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XXXLutz-Chef Alois Kobler: Deutschland hat "brutal viele Möglichkeiten"

Während viele Unternehmen in Deutschland Stellen abbauen oder sogar in die Insolvenz rutschen, wächst der Möbelriese XXXLutz weiter. Im Interview erklärt Deutschlandchef Alois Kobler den Erfolg – und lehnt den deutschen Pessimismus ab. Seit Jahren schon dümpelt die deutsche Wirtschaft vor sich hin. Auch im kommenden Jahr wird vonseiten der Bundesregierung nur ein zartes Wachstum von 1,1 Prozent erwartet. Händeringend sucht die Bundesregierung nach Mitteln und Wegen, eine neue wirtschaftliche Dynamik zu entfachen. Doch die Probleme, die so viele deutsche Unternehmen beklagen, perlen an Alois Kobler, Deutschlandchef des Möbelriesen XXXLutz, nur so ab. Der Firma scheint es sehr gut zu gehen – so gut sogar, dass sie kurz vor der größten Übernahme in ihrer Unternehmensgeschichte steht. XXXLutz will die Porta-Gruppe schlucken und ihren Stellenwert als größtes Möbelunternehmen Deutschlands weiter verfestigen. Beide Firmen warten nur noch auf die Freigabe durch die EU. XXXLutz-Chef zur geplanten Porta-Übernahme: "Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen" Handelschef Genth: "Die Deutschen haben keine Lust aufs Shoppen" Im Interview mit t-online erklärt der gebürtige Österreicher, warum das Möbelgeschäft aus seiner Sicht anders ist als viele andere Wirtschaftszweige, und fordert von den Deutschen, mit etwas mehr Optimismus auf ihr Land zu blicken. Er würde sich nämlich keinen anderen Standort für sein Geschäft wünschen als diesen. t-online: Herr Kobler, die Deutschen halten sich beim Konsum zurück, die Wirtschaft schwächelt. Wie viel Umsatz kostet Sie das derzeit? Alois Kobler: Wir sind nach wie vor ganz gut unterwegs. Natürlich gibt es Monate, in denen wir ein paar Prozent verlieren, und andere, in denen wir ein paar Prozent darüber liegen. Insgesamt sind wir mit unserem Umsatz zufrieden. Sie spüren also gar nicht, dass die Deutschen weniger Möbel kaufen? Doch, einfacher wird es natürlich nicht. Aber Möbel sind in dieser Hinsicht gar keine so schlechte Branche. Wenn die Zeiten gut sind, sagt der Kunde: "Uns geht es gut, machen wir das Wohnzimmer neu, kaufen eine neue Küche oder neue Vorhänge." Wenn die Zeiten schlecht sind, sagt er vielleicht: "Wer weiß, wie das alles ausgeht – dann mache ich es mir wenigstens zu Hause schön." Wenn das Geld knapp wird, verzichtet man aber vielleicht trotzdem auf die neue Couch. Natürlich verändert sich dann möglicherweise der Warenkorb. Aber Einrichten hat für die Menschen weiterhin eine hohe Priorität. Entscheidend ist, dass wir die richtigen Sortimente zum richtigen Preis anbieten. Wenn wir diese Bandbreite abdecken, kommen wir auch durch schwierige Zeiten gut durch. Gleichzeitig kaufen immer mehr Menschen ihre Möbel online. Braucht es das klassische Möbelhaus irgendwann nicht mehr? Nein. Wir haben schon 2012 oder 2013 entschieden: Wenn wir stationär der Erfolgreichste sein wollen, brauchen wir gleichzeitig einen sehr guten Onlineshop. Ich behaupte, dass wir heute unter den klassischen Möbelhändlern online die Nummer eins sind. Warum liefern Sie online dann nicht einfach grundsätzlich kostenlos? Das würde Sie sicherlich hervorheben. Kann man mal machen. Aber als Dauerlösung kostet das unheimlich viel Geld. Unsere Stärke ist eine andere: Wenn Sie bei uns ein Möbelstück bestellen, kommt nicht irgendein Paketdienst und stellt es an die Bordsteinkante. Wir tragen die Ware zumindest ins Haus, und wenn der Kunde möchte, montieren wir sie auch. Das ist eine andere Qualität. Wie stark treffen XXXLutz die derzeitigen Kostensteigerungen? Wo merken wir sie nicht? (lacht) Strom, Energie, Logistik, Möbel – alles wird teurer. Geben Sie diese höheren Kosten an Ihre Kunden weiter? Unser Anspruch ist, unseren Kundinnen und Kunden auch bei steigenden Kosten bestmögliche Preise zu bieten. Wir werben mit "Deutschlands bestem Preis" – ein klares Preisversprechen, das wir ernst nehmen