um an der Macht zu bleiben, statt klare Kante zu zeigen. Und die SPD ? Die hat ihre Stammwählerschaft verraten. Das Ergebnis: Millionen politisch heimatloser Bürger, die sich verlassen und verraten fühlen. Sie sind in Argentinien geboren, haben britische und deutsche Wurzeln. Was würden Sie tun, wenn die AfD eine Regierung bilden würde? Meine Eltern sind damals vor den Nazis nach Argentinien geflohen. Sie wollen darauf hinaus, ob ich das auch tun würde? Zum Beispiel. Nein, ich liebe Deutschland – und ich werde dieses Land nicht aufgeben. Es jetzt den Extremisten zu überlassen, wäre nicht nur feige, sondern historisch blind: Gerade jetzt müssen wir Demokraten laut sein und uns engagieren. Diese Lehre der Geschichte sollten wir leben. Was befürchten Sie, wenn die AfD regiert? Ich weiß gar nicht, wo ich da anfangen soll. Aber nehmen wir ein konkretes Beispiel: Dann bricht das Gesundheitssystem zusammen. Wer soll dann noch unsere Alten pflegen? Wer soll in den Krankenhäusern arbeiten? Die AfD lebt in einer Parallelwelt, in der sie glaubt, man könne einfach alle Ausländer abschieben, und alles bleibt, wie es ist. Das ist nicht nur unmoralisch, das ist realitätsfremd. Sie haben die FDP erwähnt, weil diese einst Ihre politische Heimat war … Ja, aber schon länger nicht mehr. Ich bedauere das sehr: Das Fehlen des Liberalismus in Deutschland ist ebenfalls ein Grund für das Erstarken der AfD. Sind Sie seit Ihrer Beziehungskrise mit der FDP ein politisch Heimatloser? Leider ja, das ist das eigentliche Drama: Es gibt keine führenden Politiker mit Verve und Ausstrahlung. Dabei benötigt die Demokratie charismatische Führungspersönlichkeiten – doch die sind nirgends in Sicht. Womit wir wieder bei Hape Kerkeling wären … (lacht) Bei aller Zuneigung für meinen geschätzten Kollegen: Aber er ist kein Politiker und sollte das auch nicht werden. Also ist er kein Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten? Nein. Das Amt braucht jemanden mit politischer Erfahrung, nicht einen Quereinsteiger. Und ich will nicht, dass Hape Kerkeling diesen Angriffen ausgesetzt wird. Wenn du als Bundespräsident einen falschen Satz sagst, landest du direkt auf dem Schafott. Und bitte: Hape Kerkeling hat schon genug durchgemacht. Fehlt Ihnen die alte Bundesrepublik, in der Politik noch sachlich diskutiert wurde? Die gab es nie. Aber es gab eine Zeit, in der man sich wenigstens noch gegenseitig respektiert hat. Heute geht es nur noch um Macht und um die Demontage des Gegners. Das ist kein Politikstil mehr, das ist ein Bürgerkrieg mit anderen Mitteln. Vielen Dank für das Gespräch, Herr du Mont.