Die private Krankenversicherung wird für mehr als die Hälfte der Versicherten im kommenden Jahr deutlich teurer. Welche Optionen Betroffene nun haben. Während der Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in der vergangenen Woche positive Nachrichten für die GKV-Versicherten zu verkünden hatte, müssen viele privat Versicherte im kommenden Jahr deutlich mehr für ihre Krankenversicherung zahlen. So rechnet der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) damit, dass sich die Vollversicherung für über die Hälfte der Versicherten (53 Prozent) 2027 verteuern wird – und zwar deutlich. Der Verband prognostiziert eine Anhebung von im Schnitt 13,4 Prozent. Während die Prämien bei den Beihilfeberechtigten durchschnittlich um 11,4 Prozent steigen werden, erwartet der PKV-Verband bei den anderen Versicherten Prämiensteigerungen von durchschnittlich 15,3 Prozent. 250 Euro mehr im Monat Da es sich um Durchschnittsentwicklungen handelt, können einzelne Tarife deutlich teurer werden, in anderen fällt der Beitragsanstieg indes geringer aus. In den vergangenen Jahren waren Beitragssteigerungen von bis zu 40 Prozent keine Seltenheit: Für Versicherte bedeutete das teils monatliche Mehrkosten von 150 bis 250 Euro. "Die Anpassungen, über die die PKV-Unternehmen in den nächsten Wochen informieren, werden für viele Versicherte spürbar ausfallen", kommentierte Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbands, die prognostizierte Beitragsentwicklung. Für die Versicherten in der privaten Krankenversicherung ist es die dritte spürbare Beitragsanpassung innerhalb der vergangenen drei Jahre. So waren die Beiträge für 2026 für rund 60 Prozent der Versicherten um durchschnittlich 13 Prozent gestiegen. 2025 verteuerten sich die Beiträge sogar um durchschnittlich 18 Prozent – betroffen waren damals rund zwei Drittel der 8,7 Millionen privat Versicherten. Leistungsausgaben steigen in PKV und GKV Der Grund für die steigenden Beiträge ist der gleiche, der auch den gesetzlichen Krankenkassen zu schaffen macht: die steigenden Leistungsausgaben. Vor allem für Medikamente (plus 8 Prozent) und Krankenhausbehandlungen (plus 7,5 Prozent) mussten die Versicherer 2025 deutlich mehr zahlen. Dies schlägt sich letztlich auch auf die Prämien der Versicherten nieder. Dass die Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung oftmals markant ausfallen, ist gesetzlich begründet. Denn eine Beitragsanpassung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. So müssen die Leistungsausgaben deutlich stärker steigen als vom Versicherer kalkuliert. In den meisten Fällen gilt hier ein Grenzwert von zehn Prozent. Erst wenn dieser überschritten wird, darf der Versicherer die Prämie anpassen. Dieser Mechanismus führt dazu, dass die Beiträge jahrelang nicht oder nur gering, dann aber plötzlich stark ansteigen. Auf lange Sicht sind die Beitragssteigerungen in der PKV als auch der GKV indes vergleichbar, rechnet das wissenschaftliche Institut des PKV-Verbands vor. So stiegen die Beiträge in der PKV zwischen 2006 und 2026 im Schnitt pro Jahr um 3,4 Prozent, in der GKV waren es hingegen jährlich 3,9 Prozent. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind allerdings in erster Linie Gutverdiener von Beitragssteigerungen betroffen. Grund ist die stetig steigende Beitragsbemessungsgrenze, die besagt, bis zu welchem Gehalt Krankenkassenbeiträge zu zahlen sind. Doch auch Lohnsteigerungen spielen hier eine Rolle: Wer mehr verdient, zahlt in der GKV höhere Beiträge. Die Beiträge der privaten Krankenversicherung sind hingegen einkommensunabhängig. Diese Optionen haben Versicherte Auch wenn die Beitragssteigerungen der beiden Systeme vergleichbar sind, kann die plötzliche Beitragsexplosion Versicherte vor finanzielle Probleme stellen. Experten warnen davor, überhastete Entscheidungen zu treffen, etwa zu einem anderen Versicherer zu wechseln. Denn auch der eigene Versicherer bietet Wechselmöglichkeiten. So haben Versicherte das Recht, in einen anderen Tarif mit – sofern vorhanden – gleichartigem oder auf Wunsch geringeren Leistungsumfang zu wechseln. Hierbei sollten die Versicherten die Leistungen genau vergleichen und gegebenenfalls überlegen, welche Leistungsbausteine verzichtbar und welche hingegen unerlässlich sind. Für Versicherte über 60 Jahre gilt zudem, dass der Versicherer sie in der Beitragsinformation konkret auf günstigere Optionen hinweisen muss. Um die Beiträge zu senken, ist auch die Vereinbarung eines Selbstbehalts denkbar. Damit verpflichten Sie sich, einen Teil der anfallenden Behandlungskosten selbst zu zahlen, beispielsweise 600 Euro. Erst wenn die Kosten diesen Selbstbehalt überschreiten, zahlt der Versicherer. Im Gegenzug senkt dieser die monatlichen Beiträge. Diese Option lohnt sich jedoch vor allem für gesunde Menschen, die selten zum Arzt gehen. Wer bereits vor dem 1. Januar 2009 privat krankenversichert war, kann zudem in den sogenannten Standardtarif wechseln. Hierdurch sinkt zwar der Versicherungsbeitrag, allerdings ist auch der Versicherungsschutz stark abgespeckt. Der Leistungsumfang entspricht in etwa der gesetzlichen Krankenversicherung. Für nach 2009 privat Versicherte ist ein Wechsel in den Standardtarif indes nicht möglich. Sie können lediglich in den sogenannten Basistarif wechseln, der jedoch teurer ist. Der Wechsel zu einem anderen Versicherer sollte indes wohlüberlegt sein. Hierbei gehen nämlich in der Regel die sogenannten Altersrückstellungen teilweise oder sogar vollständig verloren. Vorsicht vor windigen Anbietern Ein Wechsel des Anbieters ist somit lediglich für vergleichsweise junge und gesunde Versicherte eine Option. Doch auch diese sollten bedenken: Niemand kann voraussehen, wie sich die Beiträge bei der neuen Versicherung entwickeln werden. Vorsicht ist auch bei speziellen Dienstleistern geboten, die im Internet hohe Beitragsersparnisse durch einen Tarif- oder Anbieterwechsel versprechen. Da sich deren Honorar häufig nach der Beitragsersparnis bemisst, kürzen diese oft sämtliche Leistungen aus dem Vertrag. Dadurch wird der Vertrag für den Versicherten zwar tatsächlich günstiger, jedoch bleiben kaum Leistungen übrig. Der Tarifwechselberater sichert sich aber in jedem Fall ein hohes Honorar. Entsprechend sollten Versicherte hier nur auf vertrauenswürdige Berater zurückgreifen.