und an dem wir uns messen lassen. Sie expandieren trotzdem weiter, wollen Porta übernehmen. Gibt es einen Punkt, an dem Sie sagen: Jetzt müssen wir angesichts der wirtschaftlichen Lage Standorte schließen oder unsere Expansion stoppen? Solange es weiße Flecken auf der Landkarte gibt, brauchen wir darüber nicht nachzudenken. Wir sind groß und erfolgreich. Aber wir haben den deutschen Markt noch lange nicht besetzt. Viele Unternehmenschefs beschreiben die Lage in Deutschland derzeit wesentlich düsterer als Sie. Warum sind Sie so optimistisch? Schauen Sie sich den deutschen Möbelmarkt an. Der macht knapp 40 Milliarden Euro Umsatz. Und jetzt muss ich ein Minus machen, nur weil es anderen schlecht geht? Nein, muss ich nicht. Der Kuchen ist groß genug. Das klingt fast so, als sei wirtschaftlicher Erfolg für Sie vor allem eine Frage der Einstellung. Eine positive Einstellung gehört sicher dazu. Man kann alles schlechtreden. Ich stelle mir zuerst die Frage: Kann ich an einer Lage etwas verändern? Wenn ich es nicht verändern kann, brauche ich keine Sekunde mehr darüber nachzudenken. Ich beschäftige mich nur mit den Dingen, die ich in der Hand habe. Und was haben Sie in der Hand? Unsere Kosten zum Beispiel. Wir haben rund 3.000 Firmenfahrzeuge, die gerade ziemlich teuren Sprit kaufen müssen. Wir gehen damit um, indem wir überall die günstigsten Tankstellen raussuchen. Ziemlich kleinteiliges Sparen für einen Konzern Ihrer Größe. Genau darum geht es. Muss die Fassadenbeleuchtung wirklich bis 22 Uhr brennen? Muss ich ein Parkplatzschild austauschen, nur weil es nicht mehr ganz neu aussieht, oder hält es noch zwei Jahre? Wir hinterfragen solche Ausgaben. Und das macht bei uns nicht nur einer, sondern jeder, der Verantwortung trägt. Sparen Sie auch beim Personal? Wir setzen auf Teamwork, das fest in unseren Unternehmenswerten verankert ist: Wir erreichen gemeinsam Ziele und unterstützen uns gegenseitig. Fehlt jemand wegen Urlaub oder Krankheit, helfen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen aus. So begegnen wir vorübergehenden Engpässen als Team und behalten zugleich die Kosten im Blick. Das bedeutet für die Mitarbeiter aber auch mehr Belastung. Das gehört für uns zum Teamgeist dazu. Wir haben sehr flache Hierarchien und erwarten, dass sich die Leute gegenseitig unterstützen. Zu Ihrer Unternehmenskultur gehört auch Zielorientierung. Das kann schnell ein anderes Wort für Druck sein. Ja, wenn jemand das als Druck empfindet. Aber wenn ich das als so großen Druck empfinde, dass ich deswegen nicht mehr gut schlafen kann, dann ist es der falsche Job. Muss man so sagen. Das ist ziemlich hart. Wir sagen den Leuten sehr offen, wofür wir stehen: Teamwork, Verantwortung, Zielorientierung und Entwicklung. Das hört sich erst einmal alles gut an, hat aber natürlich auch eine andere Seite. Wir sind kein Unternehmen, in dem Leistung keine Rolle spielt. Wer sich bei uns bewirbt, muss entscheiden, ob diese Parameter zu ihm passen. Und Sie finden trotz Fachkräftemangels genügend Menschen, die sich darauf einlassen? Es wird schwerer, aber wir tun uns noch vergleichsweise leicht. Wir haben inzwischen eine Bekanntheit erreicht, bei der viele Führungskräfte sagen: "Das ist die Nummer eins am Markt, da will ich arbeiten." Ich schaue mir selbst jeden Monat zwei oder drei Leute an, die für uns interessant sind. Und was tun Sie, um Mitarbeiter zu halten? Mit unserem Benefitprogramm XXXL Plus unterstützen wir sie und ihre Familien ganz konkret: etwa mit einer arbeitgeberfinanzierten Krankenzusatzversicherung oder einer betrieblichen Altersvorsorge, zusätzlichen Urlaubstagen zu Geburtstag und Jubiläum sowie Familienleistungen und Mitarbeiterrabatten. Besonders wichtig ist uns auch die Notfallhilfe: Wenn Mitarbeitende unverschuldet in eine ernste Notlage geraten, helfen wir schnell und unbürokratisch. Sie selbst haben vor 36 Jahren als Verkäufer bei XXXLutz angefangen. Ist eine solche Karriere heute noch möglich? Absolut. Viele unserer Führungskräfte kommen aus den eigenen Reihen. Ich habe damals auch nicht darüber nachgedacht, dass ich irgendwann CEO in Deutschland sein würde. Das hat sich ergeben, weil ich meinen Job ganz gut gemacht habe. Ich könnte Ihnen hundert Leute nennen, die bei uns irgendwo angefangen haben und heute einen völlig anderen Job machen. Sie bilden dafür gezielt Nachwuchs aus? Wir haben ungefähr 1.000 neue Azubis pro Jahr und holen sie aus ganz Deutschland zu einem großen Azubi-Tag zusammen. Außerdem gibt es unsere "Fit for Future"-Akademie. Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres wählen wir besonders gute Leute aus, die zusätzlich auf Führungsaufgaben vorbereitet werden. Vier, fünf oder sechs Jahre später sind das Führungskräfte an unseren Standorten. Sie sagen, XXXLutz führe anders als andere Unternehmen. Was machen Sie anders? Wir geben Verantwortung ab. Wenn ich einen Hausleiter schlecht finde, sein direkter Vorgesetzter aber sagt: "Du täuschst dich, der ist super", dann ist der für mich super. Erst wenn der Verantwortliche dauerhaft keinen Erfolg hat, muss ich mir diesen Verantwortlichen anschauen. Wie nah sind Sie selbst überhaupt noch am Alltag in den Möbelhäusern? Sehr nah. Wenn ich in eine Filiale komme, gehe ich vorne rein und rede mit den Leuten. Oder ich gehe hinten durchs Lager und spreche mit dem Lagermitarbeiter. Wenn mir die Putzfrau über den Weg läuft, frage ich auch sie, wie es ihr geht. Nach einer halben Stunde weiß ich meistens ziemlich genau, was in einem Laden gut und was schlecht läuft. Sie besuchen Ihre Häuser tatsächlich regelmäßig persönlich? Ja. Freitag ist normalerweise mein Reisetag. Auch die Porta-Häuser haben Sie sich vor der geplanten Übernahme persönlich angesehen? Alle. Alle 26? Klar. Da gehe ich durch und schaue mir den Standort an. Wie werde ich als Kunde behandelt? Will mir jemand etwas verkaufen? Und wenn alle 20 Meter ein Kübel steht, weil es durchs Dach tropft, weiß ich: Da kommt wahrscheinlich eine Dachsanierung auf uns zu, und die kostet schnell eine Million. (lacht) Was ist Ihr Lieblingshaus von XXXLutz? Oha! Wenn ich Ihnen jetzt eines nenne, fragen mich alle anderen Häuser: Und was ist mit uns? Wir fragen trotzdem. Ich kann Ihnen was zur Architektur der Häuser sagen. Da sind Karlsruhe ganz vorn und Aschersleben. Auch Kaltenkirchen ist sensationell. Was gefällt Ihnen ausgerechnet an Karlsruhe? Das Lustige ist: Von der Gebäudestruktur her ist das Haus eigentlich eine Katastrophe. (lacht) Wir würden heute ganz anders bauen. Es hat diesen Warenhauscharakter mit Zwischenetagen, das ist für ein Möbelhaus eigentlich furchtbar. Aber ich finde, es ist sensationell gut gemacht. Wir haben es gekauft, nicht gebaut. Selbst hätten wir dafür wahrscheinlich nie das Geld ausgegeben. Sie sprechen ständig davon, noch größer werden zu wollen. Wollen Sie irgendwann der größte Möbelhändler der Welt sein? Wenn wir irgendwann die Nummer eins weltweit werden, dann kann das ein Ergebnis sein. Das ist aber nicht unser eigentliches Ziel. Unser Ziel ist, an jedem einzelnen Standort die Nummer eins zu sein – egal, ob in Mannheim , Nürnberg oder irgendwo auf dem Land. Sie sind auffällig optimistisch – nicht nur für XXXLutz, sondern auch für Deutschland. Viele Unternehmer reden derzeit von Krise, Bürokratie und schlechten Standortbedingungen. Natürlich könnte man in Deutschland einiges anders und besser machen. Aber ich bin seit 32 Jahren hier und halte den Wirtschaftsstandort für phänomenal. Dieses Land hat brutal viele Möglichkeiten, Kapazitäten und Kraft. Ich wüsste kein Land, in dem ich meine Pläne und Ziele lieber verwirklichen würde. Herr Kobler, Sie sind 63 Jahre alt. Wie lange wollen Sie selbst noch an der Spitze von XXXLutz bleiben? Solange ich es machen kann und es mir Spaß macht. Und es macht Ihnen noch Spaß? Das haben Sie doch gemerkt, oder? (lacht) Klingt nicht nach baldiger Rente . Nein, bestimmt nicht! Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kobler!

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